{"id":380,"date":"1997-05-01T12:05:00","date_gmt":"1997-05-01T10:05:00","guid":{"rendered":"https:\/\/der-arzneimittelbrief.com\/artikel\/1997\/was-kosten-unerwuenschte-arzneimittelwirkungen"},"modified":"1997-05-01T12:05:00","modified_gmt":"1997-05-01T10:05:00","slug":"was-kosten-unerwuenschte-arzneimittelwirkungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/nachrichten\/was-kosten-unerwuenschte-arzneimittelwirkungen\/","title":{"rendered":"Was kosten unerw\u00fcnschte Arzneimittelwirkungen?"},"content":{"rendered":"<p>Die Kosten f\u00fcr Medikamenten-bedingte Morbidit\u00e4t und Letalit\u00e4t werden in den USA auf j\u00e4hrlich 80 bis 130 Mrd. US$ gesch\u00e4tzt. Weiterhin wird davon ausgegangen, da\u00df unerw\u00fcnschte Arzneimittelwirkungen (UAW) dort j\u00e4hrlich f\u00fcr 140000 Todesf\u00e4lle mitverantwortlich sind. Nach \u00e4lteren US-Statistiken leiden bis zu 30% aller Krankenhaus-Patienten an UAW, und zwischen 3 und 28% der Krankenhausaufnahmen haben urs\u00e4chlich mit UAW zu tun.<\/p>\n<p>Eine Arbeitsgruppe aus Salt Lake City\/Utah hat die Epidemiologie, die Komplikationen und die Folgekosten von UAW an ihrem 520-Betten-Krankenhaus untersucht (Classen, D.C., et al., JAMA <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=9002492&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1997, <B>277<\/B>, 301<\/a>). 1989 wurde in diesem Krankenhaus auf der Basis einer elektronischen Patientenakte ein Informationssystem zur Erfassung von UAW installiert. Diese Datenbank wird aus verschiedenen Quellen gespeist: Apotheke, Labor, behandelnde \u00c4rzte und Pflegekr\u00e4fte auf den Stationen und Notaufnahme. Ein vermuteter Zusammenhang zwischen Symptom und Medikation wird von dem Beobachter in die Datenbank eingegeben. Ein Pharmakologe und der behandelnde Arzt \u00fcberpr\u00fcfen die Eintragung auf ihre Plausibilit\u00e4t und kategorisieren sie nach Schwere, Kausalit\u00e4t und nach einer m\u00f6glichen allergischen Reaktion. Aus der Datenbank werden wiederum zur Verbesserung der Verordnungssicherheit und -qualit\u00e4t Algorithmen und Warnhinweise in die Patientenakte \u00fcbertragen.<\/p>\n<p>Von 91474 aufgenommenen Patienten in vier Kalenderjahren wurde bei 2227 eine UAW diagnostiziert, was einer Rate von 2,4% entspricht. 50% dieser UAW w\u00e4ren vermeidbar gewesen, da eine \u00dcberdosierung (42%), eine Wechselwirkung (4,2%) oder eine bekannte Allergie des Patienten gegen die verordnete Substanz (1,5%) vorlag.<\/p>\n<p>Die mittlere Dauer von der Aufnahme bis zur Entwicklung der UAW betrug 3,6 Tage. Bis zum Eintritt der UAW wurden den betroffenen Patienten im Durchschnitt 16,9 verschiedene Medikamente verabreicht. 28% der Patienten der UAW waren lntensivpatienten. Die h\u00e4ufigsten urs\u00e4chlichen Medikamente sind Analgetika und Antibiotika (Morphin, Codein-Derivate, Meperidin, Digoxin, Imipenem, Cefazolin, Vancomycin, Warfarin). Die wichtigsten Symptome waren Hautjucken, \u00dcbelkeit\/Erbrechen, Schwindel, Fieber, Nierenversagen, Verwirrtheit, Arrhythmien. Die UAW wurden in 2% der F\u00e4lle als mild, bei 92% als moderat und in 6% als schwer eingestuft.