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 AMB 2009, 43, 96b 

Leserbrief


Ein Leser wehrt sich gegen Pharmareferenten

 

Viele Ärztinnen und Ärzte haben in den vergangenen Wochen mit der Post oder von Pharmareferenten der Firma Boehringer Ingelheim einen Sonderdruck aus dem N. Engl. J. Med. erhalten: „Dabigatran versus Warfarin in Patients with Atrial Fibrillation” (1). Einer unserer Leser verbittet sich diese einseitige Information und verdeckte Werbung und schickt uns die Kopie seines Briefes an den Pharmareferenten, der ihm den Sonderdruck in die Praxis gebracht hat. Mit dem folgenden (gekürzten) Nachdruck schließt sich der ARZNEIMITTELBRIEF der Ablehnung dieser Werbekampagne an.

 

Sehr geehrter Herr Dr. S.,

Sie haben heute meiner Arzthelferin die Publikation zu Dabigatran aus dem N. Engl. J. Med. gegeben.... Aus dem Ergebnis „supported by a grant from Boehringer Ingelheim” wird geschlussfolgert, dass 150 mg Dabigatran zweimal täglich besser als (hinsichtlich der Verhinderung von Schlaganfall und systemischer Embolie) oder gleichwertig (hinsichtlich unerwünschter Blutungen) sei wie der Warfarin-Standard.

 

Auf den ersten Blick wirkt es seriös, wenn Sie mir eine Kopie der Originalpublikation zur Verfügung stellen. Der zweite Blick führt aber zu einem anderen Ergebnis, denn Sie verschweigen das Editorial zur Studie „Can We Rely on RE-LY?” in der selben Ausgabe (2; Darin wird die positive Botschaft eingeschränkt. Anm. d. Red.). Ihre daher einseitige Information ist wahrscheinlich erfolgreich, weil die meisten meiner Kolleginnen und Kollegen das Originalheft nicht gelesen haben können. Im Editorial steht u.a.: „…patients already taking warfarin with excellent INR control have little to gain by switching to dabigatran.”…

 

Wenn das Aushändigen der Kopie lediglich der „medical education” dienen soll, so ist noch weniger zu verstehen, warum Sie die abwägende Meinung des Leitartiklers im N. Engl. J. Med. nicht zur Kenntnis bringen. Ich will offen zu Ihnen sein: für solche Werbekontakte, wie Sie sie anbieten, ist mir meine Zeit zu schade... Das ist der Grund, warum ich weiterhin zu den No-see-Ärzten (im Deutschen hat sich noch kein entsprechender Terminus eingebürgert) gehören werde. Bitte bemühen Sie sich nicht um weitere Gesprächstermine in meiner Praxis.

Mit freundlichen Grüßen

Facharzt T. L., Hennigsdorf

 

Literatur

  1. Connolly, S.J., et al. (RE-LY = Randomized Evaluation of Long-term Anticoagulation therapY): N. Engl. J. Med. 2009, 361, 1139. Link zur Quelle
  2. Gage, B.F.: N. Engl. J. Med. 2009, 361, 1200. Link zur Quelle