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	<title>Pyritinol Archives - Der Arzneimittelbrief</title>
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	<description>Unabhängige Arzneimittelinformationen</description>
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		<title>Schwere cholestatische Hepatitis durch Einnahme von Pyritinol</title>
		<link>https://www.der-arzneimittelbrief.de/nachrichten/schwere-cholestatische-hepatitis-durch-einnahme-von-pyritinol/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dennis Hoppe]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 01 Jun 2004 10:04:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Cholestatische Hepatitis]]></category>
		<category><![CDATA[Hepatitis]]></category>
		<category><![CDATA[Pyritinol]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im Brit. Med. J. (1) berichten V. Maria et al. aus Lissabon unter der Rubrik „Lesson of the week” über sechs junge (18-41 Jahre) Patienten (5 Frauen), die zum Zweck des „Memory improvement” zwei- bis dreimal 200 mg Pyritinol/d (Encephabol®) fünf Tage bis einen Monat lang eingenommen hatten. Danach traten Übelkeit mit oder ohne Erbrechen, [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Im Brit. Med. J. (1) berichten V. Maria et al. aus Lissabon unter der Rubrik „Lesson of the week” über sechs junge (18-41 Jahre) Patienten (5 Frauen), die zum Zweck des „Memory improvement” zwei- bis dreimal 200 mg Pyritinol/d (Encephabol<sup>®</sup>) fünf Tage bis einen Monat lang eingenommen hatten. Danach traten Übelkeit mit oder ohne Erbrechen, Hautjucken und Ikterus mit deutlicher Erhöhung der Transaminasen, der Gamma-GT und der alkalischen Phosphatase auf. Bei drei Patienten fand sich sonographisch eine Hepatomegalie. Gallenwegsobstruktion und Virushepatitiden wurden ausgeschlossen. Vier Patienten hatten eine Ko-Medikation (Paracetamol, Nitrofurantoin, orales Kontrazeptivum, Piracetam plus Erythromycin), die aber wegen fehlender Beziehung zu Einnahmebeginn und -dauer etc. als Ursachen der Cholestase kaum in Frage kamen. Die UAW wurden in <i>einem </i>Krankenhaus, verteilt über 10 Jahre, beobachtet. Bei vier Patienten war die Cholestase so schwer, daß sie ins Krankenhaus aufgenommen werden mußten. Das Syndrom klang nach Absetzen von Pyritinol bei fünf Patienten klinisch ab, jedoch normalisierten sich die Leberenzyme (Transminasen früher als Cholestase-Enzyme) erst nach 1-6 Monaten. In einem Fall waren die Enzyme noch neun Monate nach dem Absetzen erhöht. Eine versehentliche Reexposition mit Pyritinol bei einer 24jährigen Frau sechs Monate nach Abklingen der ersten Cholestase führte zu einem Cholestaserezidiv. Derartige UAW von Pyritinol sind in diesem Schweregrad bisher nicht beschrieben. Erhöhung der Leberwerte, Exantheme, Übelkeit und Geschmacksstörungen sind allerdings bekannt (s.a. 2).</p>
<p>Die Autoren gingen der Frage nach, ob es sich um eine „metabolische Idiosynkrasie” oder um eine immunologische Hypersensitivität handelt. Bei allen Patienten führte ein Lymphozyten-Proliferationstest in Anwesenheit von Pyritinol, nicht aber der oben erwähnten Ko-Medikamente, zu einer starken Stimulation der Zellen mit deutlicher Vermehrung von CD4+ T-Lymphozyten. Bei sechs Kontrollpersonen und bei einer Pyritinol-Benutzerin ohne cholestatische Reaktion war der Lymphozytentest nicht reaktiv. Diese Befunde unterstützen die Annahme, daß die Cholestase-Reaktionen nach Pyritinol auf eine immunologische Hypersensitivitätsreaktion zurückzuführen sind.</p>
<p>In Deutschland scheint Pyritinol keinen großen Markt zu haben, da es z.B. im Arzneiverordnungs-Report 2003 nicht erwähnt wird. Aus den Umsatzdaten in Westeuropa schließen die Autoren, daß in diesem Bereich ca. 100000 Personen in den letzten fünf Jahren das Medikament eingenommen haben dürften.</p>
