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 AMB 1999, 33, 72b 

Leserbrief: Cyproteron-Azetat und Haarausfall?


Frage von Dres. G. u. H. S. aus Hammelburg: >> Sind Ihnen Informationen zugänglich, ob Cyproteron-Azetat eine androgenetische Alopezie hervorrufen oder begünstigen kann? Anlaß zu dieser Frage ist der Fall einer 26jährigen Patientin mit nunmehr weitgehendem Haarausfall. Die Patientin hat mehrere endokrinologische und fachärztliche Beratungen und Therapieversuche hinter sich (inkl. Minoxidil, Spironolacton und lokale Steroide); lediglich Propezia ist noch nicht versucht worden. <<

Antwort: >> Zunächst müßte geklärt werden, ob es sich überhaupt um eine sogenannte androgenetische, d.h. durch vermehrte Androgen-Einwirkung bedingte Alopezie handelt. Eine androgenetische Alopezie tritt nur in den Bereichen des Kopfes auf, in denen auch Männer, die zur Glatze neigen, einen Haarausfall bzw. -rückgang erleben. Hierbei bleibt immer die Behaarung über den Schläfen und am Hinterkopf ausgespart. Bei einer Frau mit einer hochgradigen androgenetischen Alopezie ist darüber hinaus zu erwarten, daß ein Hirsutismus (vermehrte Terminalbehaarung an der Oberlippe, am Kinn, in der Schläfenregion, zwischen den Brüsten und am Abdomen) auftritt. Weiterhin wäre mit Akne zu rechnen.

 

Nur bei androgenetischer Alopezie sind Anti-Androgene im weitesten Sinne indiziert. Das von Ihnen angesprochene Cyproteron-Azetat ist ein Gestagen und Anti-Androgen mit direkter blockierender Wirkung am Androgen-Rezeptor. Spironolacton ist ein Anti-Mineralocorticoid und etwas schwächeres Anti-Androgen als Cyproteron-Azetat, das ebenfalls gestagene Teilfunktionen hat. Das von Ihnen erwähnte Minoxidil ist kein Anti-Androgen. Es erhöht lediglich, vermutlich durch eine deutliche Mehrdurchblutung der Haarbälge am ganzen Körper, die Körperbehaarung inklusive der Lanugo-Behaarung unselektiv. Propezia ist ein 5α-Reduktase-Inhibitor. Die Wirksubstanz, Finasterid, ist bereits seit einigen Jahren als Anti-Androgen für die Behandlung der benignen Prostata-Hyperplasie im Einsatz. Diese Substanz blockiert weitgehend die Umwandlung von Testosteron in Dihydro-Testosteron in Androgen-sensiblen Zellen. Dihydro-Testosteron hat eine stärkere Affinität zum Androgen-Rezeptor als Testosteron. Hierdurch wird die androgene Wirkung des Testosterons (die in vielen Zellen überwiegend durch Dihydro-Testosteron ausgeübt wird) vermindert.

 

Fazit: Die Ursache der Alopezie bei ihrer Patientin muß zunächst abgeklärt werden. Nach Ihrer Beschreibung ist am ehesten an eine Alopezia areata, die in eine Alopezia totalis übergehen kann, zu denken. Eine luisch bedingte Alopezia areolaris wird wahrscheinlich nicht vorliegen. Endokrine Erkrankungen, die zum starken Haarausfall am Kopf führen können, sind - unabhängig von Androgenen - eine schwere Hyperthyreose und ein Cushing-Syndrom. Die Verursachung oder Begünstigung einer vorhandenen androgenetischen Alopezie durch Cyproteron-Azetat ist sehr unwahrscheinlich, wenn nicht ausgeschlossen.<<