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	<title>Laienwerbung Archives - Der Arzneimittelbrief</title>
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	<description>Unabhängige Arzneimittelinformationen</description>
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		<title>Offener Brief</title>
		<link>https://www.der-arzneimittelbrief.de/nachrichten/offener-brief/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dennis Hoppe]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Aug 2002 10:06:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Direct-To-Consumer Advertising]]></category>
		<category><![CDATA[DTCA]]></category>
		<category><![CDATA[Laienwerbung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Vier deutschsprachige unabhängige Arzneimittelzeitschriften und Mitglieder der International Society of Drug Bulletins (ISDB), arznei-telegramm, DER ARZNEIMITTELBRIEF, PHARMA-BRIEF und pharma-kritik haben aus Sorge um die Folgen einer Lockerung des Werbeverbots für rezeptpflichtige Arzneimittel gemeinsam folgenden &#8222;Offenen Brief&#8220; an die zuständigen Mitglieder im Europäischen Parlament, an die Bundesministerin für Gesundheit und an die Mitglieder des Gesundheitsausschusses des [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Vier deutschsprachige unabhängige Arzneimittelzeitschriften und Mitglieder der International Society of Drug Bulletins (ISDB), arznei-telegramm, DER ARZNEIMITTELBRIEF, PHARMA-BRIEF und pharma-kritik haben aus Sorge um die Folgen einer Lockerung des Werbeverbots für rezeptpflichtige Arzneimittel gemeinsam folgenden &#8222;Offenen Brief&#8220; an die zuständigen Mitglieder im Europäischen Parlament, an die Bundesministerin für Gesundheit und an die Mitglieder des Gesundheitsausschusses des Deutschen Bundestages geschrieben.</p>
<p>Sehr geehrte Damen und Herren,</p>
<p>die Europäische Union plant, das Werbeverbot für rezeptpflichtige Arzneimittel zu durchlöchern. Die Pharmaindustrie soll zukünftig auch Laien direkt ”informieren” dürfen. Der Entwurf der EU-Kommission würde bei zunächst drei Krankheiten (Diabetes, Asthma und AIDS) Laienwerbung für rezeptpflichtige Arzneimittel möglich machen. Die EU-Kommission versucht den Eindruck zu erwecken, es ginge nur um die Weitergabe von ”Information”, nicht um die Werbung.</p>
<p>Die <i>unabhängigen</i> Arzneimittelzeitschriften bezweifeln, daß die Pharmaindustrie eine zuverlässige Informationsquelle für Patientinnen und Patienten darstellen könnte. Für einen vernünftigen Umgang mit Arzneimitteln ist <i>unabhängige</i> Information eine unabdingbare Voraussetzung.</p>
<p>Industriegesteuerte Information oder gar Laienwerbung für rezeptpflichtige Arzneimittel ist ein Schritt in die falsche Richtung. Bislang ist sie nur in den USA und Neuseeland erlaubt. Die Folgen: Irrationale Verschreibungspraxis (Wunschverschreibungen) und extrem steigende Arzneimittelausgaben, ohne daß die Qualität der Versorgung verbessert worden wäre. In den USA verstieß 1998 über die Hälfte aller TV-Pharmaspots gegen die gesetzlichen Bestimmungen.</p>
<p>Die Initiative zur Änderung der EU-Regeln für Werbung geht eindeutig von der Pharmaindustrie aus. Sie setzt sogar scheinbar unabhängige Patientenorganisationen für ihre Interessen ein. Jüngstes Beispiel ist die Studie von International Alliance of Patients‘ Organisations (IAPO), die sich für das ”Recht” der Industrie einsetzt, Laien mit Informationen zu versorgen. Die IAPO wurde von ca. 30 Pharmafirmen gegründet und finanziert.</p>
