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	<title>Radiojod-Therapie Archives - Der Arzneimittelbrief</title>
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	<description>Unabhängige Arzneimittelinformationen</description>
	<lastBuildDate>Sun, 01 Nov 1998 11:03:00 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Radiojod-Therapie und Karzinomletalität</title>
		<link>https://www.der-arzneimittelbrief.de/nachrichten/radiojod-therapie-und-karzinomletalitaet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dennis Hoppe]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 01 Nov 1998 11:03:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Hyperthyreose]]></category>
		<category><![CDATA[Karzinomletalität]]></category>
		<category><![CDATA[M. Basedow]]></category>
		<category><![CDATA[Radiojod-Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[Schilddrüsenkarzinom]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nach der Tschernobyl-Katastrophe und verschiedenen anderen, zum Teil länger zurückliegenden Reaktorunfällen ist über das Risiko von Krebserkrankungen als Spätfolge (auch geringerer) radioaktiver Belastung, speziell mit radioaktivem Jod, immer wieder kontrovers diskutiert worden. Eine kooperierende Arbeitsgruppe aus den USA (25 Kliniken) und England (eine Klinik) ist nun in einer retrospektiven Kohortenstudie der Frage nachgegangen, ob Patienten [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Nach der Tschernobyl-Katastrophe und verschiedenen anderen, zum Teil länger zurückliegenden Reaktorunfällen ist über das Risiko von Krebserkrankungen als Spätfolge (auch geringerer) radioaktiver Belastung, speziell mit radioaktivem Jod, immer wieder kontrovers diskutiert worden.</p>
<p>Eine kooperierende Arbeitsgruppe aus den USA (25 Kliniken) und England (eine Klinik) ist nun in einer retrospektiven Kohortenstudie der Frage nachgegangen, ob Patienten mit Hyperthyreose, speziell diejenigen, die mit <sub>131</sub>Jod behandelt wurden, im Lauf von Jahren ein höheres Risiko haben, an einem Karzinom zu sterben (1). Dazu wurden insgesamt 35593 hyperthyreote Patienten (mittleres Alter 46,5 Jahre; 3% jünger als 20 Jahre), die zwischen 1946 und 1964 im Rahmen der US Thyrotoxicosis Study behandelt wurden, nachverfolgt (76% länger als 10 Jahre). 28719 Patienten konnten komplett ausgewertet werden. Von ihnen hatten 91% eine Basedow-Hyperthyreose, 65% wurden mit <sub>131</sub>Jod behandelt, und 79% waren Frauen. Ziel der Studie war es, die sogenannten Standardized cancer Mortality Ratios (SMR) nach verschiedenen Behandlungsregimen der Hyperthyreose (<sub>131</sub>Jod, Operation, Thyreostatika oder Kombinationen) zu errechnen.</p>
<p><B>Ergebnisse:</B> Bis Ende 1990 waren 50,5% der ursprünglichen Patienten gestorben. Die Gesamtzahl der krebsbedingten Todesfälle lag nahe an der Zahl, die für die Gesamtbevölkerung zu erwarten war (2950 vs. 2858). Die Sterblichkeit an Karzinomen der Lunge, Mamma, Niere und Schilddrüse war geringfügig höher, die an Karzinomen von Uterus und Prostata etwas geringer. Patienten mit hyperthyreoter Knotenstruma hatten eine SMR von 1,16, also etwas höher als die Gesamtbevölkerung. Mehr als ein Jahr nach einer Monotherapie mit Thyreostatika war die Sterblichkeit an Karzinomen etwas erhöht (SMR 1,31). Nach Therapie mit <sub>131</sub>Jod waren Todesfälle an Karzinomen bzw. Todesfälle an speziellen Karzinomen nicht häufiger. Eine Ausnahme war jedoch das Schilddrüsenkarzinom mit einer SMR von insgesamt 3,94 (2,08 bei M. Basedow, 6,53 bei Knotenstruma); allerdings war die absolute Zahl der zusätzlichen Todesfälle an Schilddrüsenkarzinomen (erwartet 10,4 vs. eingetreten 27) gering. Es fand sich eine gewisse Korrelation mit der verabreichten Strahlendosis: < 7 mCi = SMR 3,01; 7-14 mCi = SMR 3,42; >15 mCi = SMR 7,05.</p>
