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 AMB 2012, 46, 40DB01 

Wohin mit Tamiflu®?


Oseltamivir (Tamiflu®) lindert geringfügig die Symptome bei Influenza. Ob aber Komplikationen der Grippe tatsächlich reduziert werden, ist mehr als fraglich (1). Trotzdem wurde Tamiflu® auf Expertenrat in den letzten Jahren für die orakelten Grippe-Pandemien von unseren Politikern in großen Mengen und für viel Geld angeschafft. Nun lagern Millionen Packungen in Militärbunkern. Tamiflu muss nämlich bei Raumtemperatur (nicht > 25 Grad Celsius) und bei einer Luftfeuchtigkeit von maximal 60% gelagert werden. Die Haltbarkeit der Hartkapseln wurde 2009 vom Hersteller von 5 auf 7 Jahre ab dem Herstellungsdatum verlängert (2). Dieser Vorgang ist unseres Wissens einmalig und wirft die Frage auf, woran sich eigentlich die Haltbarkeit solcher Arzneimittel festmachen lässt?

 

Jedenfalls sind die Tamiflu®-Packungen, die 2005 gegen die Vogelgrippe-Pandemie angeschafft wurden, eigentlich in diesem Jahr zu entsorgen. Über das genaue Wie und Wann wird aber noch heftig diskutiert. Immerhin soll die Entsorgung pro Tonne ca. 250 € kosten. Der Hersteller Roche hat bereits Hilfe angeboten. Er nimmt die abgelaufenen Packungen zurück, wenn die Behörden im Austausch ihre Vorräte erneuern (3). Vermutlich weiß nur Roche, wie lange das Arzneimittel wirklich haltbar ist. Vielleicht hat es ja gar kein Ablaufdatum? Vielleicht sind die genannten 5 oder 7 Jahre ja nur eine „Hausnummer”? Man könnte sich vorstellen, dass die zurückgenommenen Kapseln nach einer „Auffrischungskur” auch wieder an die Länder verkauft werden können. Hieraus würde sich eine Art Recycling-Geschäftsmodell für Roche ergeben.

 

Die Schweiz löst das Problem wie stets pragmatisch und hat begonnen, ihre Bestände aus dem Jahre 2005 ersatzlos zu verbrennen (4).

 

Eine besonders originelle Entsorgungsidee soll der oberösterreichische Landeshauptmann Pühringer gehabt haben. Er schlug eine karitative Weitergabe der österreichischen Tamiflu®-Bestände an Krankenhäuser in Entwicklungsländern vor. Nur ist dort das Problem mit der Lagerungstemperatur meist schwierig zu lösen. Und was sollen denn arme Menschen mit einem Arzneimittel anfangen, das schon bei Reichen kaum hilft?

 

 

Literatur

  1. AMB 2010, 44, 04. Link zur Quelle
  2. http://www.roche.at/fmfiles/re7124010/Pharma_Products/... Link zur Quelle
  3. http://derstandard.at/1331779794544/Ablaufdatum-Tamiflu-auf-Halde Link zur Quelle
  4. http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Teuer-eingekauftes-Tamiflu-… Link zur Quelle