<\/p>\n<p>In die anschlie\u00dfend retrospektiv durchgef\u00fchrte Fall-Kontroll-Studie wurden insgesamt 1580 Patienten mit gesicherten UAW eingeschlossen und mit gepaarten Kontrollen (n = 20197) aus demselben Krankenhaus verglichen. F\u00fcr 647 F\u00e4lle konnten wegen der Komplexit\u00e4t und Schwere ihrer Erkrankung keine vergleichbaren Kontrollen gepaart werden. Neben den demographischen Daten wurde bei der Auswahl der Kontroll-Patienten besonders auf eine vergleichbare Pflegekategorie geachtet, da diese stark mit der Liegedauer, den Behandlungskosten und der Sterblichkeit im Krankenhaus korreliert.<\/p>\n<p>Die Letalit\u00e4t betrug in der Fall-Gruppe 3,5%, in der Kontroll-Gruppe 1% (RR = 1,88), die mittlere Liegedauer 7,7 Tage in der Fall-Gruppe und 4,4 Tage in der Kontroll-Gruppe. Die mittleren Behandlungskosten betrugen in der Fall-Gruppe 10010 $ und in der Kontroll-Gruppe 5355 $.<\/p>\n<p>Insgesamt waren die UAW f\u00fcr 3874 zus\u00e4tzliche Krankenhaustage und 4,48 Mio. $ Mehrkosten verantwortlich. Am billigsten ist Hautjucken mit 18 h l\u00e4ngerer Liegezeit und 677 $<B> <\/B>Mehrkosten und \u00dcbelkeit\/Erbrechen mit 1,3 Tagen l\u00e4ngerer Liegezeit und 1712 $ Mehrkosten. Teurer sind Durchf\u00e4lle mit 4,4 Tagen l\u00e4ngerer Liegedauer und 4631 $ Mehrkosten sowie Arrhythmien mit 3,9 Tagen respektive 4410 $. Besonders kostspielig sind Blutungen (4,9 Tage\/6700 $) und Fieber (5,5 Tage\/9022 $).<\/p>\n<p>Die Autoren folgern, da\u00df bei 50% vermeidbaren UAW viel Schaden vermieden und Kosten gespart werden k\u00f6nnten. Voraussetzung hierf\u00fcr ist ein einfaches, unb\u00fcrokratisches, computergest\u00fctztes Meldesystem, welches bidirektional arbeitet, also die behandelnden \u00c4rzte vor \u00dcberdosierungen, Wechselwirkungen oder Allergien warnt. Eine Rate von 2,4% UAW ist \u00fcberraschend gering und wird von den Autoren durch das in die elektronische Krankenakte integrierte Kontrollsystem erkl\u00e4rt. In anderen Studien wurden h\u00f6here Quoten (6,5%) ermittelt. Die genannten Zahlen sind vom verwendeten Detektionssystem und besonders von Schulung und Aufmerksamkeit der Mitarbeiter abh\u00e4ngig. Es wird gesch\u00e4tzt, da\u00df nur 5% aller UAW im Krankenhaus \u00fcberhaupt bemerkt werden. Das traditionell \u00e4u\u00dferst zeitintensive Meldesystem f\u00f6rdert die Ignoranz. Daher sind neue unkomplizierte Meldewege und eine regelm\u00e4\u00dfige Schulung aller Mitarbeiter im Krankenhaus notwendig. Informationssysteme mit elektronischer Datenverarbeitung und elektronische Krankenakten werden jetzt auch in deutschen Krankenh\u00e4usern installiert. Sie k\u00f6nnen ein wichtiges Element der Qualit\u00e4tssicherung werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Kosten f\u00fcr Medikamenten-bedingte Morbidit\u00e4t und Letalit\u00e4t werden in den USA auf j\u00e4hrlich 80 bis 130 Mrd. US$ gesch\u00e4tzt. Weiterhin wird davon ausgegangen, da\u00df unerw\u00fcnschte Arzneimittelwirkungen (UAW) dort j\u00e4hrlich f\u00fcr 140000 Todesf\u00e4lle mitverantwortlich sind. 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