<p>Die Umfrage wurde hauptsächlich bei IAPO-Mitgliedern durchgeführt und von einer Werbeagentur und von einer Consulting-Firma gesponsert. Umfrageergebnis: die Patienten vertrauen Ärzten und Apotheken nicht. Die Originaldaten stützen aber diese Aussage nicht: 60% der Patienten haben hohes Vertrauen in ihren Arzt, weitere 33% trauen ihm manchmal oder je nachdem. Leider ist nicht erkenntlich, ob auch gefragt wurde, ob Patienten der Information der Pharmaindustrie vertrauen. Berichtet wird darüber nicht.</p>
<p>In diesem Zusammenhang ist eine Studie der britischen Consumers‘ Association aufschlußreich (Hunter, M.: Brit. Med. J. <a href="http://www.ncbi.nlm.nih.gov/entrez/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=12068862&#038;dopt=Abstract" target="_blank" rel="noopener">2002, <b>324</b>, 1416</a>). Nur ein Viertel der befragten Patienten glaubt, daß die Pharmaindustrie ausgewogene und umfassende Informationen und Therapien zur Verfügung stellen würde. Über 80% meinten, daß die Firmen ihre Werbung auf die gewinnträchtigsten Medikamente konzentrieren würden. Über die Hälfte der Befragten befürchtete, daß die Firmen versuchen würden, gesunde Menschen zu überzeugen, nicht existente Krankheiten zu haben.</p>
<p>Schon heute wird von den Firmen das Verbot der Laienwerbung oft umgangen. Als Beispiel kann der Werbespot der Firma Pfizer genannt werden, der bei der Fußballweltmeisterschaft regelmäßig in die Abendsendungen von Sat I und Eurosport eingeblendet wurde: Der Fußballstar Pelé riet den Zuschauern, bei Erektionsstörungen den Arzt aufzusuchen. Die Firma wurde als Initiator des Werbespots genannt.</p>
<p>Werbung zielt auf Produktpromotion, nicht auf Verbesserung der Versorgung. Desinformation über konkurrierende Therapieoptionen verschlechtert die Patientenversorgung. Als Information bezeichnete Werbung bedroht die Qualität. Patienten und Patientinnen müssen aber informiert, nicht beworben werden. Gute Information ist auch ohne Gesetzesänderung möglich und findet teilweise auch schon statt. Mehr unabhängige Information ist nötig, dazu bedarf es aber der Förderung unabhängiger Informationsstellen für Fachleute und Verbraucher(innen).</p>
<p>Ein Träger der unabhängigen Arzneimittelinformation können auch die Packungsbeilagen sein, wenn Design, Lesbarkeit und Informationsgehalt zwischen Herstellern und Aufsichtsbehörden besser abgestimmt wäre. Hier müssen europäische Initiativen verstärkt werden.</p>
<p>Wir möchten Sie bitten, Ihren Einfluß geltend zu machen und dafür zu sorgen, daß auch in der europäischen Gesetzgebung das Werbeverbot für rezeptpflichtige Arzneimittel verankert bleibt und nicht aufgeweicht wird.</p>
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		<title>Pelé und die Erektionsstörungen</title>
		<link>https://www.der-arzneimittelbrief.de/nachrichten/pele-und-die-erektionsstoerungen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dennis Hoppe]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 01 Jul 2002 10:07:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Direct-To-Consumer Advertising]]></category>
		<category><![CDATA[DTCA]]></category>
		<category><![CDATA[Erektile Dysfunktion]]></category>
		<category><![CDATA[Impotenz]]></category>
		<category><![CDATA[Laienwerbung]]></category>
		<category><![CDATA[Sildenafil]]></category>
		<category><![CDATA[Werbung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>”Gott sei Dank”, wird mancher Fußballmuffel sagen, ”die Fußball-Weltmeisterschaft ist vorbei, und Deutschland hat sogar das Endspiel erreicht”. Millionen Zuschauer haben an den Fernsehschirmen jedoch begeistert die strammen Freistöße, die Steilvorlagen, spannende Elfmeterschießen aber auch Fouls und Eigentore gesehen und auch einige Überraschungen erlebt. Eine der größten Überraschungen muß für viele fußballbegeisterte Zuschauer gewesen sein, [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>”Gott sei