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 AMB 2006, 40, 01 

DER ARZNEIMITTELBRIEF im 40. Jahrgang


Im Januar 1967 erschien die erste Ausgabe des ARZNEIMITTELBRIEFS. Der Berliner Allergologe H. Herxheimer hatte die damals revolutionäre Idee, Ärzte, Apotheker und Studenten Industrie-unabhängig über Arzneimittel zu informieren, von seinem Sohn Andrew übernommen. Dieser hatte bereits 1962 in London das Drug and Therapeutic Bulletin gegründet und sehr erfolgreich etabliert. Mit M. Schwab (Internist) und H.-W. Spier (Dermatologe) fand er zwei weitere unabhängig denkende Professoren der Freien Universität Berlin, die das Projekt befürworteten und als Mitherausgeber jahrelang unterstützten. Der Westkreuz-Verlag übernahm Herstellung, Werbung und Vertrieb und ist mit der Erfolgsgeschichte des Blattes seither eng verbunden.

Die heutigen Herausgeber und die Mitglieder der Redaktion sind wissenschaftlich ausgewiesen und alle im Hauptberuf in verantwortlicher Position tätige Ärzte. Daher ist der ARZNEIMITTELBRIEF besonders an der Praxis orientiert. Das zeigt sich in der Auswahl der Themen und in der Bewertung aktueller Entwicklungen in der Pharmakotherapie. D. von Herrath ist Nephrologe, W. Thimme Kardiologe, W.-D. Ludwig Hämatologe und Onkologe, W. Oelkers Endokrinologe, T. Schneider Gastroenterologe und Infektiologe, J. Schuler Kardiologe, M. Döring Hausarzt/Internist und A. Michalsen Kardiologe (Prävention/Rehabilitation). Das Redaktionsteam recherchiert die Themen und schreibt die Texte überwiegend selbst oder beauftragt in besonderen Fällen Spezialisten. So können wir unseren Lesern eine fachlich abgestimmte Auswahl von Themen und verständlich geschriebene Texte mit evidenzbasierter, praxisrelevanter und unabhängiger Beurteilung anbieten.

Unabhängigkeit verpflichtet zur Kritik, die sich diejenigen nicht leisten können, die primär Werbeeinnahmen oder Drittmittel im Auge haben. Die meisten großen Studien zur Wirksamkeit von Arzneimitteln werden von den Herstellerfirmen unterstützt. Wir analysieren, ob bei Konzeption, Durchführung und Auswertung solcher Studien das Testpräparat bevorzugt wird und berücksichtigen dies bei der Beurteilung der Daten. Mit besonderer Wachsamkeit berichten wir auch über die unerwünschten Arzneimittelwirkungen, die aus Marketinginteressen häufig bewusst ausgeblendet oder unter den Teppich gekehrt werden. Auch die Preise der Arzneimittel halten wir für ein wichtiges Thema, denn es ist ärztlich nicht zu rechtfertigen, an einer Stelle unnötig Geld auszugeben, das dann an anderer Stelle fehlt. Wir beteiligen uns auch, soweit möglich, an Versuchen, den nationalen und europäischen Gesetzgeber zu verbraucherfreundlicher Gesetzgebung zu bewegen, z.B. Veröffentlichung von Studienregistern und Nebenwirkungsdateien, keine Werbung bei Laien für verschreibungspflichtige Medikamente, Zulassung für Arzneimittel erst nach vergleichender Testung, Kennzeichnung neuer und in ihren Risiken nicht genau bekannter Arzneimittel. Die Initiative für solche Aktivitäten und viele andere Anregungen gehen von der International Society of Drug Bulletins (ISDB) aus, in der der ARZNEIMITTELBRIEF Mitglied ist. Zusammen mit arznei-telegramm und Pharma-Brief, ebenfalls Mitglieder der ISDB, geben wir seit 2005 das unabhängige medizinische Informationsblatt für Laien „Gute Pillen – Schlechte Pillen” heraus. Laien haben nämlich noch mehr Schwierigkeiten als Ärzte, sich unabhängig zu informieren. Diese Lücke wollen wir schließen. Unabhängige Laien-Information ist eine unabdingbare Voraussetzung für die partnerschaftliche Kooperation mit einem kritischen Arzt. Viele unserer Leser haben den Start des neuen Informationsblatts sehr erfolgreich unterstützt.

Vierzig Jahre unabhängige Arzneimittel-Information durch den ARZNEIMITTELBRIEF - finanziert nur von unseren Lesern - zeigen, dass es viele Ärztinnen und Ärzte, Apothekerinnen und Apotheker gibt, die bereit sind, für gute fachliche Informationen auch zu bezahlen. Sie wollen sich nicht durch Einladungen zu Abendessen oder durch bezahlte Hotelaufenthalte verführen lassen, eine ärztliche Fortbildung zu erhalten, die inhaltlich mit Werbung durchsetzt ist. Unsere Leser schätzen gesundheits- und krankheitsbezogene Informationen, die vom Arzneimittelhersteller unabhängig sind und die sie in die Lage versetzen, ihre Patienten bestmöglich zu betreuen. Nach den Leserbriefen und Leserbefragungen der letzten Jahre haben wir den Eindruck, dass unser Konzept der unabhängigen medizinischen Information auch nach vierzig Jahren noch stimmt. Dieser Idee fühlen wir uns verpflichtet, und wir sind dankbar für die gute Resonanz und das anhaltende Interesse.

Zum Herbst 2006 laden wir zu einer Jubiläumsveranstaltung nach Berlin ein. Das Thema soll sein: „Arzneimittel(des)informationen – Beschreibung der Probleme an Hand von Fallbeispielen”.