{"id":2792,"date":"2014-12-06T10:27:07","date_gmt":"2014-12-06T10:27:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/nachrichten\/?p=2792"},"modified":"2014-12-06T10:27:07","modified_gmt":"2014-12-06T10:27:07","slug":"antiandrogene-therapie-des-prostatakarzinoms-ist-weniger-besser-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/nachrichten\/antiandrogene-therapie-des-prostatakarzinoms-ist-weniger-besser-2\/","title":{"rendered":"Antiandrogene Therapie des Prostatakarzinoms: ist weniger besser?"},"content":{"rendered":"<p>AMB 2012, <strong>46<\/strong>, 82<\/p>\n<h2>Antiandrogene Therapie des Prostatakarzinoms: ist weniger besser?<\/h2>\n<p>Vor 70 Jahren machte der kanadische Arzt Charles Brenton Huggins die Entdeckung, dass Kastration bei Patienten mit metastasiertem Prostatakarzinom die Symptome deutlich besserte und die Schmerzen linderte (1). In der Folge etablierte sich die antiandrogene Therapie als ein unverzichtbarer Pfeiler der Behandlung beim Prostatakarzinom. Die urspr\u00fcngliche Indikation \u2013 n\u00e4mlich Patienten mit fortgeschrittener, symptomatischer Erkrankung \u2013 wandelte sich im Laufe der letzten 70 Jahre bis hin zur Behandlung asymptomatischer Patienten, bei denen die Krebsdiagnose im Rahmen von Fr\u00fcherkennungsuntersuchungen (digitale rektale Untersuchung = DRU, PSA-Test und Biopsien) gestellt worden war. So wie bisher nicht sicher bewiesen ist, dass die Fr\u00fcherkennung durch PSA-Screening oder DRU generell mit Vorteilen f\u00fcr die Patienten verbunden ist \u2013 die US Preventive Services Taskforce hat sich gerade dezidiert gegen das PSA-Screening ausgesprochen (2) \u2013 , so steht auch die Evidenz f\u00fcr die \u201eprophylaktische\u201d antiandrogene Therapie auf wackligem Fu\u00df. Der Grund ist der gleiche: die Diagnose \u201eProstatakarzinom&#8220; sagt noch nichts \u00fcber den Verlauf der Erkrankung aus. Viele M\u00e4nner, vor allem \u00e4ltere, sterben mit und nicht an ihrem Prostatakarzinom. Vielleicht k\u00f6nnte man vielen M\u00e4nnern die unangenehmen Nebenwirkungen einer antiandrogenen Behandlung ersparen.<\/p>\n<p>Eine gerade im N. Engl. J. Med. erschienene kanadische Studie weist in diese Richtung (3). Die Autoren hatten zwar nicht den \u201eMut\u201d, mit der antiandrogenen Therapie bis zum Auftreten von Symptomen zu warten, aber sie wagten es, unter bestimmten Bedingungen (PSA &lt;\u00a04\u00a0ng\/ml, kein PSA-Anstieg &gt;\u00a01\u00a0ng\/ml seit der letzten Kontrolle, keine Symptome einer Progredienz) die antiandrogene Therapie auszusetzen und zu warten, bis das PSA Werte &gt;\u00a010 ng\/ml erreichte oder Tumorsymptome auftraten.<\/p>\n<p>Randomisiert wurden 1.386 M\u00e4nner mit einem PSA-Wert &gt;\u00a03\u00a0ng\/ml ein Jahr nach Radiotherapie wegen eines lokalisierten Prostatakarzinoms in eine Gruppe mit antiandrogener Dauertherapie (n\u00a0=\u00a0696; Alter median 74,2\u00a0Jahre) und eine Gruppe mit intermittierender antiandrogener Behandlung (n\u00a0=\u00a0690; Alter median 74,4\u00a0Jahre) und im Median 6,9 Jahre lang beobachtet. Prim\u00e4res Zielkriterium waren Letalit\u00e4t und mediane \u00dcberlebenszeit. Als sekund\u00e4re Zielkriterien wurden die Expositionszeit gegen\u00fcber einer antiandrogenen Therapie, die Lebensqualit\u00e4t und die Zeit bis zur Antiandrogen-resistenten Krankheitsprogredienz definiert. Die statistische Studienplanung folgte einem \u00c4quivalenz-Design mit Intention-to-Treat-Analyse.