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 AMB 2010, 44, 79 

Buchbesprechung


„Arzneiverordnungen”, 22. Auflage. Herausgegeben von der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft

 

Die erste Auflage der „Arzneiverordnungen”, damals zum „Gebrauch für Ärzte und Studierende besonders in der Kassenpraxis”, erschien 1925 und wurde herausgegeben „im Auftrage der Gemeinsamen Deutschen Arzneimittel-Kommission”. Wenn sich ein Buch so lange im Auf und Ab der medizinischen Meinungen bewährt, muss der Grundgedanke gut sein: ein von unabhängigen Experten verfasstes Nachschlagewerk zur Information und Beratung bezüglich einer rationalen Arzneimitteltherapie.

 

Die Zielgruppen für das Buch sind bis heute die in der Praxis tätigen Ärzte, aber auch Medizinstudenten in den klinischen Semestern. Schwerpunkt der insgesamt 63 überwiegend indikationsbezogenen Kapitel ist die Pharmakotherapie. Die Erstentwürfe der Texte sind von Kommissionsmitgliedern der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) oder externen unabhängigen Experten erstellt und dann in einem längeren redaktionellen Prozess von Gegenlesern, Vertretern der Hausärzteschaft und Sektionskoordinatoren in die endgültige Form gebracht worden. Dabei erfolgte auch eine Abstimmung mit dem Inhalt anderer, von der AkdÄ herausgegebenen Publikationen, wie den evidenzbasierten Therapieempfehlungen, Wirkstoff Aktuell und den Risikobekanntgaben. Insgesamt handelt es sich um ein Gemeinschaftswerk von weit mehr als 135 Experten. Es werden nicht nur, wie in Lehrbüchern üblich, Wirkungsmechanismus und Dosierungen der Wirkstoffe beschrieben, sondern, wie schon in den vorausgegangenen Auflagen, auch die Preise. Das Konzept, auch die Preise bei der Bewertung von Arzneimitteln zu berücksichtigen, war damals wie heute eher ungewöhnlich.

 

Am Anfang der meisten Kapitel, die nach Organsystemen, Symptomen bzw. Pathogenese geordnet sind, steht erstmals in dieser Auflage ein Fazit für die Praxis und eine Liste der von der AkdÄ ausdrücklich empfohlenen Arzneimittel. Das Fazit gibt eine kompakte Übersicht über die wichtigsten Aussagen des Kapitels. So kann sich der viel beschäftigte Leser rasch informieren und die Einzelheiten später in Ruhe nachlesen, z.B. spezielle Indikationen, Kontraindikationen, Wechselwirkungen, Pharmakokinetik, unerwünschte Arzneimittelwirkungen. In jedem Kapitel folgt dann nach einer Darstellung der klinischen Grundlagen und der Diagnostik eine allgemeine Beschreibung des Therapieziels und des therapeutischen Vorgehens mit Berücksichtigung nicht-medikamentöser Maßnahmen. Dann folgt die spezielle Abhandlung der einzelnen Wirkstoffe. Dabei wird immer eine vergleichende Bewertung angestrebt mit eindeutigen Hinweisen, welche Wirkstoffe als Mittel der ersten oder zweiten Wahl und welche heute als obsolet anzusehen sind. Am Ende des jeweiligen Kapitels finden sich - im Unterschied zu den meisten Leitlinien oder Lehrbüchern - Hinweise zur wirtschaftlichen Verordnung, ergänzt durch eine Tabelle mit den DDD-Kosten entsprechend dem Arzneiverordnungs-Report. Pharmakologische Kurzcharakteristika zu Wirkstoffen, die aus unterschiedlichen Gründen (z.B. neue oder nicht für die hausärztliche Therapie empfohlene Wirkstoffe) in den indikationsbezogenen Kapiteln nicht ausführlich beschrieben sind, finden sich am Ende des Buches. Neu gegenüber den früheren Auflagen sind das einleitende Kapitel über „Verlässliche Arzneimittelinformation – eine knappe Ware!” und eine von den Allgemeinmedizinern der Kommission erstellte Liste von 153 wichtigen Wirkstoffen. Sie dient als Vorschlag, das Arzneimittelsortiment für die hausärztliche Praxis auf essentielle Substanzen zu begrenzen.

 

Seit einigen Wochen ist das gesamte Buch, aber auch thematisch zusammenhängende Kapitel als Dateidownload für den PC oder in pdf-kompatibler Form erhältlich.

 

Zusammenfassend sind die „Arzneiverordnungen” auch in der 22. Auflage ein wichtiger aktueller und  unabhängiger Berater. Sowohl für niedergelassene Ärzte als auch für Ärzte im Krankenhaus, die sich über rationale Pharmakotherapie informieren wollen, ist dieses Buch unentbehrlich. Ein Defizit sollte allerdings möglichst schon vor der nächsten gedruckten Auflage beseitigt werden: Das Sachverzeichnis ist lückenhaft und führt den Leser häufig nicht zum gesuchten Inhalt. Bei der elektronischen Ausgabe gelangt man demgegenüber bereits heute mit der integrierten pdf-Volltextsuche schnell zum gewünschten Stichwort.

 

Das Buch hat 1500 Seiten, kostet 49,95 € und ist im Fachbuchhandel (ISBN 978-3-87360-015-7) oder direkt über den Medizinische Medien Informations-Verlag (MMI) erhältlich. Weitere Hinweise: http://www.mmi.de/arzneiverordnungen.0.html Link zur Quelle