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 AMB 2017, 51, 71a 

Unterschätzte globale Gesundheitsrisiken durch die Massentierhaltung


In einem Offenen Brief an die WHO weisen Mitglieder der T.H. Chan School of Public Health, Harvard University, Boston, USA, und des Department of Politics and International Studies, University of Cambridge, UK, auf unterschätzte Risiken der Massentierhaltung für die „Weltgesundheit“ hin und drängen darauf, dieses Problem auf die Agenda der WHO zu nehmen und weltweit einzudämmen (1).

 

Die scheidende Direktorin der WHO, Frau Margaret Chan, hat drei drängende Probleme hervorgehoben, die rasch angegangen werden müssen, um nicht irreversible Schäden zu hinterlassen:

  1. Klimaerwärmung,

  2. Entwicklung von Resistenzen gegen Antibiotika,

  3. Anstieg nicht-übertragbarer Erkrankungen (2).

 

Die Massentierhaltung ist an allen drei Problemen wesentlich beteiligt. Daher sollte dieser Punkt auch von der WHO angegangen werden. Die massenhafte Verfügbarkeit von Fleisch in vielen Gesellschaften hat zu einem erhöhten Konsum mit Anstieg nicht-übertragbarer Erkrankungen geführt. In der Massentierhaltung sterben allein in Deutschland etwa 753 Mio. Tiere pro Jahr (Fische nicht einbezogen; 3). In Deutschland werden durchschnittlich pro Kopf > 60 kg Fleisch pro Jahr verzehrt (4). In diesen Wert sind aber auch die ca. 10% Vegetarier und Veganer eingerechnet, so dass der wirkliche Fleischkonsum der Fleischesser in Deutschland pro Kopf noch deutlich höher liegt. Etwa 85% der Deutschen essen täglich Fleisch.

 

Experten sagen voraus, dass ohne eine massive Reduzierung des Fleischkonsums die globale Landwirtschaft das gesamte CO2-Budget verbrauchen wird, das errechnet wurde, um die globale Erwärmung bis zum Jahr 2050 unterhalb der Zusatzerwärmung von 2 Grad zu halten (5). In der gleichen Studie wird vorausgesagt, dass 5,1 Mio. Todesfälle verhindert werden könnten, würden die Gesundheitsrichtlinien zum Fleischverbrauch weltweit eingehalten. Gleichzeitig könnte dadurch die Gasemission, die am Treibhauseffekt beteiligt ist, um zwei Drittel bis zum Jahre 2050 gegenüber dem erwarteten Trend (wenn so weitergemacht wird wie bisher) reduziert werden (5).

 

In der Massentierhaltung werden Antibiotika (in Deutschland laut einer Erhebung aus dem Jahr 2012 > 1.600 Tonnen, davon 99% für landwirtschaftliche Nutztiere; vgl. 11) und Antimykotika eingesetzt, die maßgeblich zur Entwicklung von Resistenzen gegen Antibiotika beitragen, dies besonders durch die weitverbreitete Niedrig-Dosis-Applikation (6, 7). Darüber hinaus schwindet durch die rasche Entwaldung, die mit der Massentierhaltung einhergeht, der Rückzugsraum für Wildtiere, und der Mensch kommt in näheren Kontakt mit ihnen, was zur Ausbreitung von Zoonosen führen kann (8). Auch können die in Masse gehaltenen Tiere selbst Ursprung von gefährlichen pandemischen Zoonosen sein, wie beispielsweise Influenza, und zu deren schnellen Ausbreitung beitragen (9).

 

Der Offene Brief wurde am 22. Mai 2017 veröffentlicht und von über 200 Experten aus den Bereichen öffentliche Gesundheit, Medizin, Klimaerwärmung, Grundlagenforschung und Ethik unterschrieben und an den oder die nächste(n) Generaldirektor(in) der WHO gerichtet (10). Die Wahl hat inzwischen stattgefunden. Es ist der Äthiopier Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus (12).

 

Literatur

  1. Weathers, S., und Hermanns, S.: Lancet 2017: Link zur Quelle

  2. Chan, M.: Link zur Quelle

  3. http://www.worldsoffood.de/ specials/was-isst-deutschland/item/ 1172-ein-buch-%C3%BCber-den-gesteigerten- fleischkonsum-der-fleischatlas.html Link zur Quelle

  4. Springmann, M., et al.: Proc. Natl. Acad. Sci. USA 2016, 113, 4146. Link zur Quelle

  5. AMB 2016, 50, 87 Link zur Quelle . AMB 2013, 47, 17 Link zur Quelle . AMB 2010, 44, 76b Link zur Quelle . AMB 2007, 41, 57. Link zur Quelle

  6. Silbergeld, E.K., et al.: Annu. Rev. Public Health 2008, 29, 151. Link zur Quelle

  7. Lindahl, J.F., und Grace, D.: Infect. Ecol. Epidemiol. 2015, 5, 30048. Link zur Quelle

  8. Leibler, J.H., et al.: Ecohealth 2009, 6, 58. Link zur Quelle

  9. Weathers, S., und Hermanns, S.: Link zur Quelle

  10. http://www.bvl.bund.de/ DE/08_PresseInfothek/01_FuerJournalisten/ 01_Presse_und_Hintergrundinformationen/ 05_Tierarzneimittel/2013/2013_11_11_pi_Abgabemengen.html Link zur Quelle

  11. http://www.who.int/dg/vision/en/ Link zur Quelle