Dank”, wird mancher Fußballmuffel sagen, ”die Fußball-Weltmeisterschaft ist vorbei, und Deutschland hat sogar das Endspiel erreicht”. Millionen Zuschauer haben an den Fernsehschirmen jedoch begeistert die strammen Freistöße, die Steilvorlagen, spannende Elfmeterschießen aber auch Fouls und Eigentore gesehen und auch einige Überraschungen erlebt. Eine der größten Überraschungen muß für viele fußballbegeisterte Zuschauer gewesen sein, daß sie in den unvermeidlichen Werbepausen ständig vom ”Sportler des Jahrhunderts”, dem sympathischen brasilianischen Fußball-Altstar Pelé, auf <i>Erektionsstörungen</i> aufmerksam gemacht wurden. Pelé wundert sich in dem Werbespot vor vielen Millionen Zuschauern und auf ”Initiative von Pfizer”, ”warum so viele Männer nicht mit ihrem Arzt darüber sprechen”, wo sich doch ”weltweit Millionen Männer behandeln lassen. Ich würde es tun”. Nachdem Pelé/Pfizer weltweit zur besten Sendezeit und auch in den Fernsehzeitschriften so sportlich auf dieses zwischen Arzt und Patient eher diskret behandelte Thema aufmerksam gemacht haben, wird mancher, auch wenn er noch im Besitz der vollen Manneskraft ist, nachdenklich: Hier handelt es sich um trickreich verschlüsselte ”Laienwerbung” für ein verschreibungspflichtiges und auch mit unerwünschten Wirkungen behaftetes Medikament, nämlich Viagra. Pfizer scheint es offenbar nicht ausreichend zu sein, daß sich ”weltweit Millionen Männer behandeln lassen”. Ein Schuft, wer dabei denkt, daß es der Firma primär um Umsätze geht. Sie wird &#8211; dem Thema angemessen &#8211; fest und steif behaupten, ”Der gesunde Mann” sei ihr Ziel, und sie habe ja schließlich auch ihre Website so genannt.</p>
<p>Man kann sich ausmalen, was wir (auch als Ärzte) noch alles erleben werden, wenn die leider sehr konkreten Initiativen für die Freigabe der Laienwerbung für rezeptpflichtige Arzneimittel (s.a. <a href="http://www.der-arzneimittelbrief.de/de/Artikel.aspx?SN=6164" target="_blank" rel="noopener">AMB 2002, <b>36</b>, 39</a>) Erfolg haben sollten. Der Begriff ”armer Schlucker” wird eine neue Bedeutung erhalten. Pelé, die ”Schwarze Perle”, hat sich unseres Erachtens auf eine Verkaufskette auffädeln lassen.</p>
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		<title>Werbung für rezeptpflichtige Arzneimittel soll auch bei Laien möglich werden</title>
		<link>https://www.der-arzneimittelbrief.de/nachrichten/werbung-fuer-rezeptpflichtige-arzneimittel-soll-auch-bei-laien-moeglich-werden/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dennis Hoppe]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 May 2002 10:04:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Arzneimittel]]></category>
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		<category><![CDATA[Laienwerbung]]></category>
		<category><![CDATA[Medikamente]]></category>
		<category><![CDATA[Werbung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Zwei unabhängige Gesundheits-Organisationen, Health-Action-International (HAI) und European Public-Health Alliance (EPHA), hatten zu einem Treffen am 10. Januar 2002 in Brüssel eingeladen, an dem Fachleute aus Forschung, Verbraucherverbänden, Mitgliedern der WHO, Vertretern der pharmazeutischen Industrie und der Krankenversicherungen teilnahmen. Es sollte die Frage diskutiert werden: Ist Werbung bei Laien für verordnungspflichtige Medikamente wirklich ein Fortschritt? Für [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Zwei unabhängige Gesundheits-Organisationen, Health-Action-International (HAI) und European Public-Health Alliance (EPHA), hatten zu einem Treffen am 10. Januar 2002 in Brüssel eingeladen, an dem Fachleute aus Forschung, Verbraucherverbänden, Mitgliedern der WHO, Vertretern der pharmazeutischen Industrie und der Krankenversicherungen teilnahmen. Es sollte die Frage diskutiert werden: Ist Werbung bei Laien für verordnungspflichtige Medikamente wirklich ein Fortschritt? Für einen Test-Zeitraum von 5 Jahren soll nämlich die direkte Werbung für Medikamente gegen AIDS, Asthma und Diabetes möglich gemacht werden. Dies ist z.Z. in der ganzen Welt verboten, außer in den USA und Neuseeland.</p>
