{"id":1597,"date":"2002-03-01T12:04:00","date_gmt":"2002-03-01T11:04:00","guid":{"rendered":"https:\/\/der-arzneimittelbrief.com\/artikel\/2002\/torasemid-versus-furosemid-in-der-behandlung-der-chronischen-herzinsuffizienz"},"modified":"2002-03-01T12:04:00","modified_gmt":"2002-03-01T11:04:00","slug":"torasemid-versus-furosemid-in-der-behandlung-der-chronischen-herzinsuffizienz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/nachrichten\/torasemid-versus-furosemid-in-der-behandlung-der-chronischen-herzinsuffizienz\/","title":{"rendered":"Torasemid versus Furosemid in der Behandlung der chronischen Herzinsuffizienz"},"content":{"rendered":"<p>Die Dekompensation einer chronischen Myokardinsuffizienz ist unver\u00e4ndert einer der h\u00e4ufigsten Gr\u00fcnde f\u00fcr eine station\u00e4re Krankenhausaufnahme. Urs\u00e4chliche Faktoren f\u00fcr eine kardiale Dekompensation sind meist eine mangelnde medikament\u00f6se Compliance, zu hohe Fl\u00fcssigkeits- und Natriumzufuhr, begleitende akute Infektionen und Koronarisch\u00e4mien. Dar\u00fcber hinaus kann auch eine Unterdosierung oder eine eingeschr\u00e4nkte Bioverf\u00fcgbarkeit von verordneten Diuretika zu kongestiver Entgleisung der Herzinsuffizienz f\u00fchren. Furosemid, das am h\u00e4ufigsten verordnete Diuretikum bei Herzinsuffizienz, hat bei oraler Einnahme eine stark schwankende Absorption mit einer Bioverf\u00fcgbarkeit zwischen 10% und 90%. Demgegen\u00fcber ist die Bioverf\u00fcgbarkeit des Schleifendiuretikums Torasemid mit 76%-96% deutlich stabiler. Ein amerikanisches Autorenteam der Universit\u00e4t Indiana ver\u00f6ffentlichte nun die Ergebnisse einer vergleichenden Studie zwischen Furosemid und Torasemid in der Behandlung der Herzinsuffizienz (Murray, M.D., et al.: Am. J. Med. <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=11705426&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">2001, <b>111,<\/b> 513<\/a>). In der Studienplanung ging man davon aus, da\u00df die stabilere Pharmakokinetik von Torasemid in der Behandlung der Herzinsuffizienz zu weniger Krankenhausaufnahmen wegen kardialer Dekompensation f\u00fchrt. Sekund\u00e4re Endpunkte waren die H\u00e4ufigkeit aller Krankenhausaufnahmen und die gesundheitsbezogene &#8222;Lebensqualit\u00e4t&#8220;. In einem offenen (!) Studiendesign wurden 234 Patienten mit gesicherter systolischer Herzinsuffizienz und bestehender Furosemid-Medikation in die Studie eingeschlossen. Nach Randomisierung erhielten 121 Patienten weiterhin Furosemid in einer mittleren Tagesdosis von 136 mg und 113 Patienten Torasemid in einer mittleren Dosis von 72 mg. Am Ende der einj\u00e4hrigen Behandlungsphase war die Furosemid-Dosis im Mittel um 36 mg\/d erh\u00f6ht worden, w\u00e4hrend Torasemid in etwa unver\u00e4nderter Dosierung gegeben wurde.