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 AMB 2008, 42, 56b 

Leserbrief


Dürfen Proscar®-Filmtabletten geteilt werden?

 

Frage von Dr. K.E. aus Tübingen: >> Könnte man bei der Behandlung der androgenetischen Alopezie aus Kostengründen Propecia® (1 mg Finasterid) durch gevierteiltes Proscar® (5 mg Finasterid) ersetzen? Ein Patient erhielt in der Apotheke die Auskunft, durch die Teilung der Proscar®-Tabletten verliere der Inhaltsstoff seine Wirksamkeit – außerdem sei der Wirkstoff inhomogen in der Filmtablette verteilt, so dass mit den Bruchstücken keine annähernd gleichmäßige Versorgung mit Finasterid möglich sei. Stimmt das? <<

 

Antwort: >> Nicht alle Tabletten können und dürfen geteilt werden. Ob sich eine Tablette zum Teilen eignet und wie dies zu erfolgen hat, hängt im wesentlichen von den physikalisch-chemischen Eigenschaften des Wirkstoffs, der Galenik, der Darreichungsform, der Morphologie der Tablette und der Beschaffenheit einer vorhandenen Bruchkerbe ab. Um Wirkstoffe vor Inaktivierung durch Luftsauerstoff, Feuchtigkeit oder Licht zu schützen, werden Tabletten mit einem Schutzfilm überzogen. Dies geschieht auch häufig bei Wirkstoffen mit unangenehmem Geruch und/oder Geschmack. Filmüberzüge können auch zur Modifizierung der Wirkstofffreisetzung dienen, z.B. magensaftresistente Filmtabletten oder Retardtabletten. Solche Filmtabletten sollten nicht geteilt werden.

 

MSD bietet Proscar® in einer dreieckigen, gewölbten Filmtablette ohne Bruchkerbe an. Die Filmtabletten sind nach Angaben der Firma nicht zur Teilung geeignet. Es gibt aber keine Hinweise auf eine inhomogene Wirkstoffverteilung innerhalb der Filmtablette. Generell kann es bei einer Teilung von Tabletten zu einer Abweichung der Wirkstoffmenge von ca. 10% kommen. Zugelassen sind Proscar®-Filmtabletten zur Behandlung der benignen Prostatahyperplasie (BPH) sowie zur Reduzierung des Risikos einer akuten Harnretention und BPH-bedingter chirurgischer Eingriffe bei Patienten mit mäßiger bis schwerer Symptomatik einer BPH (s.a. 1). Bei Behandlung der androgenetischen Alopezie mit Proscar®-Filmtabletten (2) bewegt man sich damit außerhalb der Zulassung. Trotz des sechsfach höheren Preises (bezogen auf 1 mg Finasterid) bei einer Behandlung mit Propecia® ist generell vom Teilen der Proscar®-Filmtabletten abzuraten. Man merkt die finanzielle Absicht von MSD hinter der Konfektionierung von Proscar® ohne Bruchkerbe und ist verstimmt. <<

 

Literatur

  1. AMB 1998, 32, 23a. Link zur Quelle
  2. AMB 2006, 40, 40. Link zur Quelle

 

Schlagworte zum Artikel

 

 

Alopezie, Finasterid, Haarausfall,