<p>In den Diskussionen der Fachleute wurde folgendes deutlich: verständliche, ausgewogene, wahrheitsgemäße Informationen über Medikamente sind dringend erforderlich. Die Werbung der Hersteller ist allerdings keine Information in diesem Sinne. Von Laien ist die aus der Werbung bei Ärzten hinreichend bekannte ”Werbelyrik” schwer zu durchschauen. Daher ist mit dem Vorhaben des Europäischen Parlaments, Werbung für Arzneimittel gegen AIDS, Asthma und Diabetes zuzulassen, keine Besserung der Versorgungssituation zu erwarten. Im Gegenteil, es ist zu befürchten, daß zur Behandlung ihrer Krankheiten von den Patienten mehr Medikamente gefordert werden in Abhängigkeit von der Intensität der Werbung als vom Schweregrad der Erkrankung. Die Hersteller neigen bekanntermaßen dazu, den Nutzen ihrer Pharmaka in den strahlendsten Farben zu schildern und über die Risiken eher zurückhaltend zu informieren.</p>
<p>Übrigens: Bei dem Treffen der Fachleute war nicht zu eruieren, wer eigentlich den Vorschlag zur Gesetzesänderung bei der Europäischen Union (EU) eingebracht hat! Die anwesenden Vertreter der Ärzteschaft, die WHO, die Vertreter von Patienten (Selbsthilfegruppen), nationale Gesundheitsbehörden (speziell die Niederländer) gaben zu erkennen, daß sie die Gesetzesvorlage nicht gutheißen und nicht unterstützen. Die Industrie, die wohl von dieser Regelung als einzige profitiert, hielt sich bedeckt.</p>
<p>Am Ende der Konferenz formulierten die Teilnehmer eine Stellungnahme für die Mitglieder des Parlaments der EU und seiner Kommissionen. Es wurde dringend gefordert, daß die Gesetze der EU den ethischen Kriterien genügen müßten, die die WHO für Werbung auf dem Arzneimittelmarkt im Jahre 1988 festgeschrieben und verabschiedet hat. Das Europäische Parlament solle darauf achten, daß die geltende Gesetzgebung mehr als bisher beachtet wird und Vergehen verfolgt würden. Auf der anderen Seite solle mehr als bisher dafür gesorgt werden, daß es eine <i>unabhängige</i> Arzneimittelinformation für Patienten gebe. Ansatzpunkte sind objektive Produktinformationen als Packungsbeilage, die Entwicklung von Methoden, die Erwachsenenbildung auf diesem Gebiet zu überprüfen, ganz allgemein Weiterentwicklung von Methoden, mit denen in der gesamten Bevölkerung das Wissen um Gesundheit, Krankheit und Behandlungsmöglichkeiten verbessert werden kann. DER ARZNEIMITTELBRIEF hat sich &#8211; auch im Namen seiner Leser &#8211; der Meinung der Kongreßteilnehmer angeschlossen und deren Eingabe unterstützt.</p>
<p>Im N. Engl. J. Med. war eine Kostenanalyse der Laienwerbung für verschreibungspflichtige Medikamente in den USA zu lesen (1). Der Gesamtaufwand sei im Vergleich mit dem übrigen Werbeetat sehr gering. Über den Effekt und den Sinn des Verfahrens wird nicht reflektiert. Ein Editorial in derselben Nummer (2) weist darauf hin, daß Werbung keine gute Information für Patienten ist. Der Autor ist Mitglied einer Verbraucherorganisation. Patienten neigten dazu, emotional zu entscheiden und dann ihren Arzt unter Druck zu setzen. Bessere, unabhängige Patienteninformation sei dringend erforderlich. Diese aber könne nicht der Pharmaindustrie überlassen werden.</p>