<p>Ein begleitendes Editorial von D.S. Cooper (2) befaßt sich mit einigen ungeklärten Fragen dieser Arbeit, z.B.: Warum fanden sich mehr Hirntumoren nach der Therapie mit Thyreostatika? Ein Karzinomrisiko dieser Substanzen sei bisher nicht bekannt. Eine Erklärung könnte sein, daß Patienten selektiert wurden, d.h., daß besondere klinische Situationen zur Entscheidung geführt haben, antithyreoidale Pharmaka einzusetzen. Als Ursache der höheren Sterblichkeit an Schilddrüsenkarzinomen nach <sub>131</sub>Jod-Behandlung wird die Möglichkeit diskutiert, daß dies nicht eine direkte Strahlenschädigung ist; es könnte auch indirekt Folge einer &#8211; nicht immer diagnostizierten und daher unbehandelten &#8211; Hypothyreose sein, die nach Radiojodtherapie häufig entsteht und die zur Stimulierung des bestrahlten Schilddrüsengewebes durch TSH führt. Nach Abwägen der Vor- und Nachteile der verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten und (noch) fehlender Alternativen bleibt nach Meinung des Autors die Radiojodtherapie aber nach wie vor die Methode der Wahl bei den meisten Patienten mit M. Basedow. Da nur sehr wenige Kinder und Jugendliche mit <sub>131</sub>Jod behandelt wurden, kann diese Studie keine Auskunft darüber geben, ob bei ihnen häufiger Schilddrüsenkarzinome entstehen, was in anderen Untersuchungen vermutet wird (3, 4). Todesfälle wurden nicht registriert.</p>
<p><B>Fazit:</B> Weder eine Hyperthyreose selbst noch die Radiojodtherapie erhöht die Gesamtletalität an Karzinomen. Zwar steigt das Risiko, an einem Schilddrüsenkarzinom zu sterben, jedoch ist die absolute Zahl dieser zusätzlichen Todesfälle vergleichsweise gering. Insgesamt ist die Therapie mit <sub>131</sub>Jod sicher.</p>
<p><B>Literatur</p>
<p></B>1. Ron, E., et al.: JAMA <a href="http://www.ncbi.nlm.nih.gov/entrez/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=9686552&#038;dopt=Abstract" target="_blank" rel="noopener">1998, <B>280</B>, 347</a>.<br />2. Cooper; D.S.: JAMA <a href="http://www.ncbi.nlm.nih.gov/entrez/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=9686558&#038;dopt=Abstract" target="_blank" rel="noopener">1998, <B>280</B>, 375</a>.<br />3. Safa, A.M., et al.: N. Engl. J. Med. <a href="http://www.ncbi.nlm.nih.gov/entrez/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=45842&#038;dopt=Abstract" target="_blank" rel="noopener">1975, <B>292</B>, 167</a>.<br />4. Holm, L., et al.: N. Engl. J. Med. 1980, <B>303</B>, 188.</p>
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		<title>Verschlimmerung einer endokrinen Orbitopathie infolge Radiojodtherapie bei M. Basedow kann durch Prednisolon verhindert werden</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Dennis Hoppe]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 01 Feb 1998 11:07:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Endokrine Orbitopathie]]></category>
		<category><![CDATA[Glukokortikoide]]></category>
		<category><![CDATA[Glukokortikosteroide]]></category>
		<category><![CDATA[Hyperthyreose]]></category>
		<category><![CDATA[Kortikosteroide]]></category>
		<category><![CDATA[M. Basedow]]></category>
		<category><![CDATA[Methimazol]]></category>
		<category><![CDATA[Orbitopathie]]></category>
		<category><![CDATA[Prednisolon]]></category>
		<category><![CDATA[Prednison]]></category>
		<category><![CDATA[Radiojod-Therapie]]></category>
