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 AMB 2002, 36, 16b 

Leserbrief: Substitution von Dehydroepiandrosteron bei Nebennierenrindeninsuffizienz


Dr. A. H. aus London schreibt zu unserem Artikel über günstige Wirkungen der Substitution von Dehydroepiandrosteron (DHEA) auch bei Männern mit Addison-Krankheit (1) in Englisch sinngemäß: >> Die Indikation zur Substitution von DHEA erscheint klar, überzeugend und wichtig, aber es kann in Großbritannien nicht verschrieben werden. Kann es in Deutschland ”over the counter” gekauft werden? In den USA ist es als ”Food supplement” (Nahrungsergänzungsmittel) mit ungewisser Qualität und nicht durch die Food and Drug Administration (FDA) reguliert in Drug stores zu haben. Sollten Zeitschriften wie der AMB hier nicht Abhilfe anmahnen? <<

 

Antwort: >> In der Tat wird hier ein grober Mißstand angesprochen. DHEA ist ein Hormon wie Kortisol oder Testosteron, die beide nur auf Rezept erhältlich sind. Die späte Entdeckung von DHEA als zu substituierendes Hormon hat dazu geführt, daß selbstverständlich seit langem kein Patentschutz mehr besteht, so daß es jedermann vermarkten könnte. In einem i.m. zu injizierenden Depotpräparat für die postmenopausale ”Hormonsubstitution” der Schering AG (Gynodian depot) ist DHEA unter dem generischen Namen Prasteron auf dem Markt. Die vor 2 Jahren publizierte Studie aus Deutschland über die DHEA-Substitution bei Frauen mit primärer und sekundärer Nebenniereninsuffizienz (2) wurde mit DHEA der Firma Jenapharm, einer Tochter von Schering, durchgeführt. Offenbar wurde die weitere Entwicklung des Präparats aus Kostengründen gestoppt oder unterbrochen. Das ist sehr zu bedauern. Deutsche Endokrinologen verschreiben zur Zeit DHEA-Tabletten oder -Kapseln à 25 mg zum Import aus dem Ausland; jedoch kann man sich der Qualität des Produkts nicht sicher sein. Der Verfasser dieser Antwort hat gute Erfahrung mit dem Präparat der Firma Natrol (USA). Zumindest hatten bisher alle Patienten, die mit 25 mg oder 50 mg DHEA/d behandelt wurden, unter der Substitution DHEA-Sulfat-Konzentrationen im Normbereich, bei zuvor stark erniedrigten Werten.

 

Die letzte Ausgabe der Zeitschrift Glandula (3), die Mitgliederzeitschrift der Selbsthilfe-Organisation ”Netzwerk Hypophysen- und Nebennierenerkrankungen e.V.” (4), enthält einen wertvollen Hinweis: Unsere Apothekerkollegen erlernen ja immer noch die eigenhändige Herstellung von Pillen und Kapseln. Die Firma Synopharm GmbH, Pharmazeutische Feinchemikalien, liefert mit allgemeiner Herstellungserlaubnis nach § 13 AMG und mit Prüfungszertifikat auf Anforderung die Reinsubstanz Prasteron. Das Rezept sollte dann etwa folgendermaßen aussehen: DHEA (Prasteron)-Kapseln 25 mg Nr. 100, Füllstoff nach Bedarf, z.B. 0,5 Teile Siliziumdioxid und 99,5 Teile Mannit. Verwendet werden können Hartgelatine-Steckkapseln der Größe I. Nähere Auskünfte sind von Prof. Dr. J. Hensen, Hannover, Herausgeber der ”Glandula” (E-mail: Netzwerk-Hannover@gmx.de; Fax: 0511-970-1738), zu erhalten. Diese Rezeptur ist aber teurer als der Import aus den USA. <<

 

Literatur

  1. AMB 2001, 35, 61a.
  2. Arlt, W., et al.: N. Engl. J. Med. 1999, 341, 1013; Oelkers, W.: N. Engl. J. Med. 1999, 341, 1073; s.a. AMB 1999, 33, 87.
  3. Glandula 2001, 14, 52.
  4. www.uni-erlangen.de/glandula)