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 AMB 2007, 41, 78b 

Staphylococcus-aureus-Endokarditis: Frühe Operation oder konservative Therapie?


Staphylococcus aureus ist mittlerweile der zweithäufigste Erreger der bakteriellen Endokarditis. Man schätzt, dass er bei 25-50% der Patienten gefunden wird (1-5). Die Prognose ist schlechter als bei Endokarditis durch andere bakterielle Erreger. Trotz verbesserter antibiotischer Behandlungsmöglichkeiten und Fortschritten in der Herzchirurgie beträgt die Letalität im Krankenhaus zwischen 30% und 46% (2, 6-8). Kürzlich wurde eine prospektive Studie vorgelegt, in der prognostische Risikofaktoren analysiert und eine frühe Operation mit konservativer Therapie bei S.-aureus-Endokarditis verglichen wurde (9).

 

Von 1991-2001 wurden 116 konsekutive Patienten (76 Männer, 40 Frauen, mittleres Alter 55,8 Jahre) aus zwei französischen Zentren prospektiv anhand der Duke-Kriterien (10) und bei Nachweis von S. aureus in der Blutkultur in die Studie eingeschlossen. Als frühe Herzklappen-Operation wurde der Zeitraum innerhalb der ersten 15 Tage nach Diagnosestellung definiert.

 

In der Gesamtgruppe starben 30 Patienten in der frühen Phase (26%) - also noch während des Krankenhausaufenthalts. 20 weitere Patienten starben in den 36 Monaten der Nachbeobachtungszeit, so dass sich ein Gesamtüberleben von 57% errechnet. Eine univariate Analyse ergab, dass folgende Faktoren das Gesamtüberleben beeinflussen: Alter, Komorbidität, Nierenversagen in der Anamnese, angeborener Herzfehler, schwere Sepsis, Rechtsherz-Endokarditis und frühe Operation.

 

Alle Patienten erhielten eine adäquate antibiotische Therapie. 55 Patienten wurden früh operiert. Die frühe Letalität (n = 9 = 16,4%) war in der operierten Gruppe niedriger als in der Gruppe, die nur konservativ behandelt wurde (n = 21 = 34%; p = 0,034). Auch nach 36 Monaten überlebten in der Gruppe mit Herzklappenoperation mehr Patienten (77% vs. 39%). Der signifikante Vorteil im Langzeitüberleben blieb auch bestehen, wenn alle Variablen herausgerechnet wurden.

 

Fazit: Bei Staphylococcus-aureus-Endokarditis sollte ein operativer Klappenersatz möglichst früh nach Diagnosestellung unter Berücksichtigung anderer Risikofaktoren erwogen werden.

 

Literatur

  1. Fowler, V.G., et al. (ICE = International Collaboration on Endocarditis-prospective cohort study investigators): JAMA 2005, 293, 3012. Link zur Quelle
  2. Hoen, B., et al. (AEPEI = Association pour l'Etude et la Prévention de l'Endocardite Infectieuse study group): JAMA 2002, 288, 75. Link zur Quelle
  3. Cabell, C.H., et al.: Arch. Intern. Med. 2002, 162, 90. Link zur Quelle
  4. Hogevik, H., et al.: Medicine 1995, 74, 324. Link zur Quelle
  5. Chu, V.H., et al.: Circulation 2004, 109, 1745. Link zur Quelle
  6. Sanabria, T.J., et al.: Arch. Intern. Med. 1990, 150, 1305. Link zur Quelle
  7. Mourvillier, B., et al.: Intensive Care Med. 2004, 30, 2046. Link zur Quelle
  8. Wolff, M., et al.: Chest 1995, 108, 688. Link zur Quelle
  9. Remadi, J.P., et al.: Ann. Thorac. Surg. 2007, 83, 1295. Link zur Quelle
  10. Li, J.S., et al.: Clin. Infect. Dis. 2000, 30, 633. Link zur Quelle