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 AMB 2003, 37, 08a 

Leserbrief: Phyto-Östrogene zur postmenopausalen Östrogen-Substitution?


Frage von Dr. G.W. aus Köln: >> Nach den Nachrichten zur postmenopausalen Östrogen-Substitution werden wir Niedergelassene vermehrt nach pflanzlichen Ersatzmedikamenten (Phyto-Östrogenen) gefragt. Wie ist der Stellenwert dieser Substanzen? <<

 

Antwort: >> Zur Behandlung von Beschwerden der Wechseljahre und als ”allgemeine” Alternative zur Östrogentherapie werden Phyto-Östrogene (Isoflavon- einschließlich Rotklee-Extrakte, Soja und Soja-Extrakte) neben zugelassenen Traubensilberkerzen-Extrakten derzeit verstärkt propagiert und auch in neueren Studien (abermals) auf ihre Wirksamkeit bei Wechseljahrsbeschwerden geprüft.

 

Eine Meta-Analyse zur Beurteilung eines Extrakts aus der Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) zeigt, daß positive Ergebnisse kontrollierter Studien fehlen (1). Nicht nur offen oder ohne Plazebo-Gruppe durchgeführte Studien, sondern auch randomisierte, doppeltblinde Studien können nicht als Wirksamkeitsnachweis dienen wegen entscheidender Mängel des Studiendesigns (2). Für Rotklee (Trifolium pratense) liegen ebenfalls keine Belege für eine Wirksamkeit vor (3). Daher sind diese Substanzen keine Alternative zur Östrogentherapie, nicht nur wegen des nicht belegten Nutzens, sondern auch so lange keine hinreichenden Daten zur Langzeiteffizienz und -sicherheit dieser Produkte, die z.T. als Nahrungsergänzungsmittel auch in Deutschland verfügbar sind, vorliegen (4). Wirksamkeitsbelege zur Prävention der Osteoporose - d.h. Angaben aus Studien mit dem Endpunkt Fraktur - fehlen (5); eine Zulassung existiert nicht.

 

Nach den Ergebnissen der Women´s-Health-Initiative-Studie werden alternativ zur Östrogentherapie nicht-pharmakologische Maßnahmen, wie Einschränkung des Konsums von scharfen Gewürzen (Curry), alkoholischen Getränken und Kaffee, die bei manchen Frauen Hitzewallungen offenbar triggern, zur Verminderung vasomotorischer Symptome empfohlen (6). <<

 

Literatur

  1. Borrelli, F., und Ernst, E.: Eur. J. Clin. Pharmacol. 2002, 58, 235.
  2. Kronenberg, F., und Fugh-Berman, A.: Ann. Intern. Med. 2002, 137, 805.
  3. Fugh-Berman, A., und Kronenberg, F.: Menopause 2001, 8, 333.
  4. AMB 2001, 35, 78.
  5. NIH Consensus Development Panel on Osteoporosis Prevention, Diagnosis, and Therapy: Osteoporosis Prevention, Diagnosis, and Therapy: JAMA 2001, 285, 785.
  6. Amerikanische Gesellschaft für Geburtshilfe und Frauenheilkunde, August 2002; http://www.acog.org/from_home/publications/press_releases/nr08-30-02.cfm