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 AMB 2000, 34, 40 

Leserbrief: Risiken der Hepatitis-B-Impfung


Fragen von Dr. L.S.: >> In Frankreich ist die Hepatitis-B-Impfung u.a. wegen neurologischer Komplikationen in die Kritik geraten. Haben Sie Informationen über solche Nebenwirkungen? Wie schätzen Sie das Nutzen-Risiko-Verhältnis ein? Ist eine Altersgruppe besonders gefährdet? Ist die Impfung weiterhin generell zu empfehlen. <<

Antwort: >> Das Gesundheitsministerium in Frankreich hat mit Wirkung vom 1. Oktober 1999 die Hepatitis-B-Impfungen in Schulen einstweilen ausgesetzt. Es tat dies entgegen der offiziellen Stellungnahmen von Expertengremien und der WHO. Angebliche Nebenwirkungen hatten zu Protesten von Impfgegnern und zu öffentlicher Kritik in den Medien geführt. Deshalb werden jetzt Schulkinder wie auch Kleinkinder und Erwachsene von Hausärzten geimpft. Die generelle Impfempfehlung wurde nicht geändert (5).

In der Tat haben seit Einführung der Impfung gegen Hepatitis B - in den 70er Jahren mit dem sog. Plasma-Impfstoff (gereinigtes HBs-Antigen aus dem Plasma gesunder HBV-Carrier) und seit Mitte der 80er Jahre mit dem gentechnologisch gewonnenen (HBs-Antigen aus Hefezellen) - immer einmal wieder kasuistische Berichte über vermutete lmpfstoffnebenwirkungen für Aufregung gesorgt. Umfassende Übersichten finden sich in der Literatur (1, 6).

Von besonderer Bedeutung sind zwei aktuelle, offizielle Stellungnahmen zu diesem Thema.

1. Im Mai 1997 hat die WHO unter der Überschrift "Lack of evidence that hepatitis B vaccine causes multiple sclerosis" u.a. auch die in Frankreich diskutierten Fälle analysiert (7). Ein Kausalzusammenhang zwischen Hepatitis-B-lmpfung und dem Ausbruch einer demyelinisierenden Erkrankung wird abgelehnt. Auch die Epidemiologie spricht gegen eine ursächliche Beziehung: Die Rate demyelinisierender Erkrankungen beträgt 0,6 pro 100000 Geimpfte und liegt damit niedriger als der Erwartungswert an Multipler Sklerose in derselben Bevölkerung mit 1-3 pro 100000 Einwohner.
2. Im September 1998 hat in Genf ein Expertengremium, das Viral Hepatitis Prevention Board (VHPB), zu diesem Problem getagt und einen Bericht darüber publiziert (2, 3). Dieses Gremium existiert seit 1992 und berät die WHO. Die Schlußfolgerung in diesem Bericht lautet auszugsweise: Es wird übereinstimmend festgestellt, daß alle bisherigen Daten gegen einen Kausalzusammenhang zwischen Hepatitis-B-lmpfung und demyelinisierender ZNS-Erkrankung sprechen. Deshalb sieht man gegenwärtig keine Veranlassung, die lmpfstrategie zu ändern oder einzuschränken. Im Gegenteil: Der große Nutzen dieser Impfung - einschließlich Verhütung von Leberzirrhose und Leberzellkrebs - ist weltweit so offenkundig, daß die Experten des VHPB die WHO-Empfehlungen zur breiten Anwendung des gen-technologisch gewonnenen Impfstoffs bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen rückhaltlos befürworten.

Fazit: Die Nebenwirkungen der Hepatitis-B-lmpfung lassen sich wie folgt zusammenfassen (4, 6): Lokale Nebenwirkungen (Rötung, Schwellung, Schmerz) sind ähnlich häufig wie bei anderen Impfungen. Seltener (Promille-Bereich) kann es zu passageren systemischen Reaktionen wie Kopf-/Gliederschmerzen, Unwohlsein kommen. Die Nebenwirkungen sind weitgehend unabhängig von der lmpfdosis und vom Alter des lmpflings. Die lnzidenz schwerer, vor allem neurologischer Erkrankungen (Multiple Sklerose) ist ohne und im zeitlichen Zusammenhang mit der Hepatitis-B-lmpfung nicht verschieden, so daß es sich nicht um einen kausalen, sondern koinzidentalen Zusammenhang handelt. <<

Literatur

1. Grotto, I., et al.: Vaccine 1998, 16, 329.
2. Hall, A., et al.: Vaccine 1999, 17, 2473.
3. Halsey, N.A., et al.: Pediatr. lnfect. Dis. 1999, 18, 23.
4. Hofmann, F, und Hasselhorn, H.M.: Zur Frage der Bedeutung von Nebenwirkungen bei der Hepatitis-B-Schutzimpfung. In: lmpfreaktionen - lmpfkomplikationen - 40 Jahre DVV Hrsg.: G. Maass. Kilian-Verlag, Marburg 1995.
5. Robert-Koch-Institut. Epidemiologisches Bulletin 40/98. S. 285.
6. Stratton, K.R., et al. (Hrsg.): Adverse Events Associated with Childhood Vaccines - Evidence Bearing on Causality Hepatitis B Vaccines. National Academy Press, Washington D. C. 1994, S.211.
7. WHO: Expanded Programme on Immunization. Lack of evidence that hepatitis B vaccine causes multiple sclerosis. Weekly Epidemiological Record 1997, 72, 149.

 

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