<p><b>Fazit:</b> Dieses Beispiel zeigt, daß Medikamente nur bei erwiesener Indikation verordnet und eingenommen werden sollten, da es keine UAW-freien Medikamente gibt, auch nicht solche pflanzlicher Herkunft. Die Wirksamkeit von Pyritinol als Nootropikum ist äußerst fragwürdig. Wie von den Autoren vorgeschlagen, sollte das Medikament einer neuen Nutzen/Risiko-Prüfung unterzogen werden.</p>
<p><b>Literatur</b></p>
<ol class="literatur">
<li>Maria, V., et al.: Brit. Med. J. <a href="http://www.ncbi.nlm.nih.gov/entrez/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=15001508&#038;dopt=Abstract" target="_blank" rel="noopener">2004, <b>328</b>, 572</a>.</li>
<li>Müller-Oerlinghausen, B., Lasek, R., Düppenbecker, H., Munter, K.H.: Handbuch der unerwünschten Arzneimittelwirkungen. Urban &#038; Fischer, München, Jena 1999. S. 452.</li>
</ol>
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		<title>Irreführende Werbung in der Zweiten und Dritten Welt</title>
		<link>https://www.der-arzneimittelbrief.de/nachrichten/irrefuehrende-werbung-in-der-zweiten-und-dritten-welt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dennis Hoppe]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 01 Nov 2002 11:06:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Acetylsalicylsäure]]></category>
		<category><![CDATA[Arzneimittel]]></category>
		<category><![CDATA[ASS]]></category>
		<category><![CDATA[Azetylsalizylsäure]]></category>
		<category><![CDATA[Bayer's Tonic]]></category>
		<category><![CDATA[Medikamente]]></category>
		<category><![CDATA[Pharmaindustrie]]></category>
		<category><![CDATA[Pharmazeutische Unternehmer]]></category>
		<category><![CDATA[Pyritinol]]></category>
		<category><![CDATA[Werbung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Vom 19.-21. September 2002 trafen sich die Herausgeber der unabhängigen Arzneimittel-Informationsblätter in Dubrovnik. Sie sind seit 1986 in der International Society of Drug Bulletins (ISDB) zusammengeschlossen, der auch DER ARZNEIMITTELBRIEF angehört. Die Mitglieder sind in ihrer Informationspolitik nur der Gesundheit der Patienten verpflichtet und nicht dem Umsatz der Pharmaindustrie und nicht dem Wohlergehen der Versicherungen [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Vom 19.-21. September 2002 trafen sich die Herausgeber der unabhängigen Arzneimittel-Informationsblätter in Dubrovnik. Sie sind seit 1986 in der International Society of Drug Bulletins (ISDB) zusammengeschlossen, der auch DER ARZNEIMITTELBRIEF angehört. Die Mitglieder sind in ihrer Informationspolitik nur der Gesundheit der Patienten verpflichtet und nicht dem Umsatz der Pharmaindustrie und nicht dem Wohlergehen der Versicherungen oder sonstiger Kostenträger. Das ist der wesentliche Inhalt der Satzung der ISDB. Die Unabhängigkeit der Redaktionen muß z.B. dadurch gewährleistet sein, daß die Zeitschriften keine Pharmawerbung drucken.</p>
<p>Auch anläßlich der diesjährigen Vollversammlung wurde über Aktivitäten und Kampagnen in allen Teilen der Welt berichtet; aus Deutschland berichtete unter anderen ein Inder, Gopal Dabade, der zur Zeit beim PHARMA-BRIEF der BUKO Pharma-Kampagne hospitiert. Er hat die Vermarktungsstrategien deutscher Arzneimittelhersteller in der Dritten Welt untersucht und stellte vier Beispiele vor:</p>
