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Kohortenstudie zur Erfassung des Risikos der durch Medikamente ausgelösten Agranulozytose



Neutropenien bzw. akute Agranulozytosen nach Medikamenten beruhen entweder auf einer dosisabhängigen Knochenmarksuppression oder einer Antikörper-/Komplement-/Immunkomplex-vermittelten Schädigung myeloischer Vorläuferzellen bzw. einem verstärkten peripheren Abbau neutrophiler Granulozyten. Prinzipiell wird von einer individuellen Überempfindlichkeit (metabolischer oder immunologischer Natur) als Vorbedingung einer Knochenmark- bzw. Blutschädigung ausgegangen. Genaue Angaben zur Inzidenz bzw. zum relativen Risiko des jeweils angeschuldigten Medikaments sind häufig schwierig zu ermitteln (vgl. Ergebnisse der International Agranulocytosis and Aplastic Anemia Study, IAAAS; 1; s.a. AMB 1987, 21, 5). In einer holländischen Kohortenstudie wurde deshalb versucht, das Risiko der Medikamenten-assoziierten Agranulozytose als Grund einer stationären Aufnahme zu ermitteln (2). Hierzu wurden zwischen Januar 1987 und Dezember 1990 insgesamt 923 stationäre Patienten mit Einweisungsdiagnose Agranulozytose oder ähnlichen Erkrankungen der neutrophilen Granulozyten ausgewertet und mit einer Referenzkohorte - erfaßt innerhalb eines Pharmakovigilanzsystems (Pharmo Morbidity Record Linkage System) - verglichen. Von diesen 923 Patienten blieben letztlich 78 stationäre Aufnahmen übrig, bei denen die Kriterien für eine wahrscheinliche oder mögliche Auslösung durch Medikamente erfüllt waren bzw. die Agranulozytose außerhalb des Krankenhauses aufgetreten und Grund für die stationäre Aufnahme war. Von diesen 78 Patienten starben 6, und weitere 6 entwickelten schwere Komplikationen (Sepsis bzw. septischer Schock). Verantwortliche Medikamente waren in absteigender Häufigkeit: Methimazol, Sulfasalazin, Sulfamethoxazol-Trimethoprim (Co-trimoxazol), Clomipramin, Metamizol kombiniert mit anderen Analgetika und Carbimazol. Das relative Risiko für das Auftreten einer Agranulozytose betrug für Thyreostatika (Methimazol und Carbimazol kombiniert) 114,8, für Sulfasalazin 74,6, für Metamizol kombiniert mit anderen Analgetika 26,4, für Sulfamethoxazol-Trimethoprim 25,1 und für Clomipramin 20,0. Nach Absetzen des für die Agranulozytose verantwortlich gemachten Medikaments kam es bei 43 Patienten innerhalb von 30 Tagen zu einer Erholung der Neutrophilen, 8 Patienten zeigten innerhalb dieses Zeitraumes keine Normalisierung der Blutwerte, 5 Patienten starben vor Erholung der Neutrophilen und bei 22 Patienten waren keine Daten verfügbar. Die Inzidenz der ambulant erworbenen symptomatischen Agranulozytose lag für die Jahre 1987 bis 1990 zwischen 1,6 und 2,2 bezogen auf eine Million Einwohner.

 

Fazit: Die niederländische Kohortenstudie zur Inzidenz von ambulant aufgetretenen symptomatischen Agranubzytosen bestätigt das hohe relative Risiko von Thyreostatika und Sulfasalazin. Clozapin (vgl. AMB 1991, 26, 2), ein Neuroleptikum mit einem Agranulozytoserisiko von etwa 1% (3), war während des obengenannten Studienzeitraumes in den Niederlanden nicht zugelassen. Agranulozytosen im Zusammenhang mit der Einnahme anderer Medikamente, für die eine ursächliche Wirkung angenommen wird (z.B. Goldsalze, Penicillamin, Procainamid, Dapson), traten in dieser Studie nicht auf.

 

Literatur

1.?????? The International Agranulocytosis and Aplastic Anemia

Study: JAMA 1986, 256,1749.

2.?????? Van der Klauw, M. M., et al.: Arch. Intern. Med. 1999,159,369.

3.?????? Müller-Oerlinghausen, B., und Schmidt, L. G.: Psychophar?maka. In: Müller-Oerlinghausen, B., Lasek, R., Düppenbecker, H., Munter, K.-H. (Hrsg.): Handbuch der unerwünschten Arz?neimittelwirkungen. Urban & Fischer München, Jena 1999, S.448.

 

 

 


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Kohortenstudie zur Erfassung des Risikos der durch Medikamente ausgelösten Agranulozytose



Schlagwort: Agranulozytose, Info: Risiken von Arzneimitteln
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