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 AMB 2009, 43, 16a 

Nobelpreis für Medizin nicht für Robert Gallo


Der Medizinnobelpreis 2008 wurde wegen zweier bedeutender Entdeckungen vergeben, an zwei französische Wissenschaftler, Frau Barré-Sinoussi und Herrn Montagnier, für die Entdeckung des HI-Virus und an den deutschen Wissenschaftler, Herrn zur Hausen, für seine Entdeckung, dass humane Papillom-Virus-Arten Zervix-Karzinom verursachen können (vgl. 1). Die Vergabe des Medizinnobelpreises verfolgt im wesentlichen das Ziel, Entdecker und ihre Entdeckungen, die bei der Bekämpfung schwerer Krankheiten zu wesentlichen Fortschritten führen, auszuzeichnen.

 

Diesmal war die Entscheidung besonders schwierig, denn das Nobelpreis-Komitee musste prüfen, ob der Amerikaner Robert Gallo auch bei der Preisvergabe berücksichtigt werden sollte oder nicht. Das Komitee hat sich unserer Meinung nach richtig entschieden. Robert Gallo, der große Verdienste bei der Entdeckung des ersten humanpathogenen Retrovirus (HTLV-I) hat und auch bei der Etablierung der Zellkultur des HI-Virus entscheidend beteiligt war, hat sich trotzdem für eine solche Auszeichnung disqualifiziert. Er hat nämlich wissenschaftliche Ergebnisse verfälscht und die nun geehrten Entdecker des HI-Virus mehrmals öffentlich zu diskreditieren versucht. So hat er jahrelang behauptet, ein eignes HI-Virus isoliert zu haben, das aber nachweislich aus der Probe stammt, die ihm von der französischen Arbeitsgruppe zugesandt worden war. Dieser Betrug wurde erst Jahre später aufgedeckt, als Fortschritte in der Molekularbiologie es ermöglichten, die Viren mittels ihrer genetischen Struktur genau zuzuordnen. Diesen Betrug hat er erst 1991 vor Gericht zugegeben. Aber auch dann hat er nicht etwa um Entschuldigung gebeten, sondern hat das HI-Virus aus der französischen Probe als „Kontamination” bezeichnet. Da es bei dieser Entdeckung auch um viel Geld für die Patentrechte der HIV-Testung ging, wurde der Streit politisch-diplomatisch zwischen dem amerikanischen Präsidenten Reagan und dem französischem Premierminister Chirac so gelöst, dass sich beide Staaten die Einnahmen seither teilen. Über den Betrugsfall wurde ansonsten Stillschweigen vereinbart, um den amerikanischen Nationalstolz nicht zu tangieren, ähnlich wie bei dem Dopingsünder Armstrong.

 

Vielleicht hat es auch mit Nationalstolz zu tun, dass in der angesehenen amerikanischen Wissenschaftszeitschrift „Science” Robert Gallo nun nachträglich von vielen Autoren, auch deutschen, zum „unsung hero” hochstilisiert wird (2). Auch verwundert es, wenn der ehemalige Leiter des Robert-Koch-Instituts, Reinhard Kurth, sich anlässlich dieser Entscheidung des Nobelpreis-Komitees in einem Interview in der FAZ geschockt und betroffen zeigt (3). Er spielt den Betrugsfall dort herunter und meint, dies wäre eine „Temperamentssache”, die bei der Entscheidung für diesen Preis keine Rolle spielen dürfe und fordert gar eine Reform des Nobelpreises. Betrug darf aber unseres Erachtens nicht so locker gesehen werden, denn Ehrlichkeit ist auch in der wissenschaftlichen Medizin ein höheres Gut als Ruhm und Profit.

 

Literatur

  1. AMB 2007, 41, 03 Link zur Quelle und 92. Link zur Quelle
  2. Abbadessa, G., et al.: Science 2009, 323, 206. Link zur Quelle
  3. FAZ 16. Oktober 2008. http://www.faz.net/s/Rub7F74ED2FDF2B439794CC2D664921E7FF/Doc~E391C4E8E80F840ACA671463569E647AA~ATpl~Ecommon~Scontent.html Link zur Quelle

 

Schlagworte zum Artikel

 

 

AIDS, Gallo, HIV, Nobelpreis, Robert Gallo,