<\/p>\n<p>Bez\u00fcglich der Letalit\u00e4t fand sich kein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Gruppen. Unter antiandrogener Dauertherapie starben 256 Patienten im Beobachtungszeitraum, unter intermittierender Therapie 268 (Hazard Ratio: 1,02; CI: 0,86-1,21). Die mediane \u00dcberlebenszeit betrug 9,1\u00a0Jahre unter Dauertherapie und 8,8 Jahre unter intermittierender Behandlung.<\/p>\n<p>Die Antiandrogen-Exposition war mit durchschnittlich 43,9 Monaten in der Dauertherapie-Gruppe erwartungsgem\u00e4\u00df deutlich h\u00f6her als unter intermittierender Therapie (15,4 Monate). Ebenso erwartungsgem\u00e4\u00df traten unter intermittierender Behandlung signifikant weniger Hitzewallungen und Miktionsprobleme auf. Auch der Libidoverlust war signifikant geringer. In der Gruppe mit intermittierender Therapie erlangten immerhin fast 30% der M\u00e4nner ohne Erektionsst\u00f6rungen vor Therapiebeginn die Erektionsf\u00e4higkeit in den Therapiepausen zur\u00fcck. Allerdings f\u00fchrten die geringeren unerw\u00fcnschten Wirkungen nicht zu einer signifikant unterschiedlichen Lebensqualit\u00e4t.<\/p>\n<p>Ein wichtiges Ergebnis der Studie ist die genaue Analyse der Todesursachen: Nur 15% (Dauertherapie) bzw. 18% (intermittierende Therapie) der M\u00e4nner starben im Beobachtungszeitraum an ihrem Prostatakarzinom. Der weitaus gr\u00f6\u00dfere Teil der Todesf\u00e4lle (23% der Patienten mit Dauertherapie und 21% der Patienten mit intermittierender Therapie) war auf andere Ursachen zur\u00fcckzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Bei Patienten im Tumorstadium T1-T2, N0M0 mit PSA-Werten bis 50\u00a0ng\/ml ist auch blo\u00dfes Zuwarten und Beobachten ohne Antiandrogentherapie einer sofortigen operativen Therapie nicht signifikant unterlegen und mit viel geringeren UAW assoziiert (4).<\/p>\n<p><b>Fazit:<\/b> Beim Prostatakarzinom zeichnet sich nach den Ergebnissen dieser Studie ab, dass eine intermittierende Antiandrogen-Behandlung, die sich am PSA-Wert orientiert, einer Dauertherapie nicht unterlegen und mit weniger Nebenwirkungen verbunden ist. In Fr\u00fchstadien des Prostatakarzinoms kann der Verlauf der Erkrankung auch ohne jede Therapie zun\u00e4chst beobachtet werden.<\/p>\n<p><b>Literatur<\/b><\/p>\n<ol class=\"literatur\">\n<li>Huggins, C.B., und Hodges, C.V.: Cancer Res.1941, <b>19<\/b>, 293.<\/li>\n<li>http:\/\/www.uspreventiveservicestaskforce.org\/prostatecancerscreening.htm <a href=\"http:\/\/www.uspreventiveservicestaskforce.org\/prostatecancerscreening.htm\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/_images\/link.jpeg\" alt=\"Link zur Quelle\" width=\"11\" height=\"11\" border=\"0\" \/><\/a><\/li>\n<li>Crook, J.M., et al.: N. Engl. J. Med. 2012, <b>367<\/b>,895. <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&amp;db=PubMed&amp;list_uids=22931259&amp;dopt=Abstract\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/_images\/link.jpeg\" alt=\"Link zur Quelle\" width=\"11\" height=\"11\" border=\"0\" \/><\/a><\/li>\n<li>AMB 2012, <b>46<\/b>, 69b. <a href=\"http:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/de\/Artikel.aspx?SN=7419\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/_images\/link.jpeg\" alt=\"Link zur Quelle\" width=\"11\" height=\"11\" border=\"0\" \/><\/a><\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>Schlagworte zum Artikel:<\/b><\/p>\n<p><a class=\"link\" href=\"http:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/de\/Schlagwort.aspx?S=Karzinome,\" target=\"_self\">Karzinome,<\/a> <a