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 AMB 2002, 36, 56a 

Pelé und die Erektionsstörungen


”Gott sei Dank”, wird mancher Fußballmuffel sagen, ”die Fußball-Weltmeisterschaft ist vorbei, und Deutschland hat sogar das Endspiel erreicht”. Millionen Zuschauer haben an den Fernsehschirmen jedoch begeistert die strammen Freistöße, die Steilvorlagen, spannende Elfmeterschießen aber auch Fouls und Eigentore gesehen und auch einige Überraschungen erlebt. Eine der größten Überraschungen muß für viele fußballbegeisterte Zuschauer gewesen sein, daß sie in den unvermeidlichen Werbepausen ständig vom ”Sportler des Jahrhunderts”, dem sympathischen brasilianischen Fußball-Altstar Pelé, auf Erektionsstörungen aufmerksam gemacht wurden. Pelé wundert sich in dem Werbespot vor vielen Millionen Zuschauern und auf ”Initiative von Pfizer”, ”warum so viele Männer nicht mit ihrem Arzt darüber sprechen”, wo sich doch ”weltweit Millionen Männer behandeln lassen. Ich würde es tun”. Nachdem Pelé/Pfizer weltweit zur besten Sendezeit und auch in den Fernsehzeitschriften so sportlich auf dieses zwischen Arzt und Patient eher diskret behandelte Thema aufmerksam gemacht haben, wird mancher, auch wenn er noch im Besitz der vollen Manneskraft ist, nachdenklich: Hier handelt es sich um trickreich verschlüsselte ”Laienwerbung” für ein verschreibungspflichtiges und auch mit unerwünschten Wirkungen behaftetes Medikament, nämlich Viagra. Pfizer scheint es offenbar nicht ausreichend zu sein, daß sich ”weltweit Millionen Männer behandeln lassen”. Ein Schuft, wer dabei denkt, daß es der Firma primär um Umsätze geht. Sie wird - dem Thema angemessen - fest und steif behaupten, ”Der gesunde Mann” sei ihr Ziel, und sie habe ja schließlich auch ihre Website so genannt.

 

Man kann sich ausmalen, was wir (auch als Ärzte) noch alles erleben werden, wenn die leider sehr konkreten Initiativen für die Freigabe der Laienwerbung für rezeptpflichtige Arzneimittel (s.a. AMB 2002, 36, 39) Erfolg haben sollten. Der Begriff ”armer Schlucker” wird eine neue Bedeutung erhalten. Pelé, die ”Schwarze Perle”, hat sich unseres Erachtens auf eine Verkaufskette auffädeln lassen.