<p>Ein zweites Editorial (3), von einem Vertreter der Pharmaindustrie verfaßt, sieht die Verantwortung bei den Ärzten. Sie müßten die Vorschläge der Laien im beratenden Gespräch aufarbeiten und in angemessene Verordnungen umsetzen. Das Gesundheitssystem werde dadurch gestärkt. <i>Anm. der Red.:</i> will sagen: der Umsatz der Pharmaindustrie. Dem Arzt bleibt der Schwarze Peter, die Werbeversprechungen der Industrie und unberechtigt geweckte Hoffnungen und Erwartungen bei den Patienten zur Realität zurückzuführen. Dies ist aus der Werbung für rezeptfreie Medikamente den Ärzten schon gut bekannt.</p>
<p>In einer dritten Stellungnahme (4) &#8211; sie stammt von Autoren der Harvard Medical School &#8211; werden schließlich ernste ethische und ökonomische Bedenken gegen einen besonderen Bereich der Laienwerbung geäußert, nämlich für neue, nicht endgültig evaluierte diagnostische Methoden in der Kardiologie und Pulmologie (z.B. Elektronenstrahl-CT zur Diagnostik der Koronaren Herzkrankheit und Spiral-CT zur Frühdiagnose des Bronchialkarzinoms). Sie könne dazu führen, daß die betroffenen und verängstigten Patienten unberechtigte Hoffnungen entwickelten und beim Arzt durchzusetzen versuchten. Andererseits sei es aber nicht zu finanzieren, die Methoden flächendeckend anzuwenden</p>
<p>Eine weitere Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob die Laienwerbung Einfluß nimmt auf Wünsche der Patienten, ein Medikament verschrieben zu bekommen, und wie der betreffende Arzt darauf reagiert (5). Die Daten wurden an Hand eines Fragebogens an Patienten und Ärzte in 38 Praxen in Sacramento, Kalifornien, und in 40 Praxen in Vancouver, Kanada, erhoben. Wenn diese Untersuchung auch methodische Mängel hat, so zeigen ihre Ergebnisse doch folgende, eigentlich triviale Tendenz: Der dringende Wunsch eines Patienten, ein spezielles Medikament zu erhalten, fördert sehr stark die Entscheidung des Arztes, ein solches auch zu rezeptieren. Viele Ärzte sind in dieser Situation (im Nachhinein befragt) jedoch ambivalent in der Wahl ihres therapeutischen Vorgehens. Wenn Ärzte also, trotz persönlicher Bedenken, unter dem Druck der durch direkte Werbung beeinflußten Patienten Medikamente verschreiben, könnte nicht nur die Zahl der Verordnungen steigen, sondern auch die Qualität leiden.</p>
<p>Laienwerbung erschwert, ja behindert unseres Erachtens die rationale Indikationsstellung, der wir Ärzte verpflichtet sind und leistet außerdem einer ”Medikamentalisierung” der Gesellschaft Vorschub. Eine Pille für jedes Problem nach Ratschlag des Herstellers? Man sollte diese Art der Werbung in Europa nicht zulassen, um mit Ressourcen möglichst vernünftig und gerecht umgehen zu können. Die Macht der Pharmariesen darf nicht ausufern.</p>
<p><b> </b></p>
<p><b>Literatur</b></p>
<ol class="literatur">
<li>Rosenthal, M.B., et al.: N. Engl. J. Med. <a href="http://www.ncbi.nlm.nih.gov/entrez/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=11844852&#038;dopt=Abstract" target="_blank" rel="noopener">2002, <b>346</b>, 498</a>.</li>
<li>Wolfe, S.M.: N. Engl. J. Med. <a href="http://www.ncbi.nlm.nih.gov/entrez/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=11844857&#038;dopt=Abstract" target="_blank" rel="noopener">2002, <b>346</b>, 524</a>.</li>
<li>Holmer, A.F.: N. Engl. J. Med. 2002, <b>346</b>, 526.</li>
<li>Lee, T.H., und Brennan, T.A.: N. Engl. J. Med. <a href="http://www.ncbi.nlm.nih.gov/entrez/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=11844859&#038;dopt=Abstract" target="_blank" rel="noopener">2002, <b>346</b>, 529</a>.</li>
<li>Mintzes, B., et al.: Brit. Med. J. <a href="http://www.ncbi.nlm.nih.gov/entrez/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=11823361&#038;dopt=Abstract" target="_blank" rel="noopener">2002, <b>324</b>, 278</a>.</li>
</ol>
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