{"id":1359,"date":"2001-09-01T12:06:00","date_gmt":"2001-09-01T10:06:00","guid":{"rendered":"https:\/\/der-arzneimittelbrief.com\/artikel\/2001\/morphin-und-alternative-opioide-zur-behandlung-von-tumorschmerzen-empfehlungen-der-european-association-for-palliative-care-eapc"},"modified":"2001-09-01T12:06:00","modified_gmt":"2001-09-01T10:06:00","slug":"morphin-und-alternative-opioide-zur-behandlung-von-tumorschmerzen-empfehlungen-der-european-association-for-palliative-care-eapc","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/nachrichten\/morphin-und-alternative-opioide-zur-behandlung-von-tumorschmerzen-empfehlungen-der-european-association-for-palliative-care-eapc\/","title":{"rendered":"Morphin und alternative Opioide zur Behandlung von Tumorschmerzen: Empfehlungen der European Association for Palliative Care (EAPC)"},"content":{"rendered":"<p>Eine Expertengruppe der EAPC hat die 1996 erstmals publizierten Richtlinien f\u00fcr die Anwendung von Morphin und weiteren stark wirkenden Opioiden zur Behandlung von Tumorschmerzen \u00fcberarbeitet und aktualisiert (1, 2; vgl. AMB 1996, <B>30<\/B>, 85). Wir haben die 20 Empfehlungen f\u00fcr unsere Leser \u00fcbersetzt und im folgenden leicht gek\u00fcrzt zusammengefa\u00dft. F\u00fcr jede Empfehlung wird der Grad der Evidenz angegeben, wobei <B>A<\/B> (entsprechend Evidenz-Kategorien Ia und Ib) das Vorliegen zumindest einer randomisierten kontrollierten klinischen Studie und <B>B<\/B> (IIa, IIb, III) qualitativ einwandfreie klinische Studien (nicht randomisiert) zur jeweiligen Empfehlung erfordern. Grad <B>C<\/B> der Evidenz (IV) bedeutet, da\u00df aussagekr\u00e4ftige klinische Studien nicht vorliegen und die Empfehlungen auf dem Konsens von Experten-Komittees oder auf Meinungen bzw. klinischen Erfahrungen anerkannter Experten in der Tumorschmerz-Therapie beruhen.<\/p>\n<p>Aktualisierte auf Evidenz gest\u00fctzte Empfehlungen zur Behandlung von Tumorschmerzen sind k\u00fcrzlich auch von der Arzneimittelkommission der deutschen \u00c4rzteschaft herausgegeben worden und im Internet abzurufen (3).<\/p>\n<p>1. Opioid der ersten Wahl zur Behandlung m\u00e4\u00dfig starker bis starker Tumorschmerzen ist Morphin (C).<br \/>2. Der optimale Verabreichungsweg von Morphin ist per os. Idealerweise werden zwei Zubereitungen ben\u00f6tigt: eine schnell wirkende f\u00fcr die Titration der Dosis und eine retardierte f\u00fcr die Dauerbehandlung (C).<br \/>3. Die einfachste Methode f\u00fcr das Titrieren der Dosis ist die Gabe von nicht retardiertem Morphin alle 4 Stunden und die Gabe der gleichen Dosis bei Durchbruchschmerzen. Die Dosis zur Behandlung der Durchbruchschmerzen kann so oft wie n\u00f6tig (bis zu st\u00fcndlich) wiederholt werden. Die verabreichte Tages-Gesamtdosis von Morphin sollte t\u00e4glich \u00fcberpr\u00fcft werden (C).<br \/>4. Wenn die Schmerzen regelm\u00e4\u00dfig vor der n\u00e4chsten regul\u00e4ren Dosis auftreten, sollte die regul\u00e4re Dosis erh\u00f6ht werden. Schnell wirkendes Morphin sollte nicht h\u00e4ufiger als alle 4 Stunden und retardiertes Morphin nicht h\u00e4ufiger als alle 12-24 Stunden gegeben werden (A).<br \/>5. Wird die Behandlung mit einem retardierten Morphin-Pr\u00e4parat begonnen, sollte die regul\u00e4re Dosis nicht fr\u00fcher als nach 48 Stunden ge\u00e4ndert werden (C).<br \/>6. Durch Verdoppelung der Dosis vor dem Zubettgehen kann bei Patienten, die schnell wirkendes Morphin alle 4 Stunden erhalten, ein Aufwachen wegen erneuter Schmerzen wirksam verhindert werden (C).<br \/>7. Verschiedene retardierte Morphin-Zubereitungen sind erh\u00e4ltlich. Es gibt keine Hinweise daf\u00fcr, da\u00df die 12-Stunden-Zubereitungen (Tabletten, Kapseln oder Fl\u00fcssigkeiten) sich bez\u00fcglich Wirkdauer und analgetischer Potenz signifikant unterscheiden (A).<br \/>8. Bei Patienten, die nicht in der Lage sind, Morphin oral einzunehmen, bietet sich die s.c. Injektion an. F\u00fcr die i.m. Injektion von Morphin zur Behandlung chronischer Schmerzen gibt es im Allgemeinen keine Indikation, da die s.c. Injektion einfacher und weniger schmerzhaft ist (C).<br \/>9. Die relative analgetische Potenz von Morphin oral zu s.c. liegt zwischen 1:2 und 1:3 (C).<br \/>10. F\u00fcr Patienten, die Morphin kontinuierlich parenteral ben\u00f6tigen, bietet sich die s.c. Infusion an (C).