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 AMB 2000, 34, 80 

Leserbrief: Vitamine und Koronare Herzkrankheit


Frage von Dr. W.D. aus Siegen: >> Es wird derzeit über die Hochdosis-Vitamin-Therapie von Dr. Rath diskutiert. Welche Literatur gibt es über die Wirksamkeit von zusätzlicher medikamentöser Vitaminzufuhr? <<

Antwort: >> Beobachtungsstudien zeigen eine geringere Inzidenz kardiovaskulärer Ereignisse bei Personen, die sich Vitamin-E-reich ernähren (1, 2). Aus diesen Registern kann jedoch nicht abgeleitet werden, daß diese Korrelation auf einem ursächlichen Zusammenhang beruht. Es könnte durchaus sein, daß die Vitamin-E-reichere Diät auch reicher ist z.B. an ungesättigten Fettsäuren, Ballaststoffen oder ärmer ist an Cholesterin. Es könnte auch sein, daß sie assoziiert ist mit anderen "Lifestyle"-Faktoren wie z.B. höherer körperlicher Aktivität und Allgemeininteresse an der Gesundheit. Interventionsstudien haben bisher nicht einheitlich gezeigt, daß eine zusätzliche Gabe von Vitaminen kardiovaskuläre Ereignisse oder die Letalität senkt (3, 4).

Für die Aussagen von Herrn Dr. Rath gibt es keinen wisssenschaftlichen Hintergrund; seine Produkte werden über das Internet und über Berater in Deutschland von einer Firma in den Niederlanden vertrieben, die für deutsche Gerichte nicht zugänglich ist. Der Vertrieb seines werbenden Buches "Warum kennen Tiere keinen Herzinfarkt?" und der Vertrieb seiner Präparate wurde durch Beschluß des Landgerichts Berlin vom 13.11.1998 untersagt - wie uns das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte mitteilt. Es handelt sich dabei um hochdosierte Vitamin-Präparate. Die Behandlung mit solchen Präparaten basiert auf dem Konzept der sogenannten orthomolekularen Medizin, die vom Nobelpreisträger Linus Pauling unterstützt wurde. Sie enthalten hochdosiert Vitamine, insbesondere Ascorbinsäure. Ihre Wirkung ist in keiner Weise wissenschaftlich bewiesen. Die empfohlenen Dosierungen übersteigen den täglichen Bedarf von 75 mg Vitamin C um mindestens den Faktor 4. Allein die hohe Dosierung von Vitamin C führt zur Einstufung der Produkte als Arzneimittel, da von überwiegend anderen als Ernährungszwecken auszugehen ist. Hinzu kommen die werbenden Aussagen, die in verschiedenen Medien von Dr. Rath verbreitet werden. Sie beziehen sich auf die prophylaktische und therapeutische Wirkung seiner "Zellularmedizin". Dr. Rath selbst bezeichnet seine Produkte als "nachweislich wirksame Naturheilmittel". Es handelt sich also um zulassungspflichtige Arzneimittel. Eine solche Zulassung liegt nicht vor. Herr Dr. Rath handelt gesetzwidrig, wenn er von den Niederlanden aus diese Produkte weiter als teure Arzneimittel vertreibt. <<

Literatur

1. Stampfer, M.J., et al. (Nurses Health Study): N. Engl. J. Med. 1993, 328, 1444.
2. Rimm, E.B., et al. (Health Professionals Follow-up Study): N. Engl. J. Med. 1993, 328, 1450.
3. Yusuf, S., et al. (HOPE = Heart Outcomes Prevention Evaluation Study): N. Engl. J. Med. 2000, 342, 154.
4. Tardif, J.-C., et al. (Multivitamins and Probucol Study): N. Engl. J. Med. 1997, 337, 365.