class=\"link\" href=\"http:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/de\/Schlagwort.aspx?S=Prostatakarzinom,\" target=\"_self\">Prostatakarzinom,<\/a> <a class=\"link\" href=\"http:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/de\/Schlagwort.aspx?S=Prostata-spezifisches%20Antigen,\" target=\"_self\">Prostata-spezifisches Antigen,<\/a> <a class=\"link\" href=\"http:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/de\/Schlagwort.aspx?S=PSA,\" target=\"_self\">PSA,<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Aktuelle Artikel zum Schlagwort: Prostatakarzinom<\/strong><\/p>\n<p><a class=\"link1\" style=\"font-weight: bold; color: black;\" href=\"http:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/de\/Artikel.aspx?J=2014&amp;S=87b\" target=\"_self\">Beschl\u00fcsse des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) zur Nutzenbewertung von Arzneimitteln<\/a>\u00a0<a class=\"link\" href=\"http:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/de\/Artikel.aspx?J=2014&amp;S=87b\" target=\"_self\">2014, <b>48<\/b>, 87b<\/a><\/p>\n<p><a class=\"link1\" style=\"font-weight: bold; color: black;\" href=\"http:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/de\/Artikel.aspx?J=2014&amp;S=38b\" target=\"_self\">Beschl\u00fcsse des gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) zur Nutzenbewertung von Arzneimitteln<\/a>\u00a0<a class=\"link\" href=\"http:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/de\/Artikel.aspx?J=2014&amp;S=38b\" target=\"_self\">2014, <b>48<\/b>, 38b<\/a><\/p>\n<p><a class=\"link1\" style=\"font-weight: bold; color: black;\" href=\"http:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/de\/Artikel.aspx?J=2013&amp;S=71a\" target=\"_self\">Langzeitergebnisse des \u201eProstate Cancer Prevention Trial\u201c mit Finasterid<\/a>\u00a0<a class=\"link\" href=\"http:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/de\/Artikel.aspx?J=2013&amp;S=71a\" target=\"_self\">2013, <b>47<\/b>, 71a<\/a><\/p>\n<p><a class=\"link1\" style=\"font-weight: bold; color: black;\" href=\"http:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/de\/Artikel.aspx?J=2013&amp;S=63b\" target=\"_self\">Beschl\u00fcsse des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) zur fr\u00fchen Nutzenbewertung von Arzneimitteln<\/a>\u00a0<a class=\"link\" href=\"http:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/de\/Artikel.aspx?J=2013&amp;S=63b\" target=\"_self\">2013, <b>47<\/b>, 63b<\/a><\/p>\n<p><a class=\"link1\" style=\"font-weight: bold; color: black;\" href=\"http:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/de\/Artikel.aspx?J=2013&amp;S=01\" target=\"_self\">Klinische Krebsregister: wichtige Quelle zuverl\u00e4ssiger Informationen \u00fcber die Qualit\u00e4t der onkologischen Versorgung<\/a>\u00a0<a class=\"link\" href=\"http:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/de\/Artikel.aspx?J=2013&amp;S=01\" target=\"_self\">2013, <b>47<\/b>, 01<\/a><\/p>\n<p><a class=\"link1\" style=\"font-weight: bold; color: black;\" href=\"http:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/de\/Artikel.aspx?J=2012&amp;S=82\" target=\"_self\">Antiandrogene Therapie des Prostatakarzinoms: ist weniger besser?