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 AMB 2007, 41, 24b 

Suchtmäßiger Gebrauch von Nikotin-Kaugummi


Frage von Prof. Dr. G.K. aus Lörrach: >> Als niedergelassener Pneumologe habe ich häufig mit dem Wunsch nach Aufgabe des Zigarettenrauchens zu tun und empfehle gemäß der Literatur, insbesondere starken Rauchern, den Einsatz von „Nikotinersatzstoffen”. Während meiner 10jährigen Tätigkeit habe ich zwei Patienten betreut, die Nicorette®-Kaugummi auch nach Jahren weiter nehmen. Ein Patient nimmt sogar Nicorette® 4 mg sechsmal täglich! Hier ist meines Erachtens von einer Nikotinersatzstoff-Abhängigkeit auszugehen. Beschrieben ist ja ein stärkeres Abhängigkeitspotenzial von Nasensprays, so dass diese aus dem Handel genommen wurden. Gibt es ein Konzept, wie diese Patienten von dieser Art des Abusus wegkommen können? <<

 

Antwort: << Alle so genannten Nikotinersatzstoffe, die ja wegen ihres Nikotingehalts eigentlich keine solchen sind, sollten stufenweise reduziert werden über maximal ein halbes Jahr. Oft werden sie nur ca. vier Wochen lang benötigt. Wenn das gelingt, gibt es üblicherweise kein Entwöhnungsproblem. Bei den nicht mehr auf dem deutschen Markt befindlichen Zubereitungen zur Inhalation besteht ein sehr großes Abhängigkeitspotenzial, weil durch dieses „Kaltrauchen” das gleiche Stressbewältigungsmuster wie beim Rauchen aufrechterhalten wird. Tatsächlich kann durch diesen Versuch der Tabakentwöhnung die Nikotinabhängigkeit weiter bestehen (vgl. 1).

 

Leider gibt es hierzu kaum Publikationen. Auch eine Anfrage beim Nürnberger Institut für Tabakentwöhnung blieb bisher unbeantwortet. Nach Rücksprache mit einem zertifizierten Suchttherapeuten ist folgende Vorgehensweise zu empfehlen:

·        Fraktionierter Entzug über etwa sechs Wochen mit verhaltenstherapeutischer Begleitung ähnlich dem Reduktionsmodell für Raucher oder:

·        Sofortiges Absetzen ähnlich dem Rauchstopp nach der Schlusspunktmethode unter vorheriger psychotherapeutischer Bearbeitung des Suchtgeschehens.

Beides ist aber nur anwendbar, wenn der Patient motiviert ist und unter dem Konsum des Kaugummis „leidet”.

 

Wahrscheinlich birgt die Verwendung von Nikotinkaugummi über einen längeren Zeitraum kein großes gesundheitliches Risiko. Selbst wenn es bei fehlendem Leidensdruck nicht gelingt, einen solchen Nikotinabusus zu beseitigen, so ist dieser Zustand im Vergleich mit der gesamten Schadstoffbelastung durch das Rauchen das kleinere Übel. <<

 

Literatur

  1. AMB 2000, 34, 25. Link zur Quelle