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 AMB 2006, 40, 23b 

Der Einfluss der Pharmaindustrie auf das Gesundheitswesen: Antwort der britischen Regierung auf die Vorschläge des Untersuchungsberichtes des Unterhauses


Im September 2005 haben wir ausführlich über den Untersuchungsbericht der Gesundheitskommission des britischen Unterhauses zum Einfluss der Pharmaindustrie auf das britische Gesundheitswesen berichtet (1). Darin wurde anhand vieler Beispiele belegt, dass der Einfluss auf allen Ebenen sehr stark und offensichtlich außer Kontrolle geraten ist. Die Stellungnahme der Regierung zu den zentralen Punkten der Kritik war zurückhaltend (2). So wurde z.B. kein Untersuchungsausschuss eingesetzt zu der Frage, ob die Zulassungsbehörde ihren Verpflichtungen im Sinne der öffentlichen Gesundheitspflege ordnungsgemäß nachkommt, sondern es wurde eine regelmäßige Inspektion durch unabhängige Sachverständige in Aussicht gestellt. Außerdem ist weiterhin die Behörde, die für die Preise von Arzneimitteln zuständig ist, in demselben Ministerium (Department of Health) angesiedelt, wie das Ressort, das für eine profitable Arzneimittelindustrie in Großbritannien sorgen soll. Auch dem Vorschlag, dass ein Medikament erst für den National Health Service zugelassen wird, wenn alle Zulassungsstudien in öffentlichen Registern zugänglich sind, wurde nicht gefolgt.

 

Joe Collier, ehemaliger Präsident der International Society of Drug Bulletins (ISDB), war Mitglied der Gesundheitskommission des britischen Unterhauses. Er zieht jetzt trotzdem im Lancet (3) eine positive Bilanz. Ein ganze Reihe von Vorschlägen sind umgesetzt worden, z.B. Aufwertung der Pharmakovigilanz, Straffung der Aufsicht über Werbestrategien, Revision des Preisfestsetzungsverfahrens, Analyse von Marktrücknahmen u.s.w. Das wichtigste Ergebnis aber ist, dass der zunehmende Einfluss der Pharmaindustrie auf das Gesundheitswesen ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt wurde. Jeder ist aufgefordert, Stellung zu beziehen und sein persönliches Verhältnis zur Industrie zu hinterfragen. ”Das Wohlergehen der Patienten bleibt verletzlich, wenn Gesundheitspolitik und medizinische Praxis von Big Pharma dominiert werden”(3). Solche Stimmen hört man in Deutschland leider zu selten.

 

Literatur

  1. AMB 2005, 39, 65.
  2. www.dh.gov.uk/assetRoot/04/11/86/08/04118608.pdf
  3. Collier, J.: Lancet 2006, 367, 97.