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 AMB 1998, 32, 78b 

Lamivudin zur Behandlung der chronischen Hepatitis B


Interferon alfa ist z.Z. das einzige Therapeutikum der chronischen Hepatitis B, das weltweit anerkannt ist. Lamivudin, ein orales Nukleosid-Analogon und Virustatikum, das bei HIV-Infektionen angewandt wird, hat auch günstige Ergebnisse bei der Behandlung der Hepatitis B gezeigt.

Die Hepatitis B ist in Asien besonders weit verbreitet. In einer plazebokontrollierten Studie aus Hongkong und Taipeh wird nun über die Ergebnisse der Behandlung von 358 Chinesen mit chronischer Hepatitis B berichtet (Lai, Ching-Lung, et al.: N. Engl. J. Med. 1998, 339, 61). 142 Patienten erhielten 25 mg Lamivudin, 143 Patienten 100 mg Lamivudin und 73 Patienten Plazebo jeweils einmal täglich oral. Neben den Transaminasen wurden HBeAg, HBeAK, HbsAg, HBV-DNA und außerdem durch Leberbiopsien (zu Beginn und am Ende der Studie) der Verlauf der entzündlichen Veränderungen kontrolliert.

Nach einjähriger Therapie mit 100 mg Lamivudin/d ging die an Hand der Leberbiopsie beurteilte entzündlich-nekrotisierende Aktivität bei 56% der Patienten zurück. Nach Behandlung mit 25 mg Lamivudin/d bzw. Plazebo war dies bei 49% bzw. 25% der Patienten nachzuweisen. Die 100-mg-Dosis führte auch zu einer geringeren Progression der Fibrose sowie zu einer deutlich häufigeren Serokonversion (Verschwinden von HBeAg, Entwicklung eines HBeAK und Verschwinden der HBV-DNA). Bei der gewählten Dosierung gab es praktisch keine Nebenwirkungen.

Ein Editorial in demselben Heft (Omata, M.: N. Engl. J. Med. 1998, 339, 114) besagt, daß die Ergebnisse von Lai et al. besonders bedeutsam für Asien sind, wo 75% der weltweit ungefähr 300 Millionen Träger des Hepatitis-B-Virus leben. Die Serokonversion unter der üblichen Behandlung mit Interferon alfa ist nach einer Metaanalyse der vorhandenen Studien etwa gleich häufig (Wong, D.K., et al.: Ann. Intern. Med. 1993, 119, 312). Eine Serokonversion ist aber nicht gleichbedeutend mit der Eradikation des Virus. Die Replikation kann bald nach Beendigung der Therapie wieder beginnen.

Fazit: Eine einjährige orale Therapie mit Lamivudin führte bei mehr als der Hälfte der Patienten mit chronischer Hepatitis B zu einer deutlichen histologischen Besserung. Täglich 100 mg Lamivudin waren wirksamer als 25 mg. Die Nebenwirkungen waren gering. Untersuchungen, in denen Substanzen wie Lamivudin mit der etablierten Interferon-alfa-Therapie verglichen werden, auch im Hinblick auf die Spätkomplikationen (Leberzirrhose, primäres Leberzellkarzinom), sind dringend erforderlich.

 

Schlagworte zum Artikel

 

 

Hepatitis B, Lamivudin,