<\/p>\n<p>Beide Gruppen waren in den Ausgangsdaten gleich. Das Durchschnittsalter betrug 64 Jahre, die mittlere NYHA-Klasse 2,7 und die echokardiographische Verk\u00fcrzungsfraktion des linken Ventrikels 15%. Mit ACE-Hemmern waren etwa 80% der Patienten vorbehandelt, mit Digitalis 65% und mit Betablockern 20%. Die mittlere Beobachtungszeit betrug 318 Tage in der Furosemid-Gruppe und 324 Tage in der Torasemid-Gruppe. Zu einer kardialen Dekompensation mit station\u00e4rer Aufnahme kam es in diesem Zeitraum bei 39 Patienten (32%) in der Furosemid-Gruppe und bei 19 Patienten (17%) in der Torasemid-Gruppe (p < 0,01). Auch die H\u00e4ufigkeit aller Krankenhausaufnahmen war in der Furosemid-Gruppe h\u00f6her, allerdings nicht signifikant (92 vs. 80 Patienten). Die Messungen der \"Lebensqualit\u00e4t\" erfolgte nach 2, 4, 8 und 12 Monaten mit den Qualit\u00e4ten M\u00fcdigkeit, Luftnot und psychisches Wohlbefinden. Hier zeigte sich in der Torasemid-Gruppe zu allen Zeitpunkten signifikant geringere M\u00fcdigkeit (p < 0,01) sowie tendenziell weniger Luftnot; das psychische Wohlbefinden blieb unver\u00e4ndert. Unerw\u00fcnschte Wirkungen wurden bei 8 Patienten unter Furosemid (7%) und bei 13 Patienten unter Torasemid (12%) beobachtet. Vor allem Schwindel war unter Torasemid h\u00e4ufiger. Keine Gruppenunterschiede fanden sich in der medikament\u00f6sen Compliance, die mit einer regelm\u00e4\u00dfigen Medikamenteneinnahme von 85% recht hoch lag. In der Diskussion folgern die Autoren, da\u00df die stabilere Pharmakokinetik von Torasemid klinisch relevant sein k\u00f6nnte. Eine Einschr\u00e4nkung erfahren die Ergebnisse durch die fehlende Verblindung der Studienmedikation und die relativ kleine Patientenzahl.<\/p>\n<p><b>Kommentar der Redaktion:<\/b> Diese offene Studie sieht einen Vorteil f\u00fcr Torasemid. Wenn es aber um \u201dweiche\u201d Endpunkte geht, wie z.B. \u201dLebensqualit\u00e4t\u201d, sollten sowohl die Untersucher als auch die Patienten verblindet sein. Deshalb ist dem Ergebnis nicht zu trauen. Eine fr\u00fchere Untersuchung, ebenfalls unverblindet, kam zu einer gegenteiligen Aussage (Noe, L.L., et al.: Clin. Ther. <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=10397380&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1999, <b>21<\/b>, 854<\/a>). Die Zeitschrift Pharmakritik, ebenso wie DER ARZNEIMITTELBRIEF Mitglied der internationalen Vereinigung unabh\u00e4ngiger Arzneimittel-Informationsbl\u00e4tter (ISDB), fa\u00dft den Vergleich der Schleifendiuretika folgenderma\u00dfen zusammen: \u201dObwohl es Konkurrenz gibt f\u00fcr Furosemid durch Bumetanid (Burinex), Piretanid (Arelix) und Torasemid (Torem, Unat) ist die Substanz nach wie vor das Mittel der Wahl. Sie ist insgesamt besser dokumentiert und preiswerter als die Vergleichspr\u00e4parate\u201d. Es gibt daher keine sachliche Begr\u00fcndung daf\u00fcr, da\u00df die Verordnung von Torasemid von Jahr zu Jahr zunimmt. Mehr Erfolg als durch neue, teurere Analogpr\u00e4parate kann in vielen F\u00e4llen dadurch erzielt werden, da\u00df alle Patienten vor der Verordnung von Diuretika intensiv dar\u00fcber aufgekl\u00e4rt werden und da\u00df Trinkmenge und Salzgebrauch eingeschr\u00e4nkt werden m\u00fcssen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Dekompensation einer chronischen Myokardinsuffizienz ist unver\u00e4ndert einer der h\u00e4ufigsten Gr\u00fcnde f\u00fcr eine station\u00e4re Krankenhausaufnahme. Urs\u00e4chliche Faktoren f\u00fcr eine kardiale Dekompensation sind meist eine mangelnde medikament\u00f6se Compliance, zu hohe Fl\u00fcssigkeits- und Natriumzufuhr, begleitende akute Infektionen und Koronarisch\u00e4mien. 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