		<category><![CDATA[Thiamazol]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine endokrine Orbitopathie (Exophthalmus, Doppelbilder usw.) tritt nur im Zusammenhang mit einer autoimmunen Schilddrüsenerkrankung (z.B. Basedow-Hyperthyreose) auf, nicht aber in Verbindung mit einer Hyperthyreose infolge Schilddrüsen-Autonomie. Man vermutet, daß im Retroorbitalgewebe, besonders in den äußeren Augenmuskeln, ähnliche Antigene wie in der Schilddrüse exprimiert werden, gegen die sich das Immunsystem richtet. Mehrfach ist beschrieben worden, daß [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Eine endokrine Orbitopathie (Exophthalmus, Doppelbilder usw.) tritt nur im Zusammenhang mit einer autoimmunen Schilddrüsenerkrankung (z.B. Basedow-Hyperthyreose) auf, nicht aber in Verbindung mit einer Hyperthyreose infolge Schilddrüsen-Autonomie. Man vermutet, daß im Retroorbitalgewebe, besonders in den äußeren Augenmuskeln, ähnliche Antigene wie in der Schilddrüse exprimiert werden, gegen die sich das Immunsystem richtet. Mehrfach ist beschrieben worden, daß nach einer Radiojodtherapie, in deren Folge Schilddrüsengewebe zerfällt und in großen Mengen Schilddrüsen-Antigene mit dem Immunsystem in Kontakt kommen, eine endokrine Orbitopathie auftritt oder sich verschlimmert. Auch ein sogenanntes &#8222;prätibiales Myxödem&#8220;, das durch ähnliche histologisch/immunologische Veränderungen charakterisiert ist wie die endokrine Orbitopathie, kann nach einer Radiojodtherapie auftreten. L. Bartalena et al. aus Pisa berichten im N. Engl. J. Med. (<a href="http://www.ncbi.nlm.nih.gov/entrez/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=9420337&#038;dopt=Abstract" target="_blank" rel="noopener">1998, <B>338</B>, 73</a>) über eine umfangreiche Studie zur Verhinderung der durch Radiojodtherapie ausgelösten oder verschlimmerten endokrinen Orbitopathie mittels Prednisolon-Behandlung. Insgesamt 443 Patienten mit Basedow-Hyperthyreose und prätherapeutisch fehlender oder nur leichter endokriner Orbitopathie wurden in die Studie eingeschlossen. Jeweils etwa ein Drittel der Patienten erhielt entweder eine A. Radiojodtherapie, B. Radiojodtherapie plus Prednisolon-Behandlung oder C. thyreostatische Therapie mit Methimazol (Thiamazol) ein Jahr lang. Die Prednisolontherapie wurde wenige Tage nach der Radiojodgabe (120 bis 150 µCi/g Schilddrüsengewebe) mit 0,4 bis 0,5 mg Prednisolon/kg KG begonnen. Die Prednisolon-Dosis wurde nach einem Monat allmählich reduziert und nach 3 Monaten beendet.</p>
<p>Die Zahl der nach einem Jahr in Euthyreose, Hypothyreose oder noch in Hyperthyreose befindlichen Patienten war in den Gruppen A und B gleich. In der Gruppe C waren fast alle Patienten euthyreot, da die Methimazol-Therapie besser dosiert werden kann als die Radiojodbehandlung. Selbstverständlich wurden in den Gruppen A und B hypothyreote Patienten mit Thyroxin und weiter hyperthyreote Patienten (sehr kleine Zahl) mit Methimazol zusätzlich behandelt.</p>
<p>Bei den 150 Patienten der Gruppe A entwickelte sich oder verschlechterte sich eine endokrine Orbitopathie bei 23 Patienten (15%). Die Verschlechterung trat 2 bis 6 Monate nach Radiojodgabe auf und war bei 15 dieser Patienten vorübergehend. Bei den 145 Patienten der Gruppe B (Radiojod plus Prednisolon) trat in keinem Fall eine Progression der Orbitopathie auf, während sich bei 50 von 75 Patienten, die initial eine leichte Orbitopathie hatten, der Befund besserte. In der Methimazol-Gruppe C trat in 3% eine Verschlechterung, in 2% eine Besserung der Orbitopathie ein, während bei 95% der Patienten der Befund unverändert blieb (s.a. Editorial zum gleichen Thema von W. M. Wiersinga: N. Engl. J. Med. <a href="http://www.ncbi.nlm.nih.gov/entrez/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=9420345&#038;dopt=Abstract" target="_blank" rel="noopener">1998, <B>338</B>, 121</a>).</p>
<p><B>Fazit:</B> Diese Studie beweist, daß eine Radiojodtherapie eine endokrine Orbitopathie auslösen oder verschlechtern kann und daß diese unerwünschte Wirkung durch eine relativ niedrig dosierte dreimonatige Prednisolon-Behandlung verhindert werden kann. Es erscheint deshalb angebracht, bei Patienten mit ausgeprägter endokriner Orbitopathie und hohem Risiko einer Progression eine Radiojodtherapie entweder zu vermeiden oder an diese Therapie eine prophylaktische Prednisolon-Therapie anzuschließen.</p>
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