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 AMB 1998, 32, 87b 

Appetitzügler und Herzklappenerkrankungen


Im vorigen Jahr wurden Fenfluramin (Ponderax) und Dexfenfluramin (Isomeride) vom Markt genommen (1). Nun gibt es erneut drei Mitteilungen, die die damalige Entscheidung rechtfertigen.

In einer Arbeit aus Minneapolis (2) wird über 233 Patienten berichtet, die an Therapiestudien mit Appetitzüglern teilgenommen und dabei zwischen 5 und 26 Monaten Dexfenfluramin, Dexfenfluramin plus Phentermin oder Fenfluramin plus Phentermin eingenommen hatten. Sie wurden ebenso wie 233 gleichaltrige und gleichschwere Kontrollpersonen echokardiographisch untersucht. Bei 23% der Patienten fanden sich nach einer vorher festgelegten Definition Anomalien der Herzklappen, aber nur bei 1,3% der Kontrollpersonen. Der Unterschied war statistisch signifikant und besonders groß bei Einnahme der Kombinationen.

Die zweite Arbeit (3) beruht auf Daten aus den Praxiscomputern englischer Ärzte, die als wichtige pharmakoepidemiologische Quelle zur wissenschaftlichen Auswertung bereitgestellt worden waren. Auf diese Weise können die Pharmakotherapie des niedergelassenen Arztes und der weitere Verlauf der Erkrankung seiner Patienten korreliert und Wirkungs- bzw. Nebenwirkungshäufigkeit miteinander verglichen werden. Bei den 9765 Patienten, die mit Fenfluramin und Dexfenfluramin behandelt worden waren, fanden sich im weiteren Verlauf 11 Patienten mit neu aufgetretener Herzklappenerkrankung. Bei Patienten, die Phentermin eingenommen hatten, und bei den Vergleichspatienten ohne Appetitzügler-Therapie wurden keine neuen Herzklappen-Fehlfunktionen beobachtet.

Die dritte Arbeit (4) stammt aus Washington, D.C. Hier wurden echokardiographische Nachuntersuchungen bei Patienten vorgenommen, die an einer randomisierten, doppeltblinden, plazebokontrollierten Therapiestudie mit Dexfenfluramin (n = 366), Dexfenfluramin retard (n = 352) und Plazebo (n = 354) teilgenommen hatten. Bei 6,5% der Patienten wurden nach Behandlung mit Dexfenfluramin Fehlfunktionen an Aorten- oder Mitralklappe festgestellt, nach Behandlung mit Dexfenfluramin retard bei 7,3% und nach Plazebo bei 4,5%. Hier waren die Unterschiede nicht signifikant. Die Therapiestudie mußte beendet werden, weil die Medikamente zurückgenommen wurden.

Fazit: Es war richtig, die genannten Appetitzügler vom Markt zu nehmen, weil sie mit dem Risiko behaftet sind, Schäden an den Herzklappen zu induzieren. Patienten, die mit diesen Medikamenten behandelt wurden, sollten sich klinisch und echokardiographisch untersuchen lassen (5).

Literatur

1. AMB 1997, 31, 79b.
2. Kahn, M.A., et al.: N. Engl. J. Med. 1998, 339, 713.
3. Jick, H., et al.: N. Engl. J. Med. 1998, 339, 719.
4. Weissman, N.J., et al.: N. Engl. J. Med. 1998, 339, 725.
5. Devereux, R.B.: Editorial. N. Engl. J. Med. 1998, 339, 765.

 

Schlagworte zum Artikel

 

 

Appetitzügler, Dexfenfluramin, Fenfluramin,