<br \/>11. Eine i.v. Gabe von Morphin kommt in Betracht (C):<br \/>a. wenn bereits ein i.v. Zugang vorhanden ist<br \/>b. bei generalisiertem \u00d6dem<br \/>c. wenn sich nach s.c. Gabe Erytheme oder sterile Abszesse entwickeln<br \/>d. bei Koagulopathien<br \/>e. bei schlechter peripherer Zirkulation<br \/>12. Die relative analgetische Potenz von Morphin oral zu i.v. liegt zwischen 1:2 und 1:3 (A).<br \/>13. Die bukkale, sublinguale oder inhalative Gabe von Morphin kann zur Zeit nicht empfohlen werden, da ein klinischer Vorteil im Vergleich zu den \u00fcblichen Verabreichungswegen nicht evident ist (B).<br \/>14. Orales transmukosales Fentanyl-Zitrat (in Deutschland noch nicht erh\u00e4ltlich) ist wirksam bei Patienten mit Durchbruchschmerzen, die stabile Dosen von oralem Morphin oder eines alternativen Opioids der dritten Stufe ben\u00f6tigen (A).<br \/>15. Die Schmerztherapie mit Opioiden ist als erfolgreich anzusehen, wenn eine ausreichende Analgesie ohne starke unerw\u00fcnschte Arzneimittelwirkungen (UAW) erreicht wird. Durch Beachten der WHO- bzw. der EAPC-Empfehlungen kann bei den meisten Patienten mit chronischen Tumorschmerzen ein befriedigendes Ergebnis erreicht werden. Bei wenigen Patienten ist dies allerdings nur durch alternative Opioide, spinale Gabe von Analgetika oder alternative (nicht-medikament\u00f6se) Methoden zur Schmerzbehandlung zu erreichen (B).<br \/>16. Bei wenigen Patienten treten nach oraler Gabe von Morphin nicht tolerierbare UAW auf, noch bevor eine angemessene Linderung der Schmerzen einsetzt. Bei diesen Patienten sollte ein Umstieg auf ein anderes Opioid oder eine \u00c4nderung der Applikationsform \u00fcberlegt werden (B).<br \/>17. Hydromorphon (Palladon) oder Oxycodon (Oxygesic) sind wirksame Alternativen zu oralem Morphin, falls sie sowohl als schnell wirkende als auch in Retard-Formulierungen zur Verf\u00fcgung stehen (A). Anmerkung der Redaktion: Beide Wirkstoffe sind in Deutschland nur in retardierter Form verf\u00fcgbar.<br \/>18. Methadon (z.B. Methaddict, L-Polamidon) ist eine wirksame Alternative, jedoch schwieriger anzuwenden als andere Opioide wegen ausgepr\u00e4gter interindividueller Unterschiede in der Plasmahalbwertzeit, der relativen analgetischen Potenz und der Wirkdauer. Von der Verwendung von Methadon durch nicht-spezialisierte \u00c4rzte wird abgeraten (C).<br \/>19. Transdermales Fentanyl (Durogesic) ist eine wirksame Alternative zu oralem Morphin, wird aber vorzugsweise solchen Patienten gegeben, die stabile Opioid-Dosen ben\u00f6tigen (vgl. <a href=\"http:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/de\/Artikel.aspx?SN=5657\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">AMB 2001, <B>35<\/B>, 56<\/a>). Bei Patienten, die Morphin nicht einnehmen k\u00f6nnen, sind fentanylhaltige Pflaster eine Alternative zu s.c. Infusionen (B).<br \/>20. Die spinale (epidurale, intrathekale) Gabe von Opioiden in Kombination mit Lokalan\u00e4sthetika oder Clonidin sollte bei Patienten in Betracht gezogen werden, bei denen trotz optimaler Anwendung systemischer Opioide und Nicht-Opioide keine ad\u00e4quate analgetische Wirkung erreicht werden kann oder die unter nicht-tolerierbaren UAW leiden (B).<\/p>\n<p><B>Literatur<br \/><\/B><br \/>1. Expert Working Group of the European Association for Palliative Care: Br. Med. J. <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=8608293&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1996, <B>312<\/B>, 823<\/a>.<br \/>2. Hanks, G.W., et al.: Br. J. Cancer <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=11237376&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">2001, <B>84<\/B>, 587<\/a>.<br \/>3. Therapieempfehlungen der Arzneimittelkommission der deutschen \u00c4rzteschaft: Tumorschmerzen, 2. Auflage, 2000 (<a href=\"http:\/\/www.akdae.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.akdae.de<\/a>). <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Expertengruppe der EAPC hat die 1996 erstmals publizierten Richtlinien f\u00fcr die Anwendung von Morphin und weiteren stark wirkenden Opioiden zur Behandlung von Tumorschmerzen \u00fcberarbeitet und aktualisiert (1, 2; vgl. AMB 1996, 30, 85). Wir haben die 20 Empfehlungen f\u00fcr unsere Leser \u00fcbersetzt und im folgenden leicht gek\u00fcrzt zusammengefa\u00dft. 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