{"id":1927,"date":"1999-11-01T12:03:00","date_gmt":"1999-11-01T11:03:00","guid":{"rendered":"https:\/\/der-arzneimittelbrief.com\/artikel\/1999\/rueckkehr-eines-alten-bekannten-spironolacton-die-rales-studie"},"modified":"1999-11-01T12:03:00","modified_gmt":"1999-11-01T11:03:00","slug":"rueckkehr-eines-alten-bekannten-spironolacton-die-rales-studie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/nachrichten\/rueckkehr-eines-alten-bekannten-spironolacton-die-rales-studie\/","title":{"rendered":"R\u00fcckkehr eines alten Bekannten? Spironolacton. Die RALES-Studie"},"content":{"rendered":"<p>Spironolacton wurde bereits im Oktober 1967 in Deutschland zur Therapie zugelassen und registriert. Es war das erste Medikament, das in die Wirkung des Regelkreises Renin-Angiotensin-Aldosteron eingreift. Zun\u00e4chst setzte es sich als Diuretikum durch, das oft als Kombinationspartner von Schleifendiuretika verwendet wurde. Nebenwirkungen wie Hyperkali\u00e4mie, Gyn\u00e4komastie und Libidoverlust, Hauterscheinungen und Interaktionen mit anderen Medikamenten (z.B. Anstieg der Serumkonzentration von Digitalis-Pr\u00e4paraten) waren h\u00e4ufig: Spironolacton trat in den Hintergrund. Sp\u00e4ter wurden ACE-Hemmer und Angiotensin-ll-Rezeptor-Antagonisten in die Therapie der Herzinsuffizienz eingef\u00fchrt. Sie hemmen die Produktion von Aldosteron. Es lag nahe zu pr\u00fcfen, ob ein Aldosteronrezeptor-Blocker (Spironolacton) zus\u00e4tzliche Effekte erzielen kann. Eine international zusammengesetzte Forschergruppe pr\u00fcfte daher jetzt den Effekt von Spironolacton auf Krankheitsverlauf und Sterblichkeit bei Patienten mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz in der RALES-Studie (<b>R<\/b>andomized <b>AL<\/b>dactone <b>E<\/b>valuation <b>S<\/b>tudy; 1). Die Dosis betrug 25 mg einmal t\u00e4glich; sie konnte, wenn sich die Herzinsuffizienz verschlechterte und keine Hyperkali\u00e4mie bestand, auf 50 mg\/d gesteigert werden.<\/p>\n<p>Etwa 1700 Patienten mit fortgeschrittener chronischer Herzinsuffizienz (NYHA-Klasse III oder IV) wurden eingeschlossen und mit ACE-Hemmern und Schleifendiuretika behandelt. Weitere Medikamente, allerdings keine &#8222;kaliumsparenden&#8220; Diuretika, waren den \u00c4rzten freigestellt. Ausschlu\u00dfkriterien waren unter anderen Erh\u00f6hung des Kreatinins auf > 2,5 mg\/dl und Hyperkali\u00e4mie > 5,0 mmol\/l. Nach einer Eingangsuntersuchung wurden die Patienten entweder der Spironolacton- oder der Plazebo-Gruppe zugeordnet; sie sollten 36 Monate nachbeobachtet werden. Prim\u00e4rer Endpunkt war Tod jeglicher Ursache, sekund\u00e4re Endpunkte waren kardialer Tod, Krankenhausaufenthalte wegen kardialer Erkrankungen und die Kombination beider.<\/p>\n<p>Die Ergebnisse sind der Tabelle 1 zu entnehmen. Schweregrad und Art der Erkrankung waren in beiden Gruppen etwa gleich, auch die Art der Therapie. Es starben in den ersten 24 Monaten in der Plazebo-Gruppe signifikant mehr Patienten an Herzerkrankungen als in der mit Spironolacton behandelten Gruppe, so da\u00df die Studie abgebrochen wurde. Die Patienten der Plazebo-Gruppe mu\u00dften auch h\u00e4ufiger wegen Herzerkrankungen station\u00e4r behandelt werden. Nebenwirkungen waren in der Spironolacton-Gruppe nicht h\u00e4ufiger als in der Plazebo-Gruppe.<\/p>\n<p>Ein Editorial (2) macht darauf aufmerksam, da\u00df der beschriebene Effekt von Spironolacton in der gew\u00e4hlten niedrigen Dosierung (25 mg\/d) offenbar unabh\u00e4ngig von seiner diuretischen Wirkung ist und additiv zu der Wirkung von ACE-lnhibitoren. So lange die Nierenfunktion intakt sei, k\u00f6nne &#8211; ohne eine bedrohliche Hyperkali\u00e4mie bef\u00fcrchten zu m\u00fcssen &#8211; Spironolacton in dieser Dosierung als erfolgversprechendes zus\u00e4tzliches Therapieprinzip versucht werden.<\/p>\n<p>Einige kritische Anmerkungen sind jedoch zu machen. Die Patienten in der RALES-Studie waren, bevor Spironolacton eingesetzt wurde, offenbar mit ACE-Hemmern in niedrigeren Dosierungen behandelt worden als in anderen Studien. Au\u00dferdem erhielten nur 10% der Patienten Betarezeptoren-Blocker. Dar\u00fcber hinaus mu\u00df festgehalten werden, da\u00df randomisierte <i>Therapie-Studien <\/i>grunds\u00e4tzlich nicht in der Lage sind, Unterschiede in der <i>H\u00e4ufigkeit von Nebenwirkungen <\/i>zu erfassen, weil diese zu selten sind. Ob Spironolacton daher nach den Ergebnissen der RALES-Studie eine Renaissance in der Therapie der Herzinsuffizienz erf\u00e4hrt, mu\u00df abgewartet werden. M\u00f6glicherweise kann es speziell bei Patienten eingesetzt werden, bei denen eine arterielle Hypotonie die Behandlung mit ACE-Hemmern begrenzt. Vorsicht ist sicher geboten.<\/p>\n<p><b>Fazit:<\/b> Die RALES-Studie belegt, da\u00df Spironolacton in niedriger Dosierung &#8211; mit der gebotenen Vorsicht im Hinblick auf die Nebenwirkungen (besonders Hyperkali\u00e4mie) -zus\u00e4tzlich zur Behandlung bei fortgeschrittener Herzinsuffizienz eingesetzt werden kann.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/nachrichten\/wp-content\/uploads\/1999\/11\/Abbildung-1999-83-1.gif\" alt=\"Abbildung 1999-83-1.gif\" class=\"table-figure\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Spironolacton wurde bereits im Oktober 1967 in Deutschland zur Therapie zugelassen und registriert. Es war das erste Medikament, das in die Wirkung des Regelkreises Renin-Angiotensin-Aldosteron eingreift. 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