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 AMB 2004, 38, 64 

Leserbrief: Häufigkeit von Influenza bei Kindern


Frage von Dr. J.R. aus Oldenburg: >> Ältere Personen (> 60 Jahre) sind anerkanntermaßen durch eine Influenza besonders gefährdet. Wie sieht es mit anderen Altersgruppen, insbesondere Kindern aus? <<

Antwort: >> Zu dieser Frage gibt es zwei internationale Studien, die zu übereinstimmenden Ergebnissen kommen. Die Studie von Neuzil et al. (1) untersuchte retrospektiv die Anfälligkeit von Kindern unter 15 Jahren für Influenzainfektionen bzw. die Häufigkeit der Erkrankungen und stationären Behandlungen in den Jahren 1973-1993. Während der Zeiten, in denen das Influenzavirus am häufigsten auftrat, war die durchschnittliche Rate von stationären Behandlungen: 104 von 10000 Kindern pro Jahr für Kinder unter 6 Monaten, 50 von 10000 Kindern von 6-12 Monaten, 19 von 10000 Kindern von 1-3 Jahren, 9 von 10000 Kindern von 3-5 Jahren und 4 von 10000 Kindern von 5-15 Jahren. Für je 100 Kinder wurde ein jährlicher Durchschnitt von 6-15 ambulanten Besuchen und 3-9 Behandlungszyklen mit Antibiotika ermittelt.

10-30% der Antibiotika sind während der Periode des häufigsten Auftretens der Influenza verabreicht worden. Als Ergebnis dieser Studie zeigte sich, daß gesunde Kinder unter einem Jahr ähnlich häufig hospitalisiert wurden wie Erwachsene mit hohem Risiko. Die Häufigkeit der stationären Behandlungen verringerte sich deutlich mit dem Alter. Die Influenzainfektion ist für häufige ambulante Betreuung der Patienten und Antibiotikagaben bei Kindern jeden Alters verantwortlich.

In der Studie von Izurieta et al. (2) wurde die Häufigkeit der Hospitalisierung von Kindern unter 18 Jahren zwischen 1992 und 1997 untersucht. Es wurde versucht, die Zeiten des häufigsten Auftretens von Influenzainfektionen und Infektionen mit RS-Viren zu trennen. Bei Kindern unter 2 Jahren ohne Vorerkrankungen, wie Asthma, kardiovaskuläre Erkrankungen oder Frühgeburtlichkeit, war die Häufigkeit 231 pro 100000 Personenmonate (1993-1997) und 193 pro 100000 Personenmonate (1992-1997) in zwei verschiedenen Distrikten. Diese Rate war etwa zwölfmal höher als die bei Kindern zwischen 5 und 17 Jahren ohne Vorerkrankungen (19 bzw. 16 pro 100000 Personenmonate) und erreichte so die Häufigkeit der Erkrankungen bei Kindern mit chronischen Erkrankungen zwischen 5 und 17 Jahren (386 bzw. 216 pro 100000 Personenmonate). Somit ergab sich, daß Kleinkinder ohne Vorerkrankungen ein erhöhtes Risiko für eine Hospitalisierung während der Influenzasaison haben. Bei diesen Kindern sollte eine Routineimpfung gegen Influenza überlegt werden.

Auch von deutschen Autoren wird auf die große Bedeutung der Influenza und Influenzaimpfung bei Kindern immer wieder hingewiesen. In diesem Zusammenhang betonen beispielsweise Hallauer und Rohde (3), daß „die exponierte Anfälligkeit von Kindern für Influenza-Erkrankungen durch eine Reihe von (meist von US-Forschern durchgeführten) fundierten Studien in klarer Weise nachgewiesen” sei. Sie führen weiter aus, daß die Raten für Influenza-Erkrankungen bei Kindern mehr als doppelt so hoch wie bei restlichen Bevölkerungsgruppen seien. Damit haben Kinder besonders auch für die Ausbreitung der Infektion eine große Bedeutung. Enge Kontaktpersonen wie Eltern, Geschwister, Schul- und Spielkameraden sowie Lehrer seien demnach besonders gefährdet.

Diese Studienergebnisse werden durch den Nachweis der Zahl der Infektionen, durch die Häufigkeit der Schulabwesenheit in den Wintermonaten sowie durch die durch Quantifizierung des Arbeitsausfalls der Eltern entstehenden Kosten ermittelt. Als Schlußfolgerung wird die Empfehlung gegeben, durch Erweiterung der Indikation von Influenzaimpfungen auch für Kinder die Ausbreitung der Infektion zu verringern und Kosten zu sparen. <<

Literatur

  1. Neuzil, K.M., et al.: N. Engl. J. Med. 2000, 342, 225.
  2. Izurieta, H.S., et al.: N. Engl. J. Med. 2000, 342, 232.
  3. Hallauer, J.F., et al.: Ped. and Related Topics 2000, 39, 433.

 

Schlagworte zum Artikel

 

 

Grippe, Influenza,