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 AMB 2002, 36, 78b 

Wechselwirkung zwischen Tramadol und Antikoagulanzien?


Die schwedische Arzneimittelbehörde macht in ihrem Informationsblatt vom Juli 2002 darauf aufmerksam, daß ihr von 1995 bis 2001 zwölf Fälle gemeldet worden sind, bei denen unter gleichzeitiger Behandlung mit Tramadol (Tramal u.v.a.) und Antikoagulanzien die antikoagulatorische Wirkung intensiviert wurde mit INR-Werten von 3,6 bis über 8,5. In vier Fällen traten nicht-bedrohliche Blutungen auf. Die INR-Werte sanken wieder innerhalb von zwei bis zehn Tagen, wenn Tramadol abgesetzt wurde (1). Auch Jensen (2) und Madsen (3) beschrieben Fälle, bei denen der Verdacht auf eine solche Interaktion bestand. In einer plazebokontrollierten Untersuchung an 19 Patienten konnten später Boeijinga et al. diese Wechselwirkung nicht bestätigen.

 

Trotzdem ruft die schwedische Arzneimittelbehörde dazu auf, die Gerinnungswerte engmaschig zu kontrollieren, wenn Tramadol und Antikoagulanzien gleichzeitig gegeben werden. Beide Substanzen haben z.T. gleiche Abbauwege (z.B. CYP2D6 und CYP3A4), die bei einzelnen Patienten aber unterschiedlich bedeutsam sein können. Wenn die Interaktion daher nicht regelmäßig und in gleicher Weise vorhanden ist, kann sie in Untersuchungen mit kleiner Patientenzahl (4) übersehen werden. Eine präzise Klärung der individuellen Abbauwege vor Beginn der Therapie ist noch nicht möglich. Könnten sie gemessen werden, wären Interaktionen gezielt vermeidbar. Bis dahin sind wir darauf angewiesen, Warnhinweise, wie dieser der schwedischen Arzneimittelbehörde, ernst zu nehmen und entsprechende Beobachtungen der Arzneimittelkommission zu melden. In den deutschen Fachinformationen ist die Wechselwirkung nicht genannt.

 

Literatur

  1. Hedenmalm, K., und Säwe, J.: Information Läkemedelsverket 2002 ,13, 69.
  2. Jensen, K.: Ugeskr. Laeger 1997,159, 785.
  3. Madsen, H., et al.: Lancet 1997, 350, 637.
  4. Boeijinga, J.K., et al.: J. Clin. Pharmacol. 1998, 38, 966.