<p>Die Bayer AG verkauft in Indien ein Stärkungsmittel &#8222;Bayer’s Tonic&#8220;. 15 ml sollen 2 mal am Tag eingenommen werden bei Appetitlosigkeit, Abgeschlagenheit und in der Erholungsphase nach Krankheit oder Operation. Auf der Packung ist eine Flasche (300 ml) mit einem Schnapsgläschen daneben abgebildet. Und das ist auch richtig so, denn 15 ml des Tonikums enthalten neben 12 mg einer Leberfraktion, 506 mg Natriumphosphat, 178,5 mg eines Hefeextrakts auch 1,65 ml Alkohol, so daß sich eine Alkoholkonzentration von 10,5% ergibt. Ursprünglich war das Präparat auch für die Behandlung von Kindern vorgesehen. Als Ergebnis der Intervention der Pharma-Kampagne wurde jetzt auf die Verpackung gedruckt: Keep out of reach of children. Aber verkauft wird das ”Medikament” noch immer von dem seriösen Pharmariesen. Die Flasche ist ziemlich teuer: sie kostet 40 Indische Rupien. Das ist ungefähr der Tagesverdienst eines Landarbeiters. Man könnte dafür 1 kg Obst, 1 kg Reis, 1 kg Karotten und eine Banane kaufen. Sind sich Bayer und seine Aktionäre für solche Scharlatanerien nicht zu schade?</p>
<p>Aspirin war in Deutschland bis zum Jahre 1988 auch für Kinder zugelassen. Mit Rücksicht auf schwere UAW (Reye-Syndrom) wurde diese Zulassung zurückgezogen (s.a. Berde, C.B., und Sethna, N.F.: N. Engl. J. Med. <a href="http://www.ncbi.nlm.nih.gov/entrez/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=12362012&#038;dopt=Abstract" target="_blank" rel="noopener">2002, <b>347</b>, 1094</a>). In Südamerika, z.B. Chile, Uruguay und Argentinien wird es demgegenüber auch zur Anwendung bei Kindern weiter beworben mit der Begründung, das Reye-Syndrom spiele dort praktisch keine Rolle. Die Bayer AG geht also davon aus, daß die Kinder dort weniger anfällig sind oder sie mutet ihnen ein höheres Risiko zu, über das die Patienten unzureichend informiert sind. Die meisten Medikamente werden nämlich ohne ärztliche Verordnung und Beratung verkauft. Die Ärzte werden darüber hinaus nur von den Pharmafirmen über Medikamente informiert. Die Zulassungsbehörden sind schwach. Praktisch regulieren also die Pharmafirmen mit ihrer Werbung den Pharmamarkt selbst. In diesem Zusammenhang erinnerte der Autor an Sätze aus dem weltberühmten Pharmakologiebuch von L.S. Goodman und A. Gilman: &#8222;The Pharmacological Basis of Therapeutics&#8220;. Dort ist zu lesen: &#8222;Die Werbung der Industrie durch Zusendungen, Anzeigen in Zeitschriften oder Besuche von Pharmavertretern soll überreden, nicht informieren. Die pharmazeutische Industrie ist nicht verantwortlich für die Erziehung der Ärzte zum Gebrauch von Pharmaka. Das kann sie nicht, soll sie nicht und &#8211; tatsächlich &#8211; das ist sie auch nicht&#8220;.</p>
<p>Die Firma E. Merck bewirbt weiter Encephabol (Pyritinol) zur Behandlung von Hirnfunktionsstörungen in den Staaten der Dritten Welt. Dazu gehörte auch ”Minimal cerebral dysfunction following perinatal distress”. Einen Wirksamkeitsnachweis gibt es nicht. In den Niederlanden ist es auch für den Gebrauch bei Erwachsenen aus dem Handel gezogen; in Deutschland spielt der Umsatz kaum noch eine Rolle. Auf die Intervention hin hat die Firma nun zumindest die Indikation bei Kindern zurückgenommen.</p>
<p>Auch an einer anderen Stelle war für die BUKO Pharma-Kampagne ein Erfolg zu verbuchen: Die Firma Byk Gulden verkaufte Insogen Plus (Phenformin) noch lange Zeit in Mexiko, nachdem es in Deutschland längst vom Markt genommen werden mußte. Sie reagierte zunächst nicht auf schriftliche Proteste. Erst als der Fall im Fernsehen aufgerollt wurde, zog sie die Zulassung in Mexiko zurück.</p>
<p><b>Fazit:</b> Die weltweit agierenden Pharmafirmen nutzen den unterschiedlichen Informationsstand ihrer Kunden bewußt und zentral gesteuert aus. Es ist daher unbedingt nötig, daß die Hüter unabhängiger Pharmainformation über den nationalen Tellerrand gucken.</p>
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