<\/a>\u00a0<a class=\"link\" href=\"http:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/de\/Artikel.aspx?J=2012&amp;S=82\" target=\"_self\">2012, <b>46<\/b>, 82<\/a><\/p>\n<p><a class=\"link1\" style=\"font-weight: bold; color: black;\" href=\"http:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/de\/Artikel.aspx?J=2012&amp;S=69b\" target=\"_self\">Lokal begrenztes Prostatakarzinom: sofort operieren oder abwarten?<\/a>\u00a0<a class=\"link\" href=\"http:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/de\/Artikel.aspx?J=2012&amp;S=69b\" target=\"_self\">2012, <b>46<\/b>, 69b<\/a><\/p>\n<p><a class=\"link1\" style=\"font-weight: bold; color: black;\" href=\"http:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/de\/Artikel.aspx?J=2012&amp;S=38\" target=\"_self\">Beschl\u00fcsse des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) zur fr\u00fchen Nutzenbewertung neuer Arzneimittel<\/a>\u00a0<a class=\"link\" href=\"http:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/de\/Artikel.aspx?J=2012&amp;S=38\" target=\"_self\">2012, <b>46<\/b>, 38<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Verl\u00e4ssliche Daten zu Arzneimitteln<\/strong><\/p>\n<p><strong>DER ARZNEIMITTELBRIEF<\/strong> informiert seit 1967 \u00c4rzte, Medizinstudenten, Apotheker und Angeh\u00f6rige anderer Heilberufe \u00fcber Nutzen und Risiken von Arzneimitteln.<\/p>\n<p><strong>DER ARZNEIMITTELBRIEF<\/strong> erscheint als unabh\u00e4ngige Zeitschrift ohne Werbeanzeigen der Pharmaindustrie. Er wird ausschlie\u00dflich durch seine Leserinnen und Leser, d. h. durch die Abonnenten, finanziert. Wir bitten Sie deshalb um Verst\u00e4ndnis, dass wir aktuelle Artikel nur auszugsweise ver\u00f6ffentlichen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/gutepillen-schlechtepillen.de\/pages\/abo-einzelperson.php\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" title=\"Gute Pillen - Schlechte Pillen ist ein ganz besonderes Projekt.\" src=\"http:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/nachrichten\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/GPSP_Banner_AMB_01_2013.jpg\" alt=\"GPSP_Banner_AMB_01_2013\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/de\/Abonnement-Einzelnutzer-Studenten.aspx\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone\" title=\"Was bringt DER ARZNEIMITTELBRIEF speziell f\u00fcr Studentinnen und Studenten und den Beginn des Berufslebens?\" src=\"http:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/nachrichten\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/2_Studi_Banner_AMB_NEU.jpg\" alt=\"Prostatakarzinom\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/de\/isdb.aspx\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"DER ARZNEIMITTELBRIEF als Mitglied im ISDB\" src=\"http:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/nachrichten\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/ISDB_Banner_AMB.jpg\" alt=\"DER ARZNEIMITTELBRIEF als Mitglied im ISDB\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/de\/Abonnieren.aspx\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Sie k\u00f6nnen den ARZNEIMITTELBRIEF in 4 Preiskategorien abonnieren:\" src=\"http:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/nachrichten\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/1_ABO_Banner_AMB_NEU.jpg\" alt=\"Sie k\u00f6nnen den ARZNEIMITTELBRIEF in 4 Preiskategorien abonnieren:\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>AMB 2012, 46, 82 Antiandrogene Therapie des Prostatakarzinoms: ist weniger besser? 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