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 AMB 2008, 42, 78b 

Antibiotika führen häufiger als allgemein angenommen zu schwerwiegenden unerwünschten Wirkungen


Antibiotika gehören zu den am häufigsten verschriebenen Arzneimitteln in den USA und Europa. Man schätzt, dass bei 16% aller Vorstellungen beim Hausarzt Antibiotika verschrieben werden (1). In den USA gibt die Pharmaindustrie mehr als eine Milliarde Dollar pro Jahr für die Antibiotika-Werbung aus (2). Über die mit Antibiotika verbundenen Probleme, wie Resistenzentwicklung und Zunahme der Clostridium-difficile-assoziierten Diarrhö, haben wir berichtet (vgl. 3). Die kurzfristigen UAW von Antibiotika werden als eher milde und selten eingestuft. Ob diese Einschätzung richtig ist, wurde in einer kürzlich publizierten Studie überprüft (4). Hierfür wurde ein Meldesystem (NEISS-CADES) genutzt, das in den USA UAW erfasst (4).

 

In dieses Meldesystem werden von trainierten Mitarbeitern an repräsentativen Krankenhäusern die UAW ambulant verschriebener Medikamente eingegeben, die zu einer Vorstellung in der Notaufnahme eines Krankenhauses geführt haben. Details des Systems sind an anderer Stelle beschrieben (5). Für die hier zu besprechende Untersuchung wurden speziell die UAW von Antibiotika vom 1. Januar 2004 bis 31. Dezember 2006 erfasst. Dabei wurden nur systemisch, nicht dagegen topisch angewandte Antibiotika berücksichtigt. Anhand der real ermittelten „Fälle” wurde dann eine Gesamtzahl solcher Ereignisse für die verschriebenen Antibiotika in den USA pro Jahr berechnet. Dabei ergab sich, dass in den Rettungsstellen der Krankenhäuser in den USA mit 142 505 Vorstellungen pro Jahr wegen Antibiotika-UAW gerechnet werden muss. Dies entspricht einem Anteil von 19,3% an allen Vorstellungen wegen UAW in den Rettungsstellen. Man konnte aus den Zahlen weiterhin berechnen, dass es pro 1000 ambulanten Antibiotika-Verschreibungen zu einer UAW kommt, die zur Vorstellung in einer Krankenhausnotaufnahme führt. Damit liegen Antibiotika-UAW zwar 50% unter den als Hochrisiko-Medikamente eingestuften Arzneimitteln, wie Phenprocoumon/Warfarin, Insulin oder Digoxin, aber dreimal höher als z.B. ASS, Clopidogrel, Metformin, Phenytoin oder Lithium (6). Die häufigsten Ursachen für die Vorstellung waren allergische Reaktionen, gefolgt von neurologisch/psychiatrischen und gastrointestinalen UAW.

 

Fazit: UAW von Antibiotika führen zu vielen Vorstellungen in den Notaufnahmen von Krankenhäusern. Eine rationale Verordnung von Antibiotika kann diese Ereignisse minimieren.

 

Literatur

  1. Raofi, S., und Schappert, S.M.: Vital Health Stat. 13. 2006, 163, 1. Link zur Quelle
  2. Ma, J., et al.: Clin. Ther. 2003, 25, 1503. Link zur Quelle
  3. AMB 2006, 40, 68a Link zur Quelle und AMB 2007, 41, 63a. Link zur Quelle
  4. Shehab, N., et al.: Clin. Infect. Dis. 2008, 47, 735. Link zur Quelle
  5. Budnitz, D.S., et al.:JAMA 2006, 296, 1858. Link zur Quelle
  6. Budnitz, D.S., et. al.: Ann. Intern. Med. 2007, 147, 755. Link zur Quelle