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 AMB 2011, 45, 95 

Leserbrief Impfung gegen humane Papillom-Viren (HPV)


Fragen von Dr. W. M. aus K.: >> Meine Tochter und mich bewegt die Frage nach Sinn und Risiken der HPV-Impfung, die ich aus der Literatur nicht klären kann, da bei mir Zweifel auf Grund des politischen Verhaltens bei anderen Impfungen (Schweinegrippe) gegenüber den Daten der Fa. GlaxoSmithKline (GSK) bestehen. Verfolgt die Firma ähnlich wie bei der Schweinegrippe etwa nur wirtschaftliche Ziele? Gibt es hier Studien, die nicht von GSK und anderen Impfstoffherstellern unterstützt wurden? <<

 

Antwort: >> Wir haben über die Entwicklung von Impfstoffen gegen humane Papillom-Viren berichtet. Das langfristige Hauptziel dieser Impfung ist es, die Inzidenz des Zervixkarzinoms zu reduzieren (1).

 

Damals haben wir den Impfstoff für junge Mädchen, die noch nicht mit HPV infiziert sind, unter bestimmten Voraussetzungen empfohlen. Wichtig war uns, dass sorgfältige Sexualhygiene und gynäkologische Vorsorgeuntersuchungen beibehalten, die Ergebnisse weiterer Studien beachtet und Anwendungsregister geführt werden, aber auch, dass die Verhandlungen über die Impfstoffpreise intensiviert werden. Der Beweis, ob diese Impfstoffe tatsächlich vor Zervixkarzinomen schützen, kann erst nach vielen Jahren vorliegen. Die seither zusätzlich vorgestellten Studien unterstützen allerdings die Meinung, dass die Impfstoffe wirksam sein könnten. Einige dieser Studien seien hier kurz erwähnt:

1. Die weitere Auswertung der großen randomisierten plazebokonrollierten PATRICIA-Studie (2) nach ca. drei Jahren zeigte eine deutlich Reduktion der Präkanzerosen (Zervikale intraepitheliale Neoplasien).

2. Die epidemiologischen Studien aus Australien, wo der Impfstoff ziemlich flächendeckend für Mädchen und junge Frauen (12-26 Jahre) 2007-2009 eingeführt wurde, zeigen insgesamt einen Rückgang dieser Präkanzerosen nach Einführung der Impfung, der deutlich über dem erwarteten linearen Rückgang dieser Läsionen lag (3). Bei den jungen australischen Frauen ging die Inzidenz von Genitalwarzen zurück, was für eine gewisse Herdimmunität spricht, die auch die heterosexuellen Partner vor HPV-Infektionen schützt (4).

3. In allen Studien, auch bei denen mit langer Nachverfolgung bis zu 6,4 Jahren, wurde eine gute Langzeitimmunität und eine Sicherheit des Impfstoffs gefunden (5). Unter Berücksichtigung der neueren Daten empfehlen wir unter den oben genannten Bedingungen also weiterhin die HPV-Impfung für junge Mädchen (vgl. auch 6). <<

 

Literatur

  1. AMB 2007, 41, 03 Link zur Quelle ; AMB 2007, 41, 92 Link zur Quelle ; AMB 2009, 43, 95a. Link zur Quelle
  2. Paavonen, J., et al.(PATRICIA = PApilloma TRIal against Cancer In youngAdults): Lancet 2009, 374, 301 Link zur Quelle . Erratum Lancet 2010, 376, 1054.
  3. Bratherton, J.M., et al.:Lancet 2011, 377, 2085. Link zur Quelle
  4. Donovan, B., et al.:Lancet Infect. Dis. 2011, 11, 39. Link zur Quelle
  5. GlaxoSmithKlineVaccine HPV-007 Study group: Lancet 2009, 374, 1975. Link zur Quelle
  6. http://www.ema.europa.eu/... Link zur Quelle