{"id":387,"date":"1997-06-01T12:04:00","date_gmt":"1997-06-01T10:04:00","guid":{"rendered":"https:\/\/der-arzneimittelbrief.com\/artikel\/1997\/vermarktung-von-medikamenten-durch-versandhandel-und-internet"},"modified":"1997-06-01T12:04:00","modified_gmt":"1997-06-01T10:04:00","slug":"vermarktung-von-medikamenten-durch-versandhandel-und-internet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/nachrichten\/vermarktung-von-medikamenten-durch-versandhandel-und-internet\/","title":{"rendered":"Vermarktung von Medikamenten durch Versandhandel und Internet"},"content":{"rendered":"<p>Der ARZNEIMITTELBRIEF wurde k\u00fcrzlich darauf aufmerksam gemacht, da\u00df Dehydroepiandrosteron (DHEA, Prasteron) aus den USA \u00fcber Internet bezogen werden kann. Die Anforderung einer entsprechenden DHEA-info page erbrachte das Angebot von drei Pr\u00e4paraten, deren neuestes angeblich zu 99,9% rein sein soll. Drei\u00dfig Tabletten \u00e0 25 mg kosten ca. 7 US$ plus Versand. Beigef\u00fcgt war ein relativ flapsig abgefa\u00dfter Artikel aus Newsweek, der allerdings nicht ausdr\u00fccklich empfiehlt, DHEA zu nehmen.<\/p>\n<p>Eine Anfrage beim Bundesinstitut f\u00fcr Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) ergab, da\u00df man dem Ph\u00e4nomen der Vermarktung von Medikamenten \u00fcber das Internet gegen\u00fcber zur Zeit ziemlich ratlos ist. Obwohl der Bezug von Arzneimitteln au\u00dfer \u00fcber Apotheken nicht zul\u00e4ssig ist, gibt es zur Zeit kaum wirksame Mittel, die Bestellung und die Entgegennahme von derart bestellten Medikamenten zu verhindern. Zoll und Polizei w\u00e4ren mit einer solchen Aufgabe \u00fcberfordert. Die Arzneimittelkommission der Deutschen \u00c4rzteschaft und der Apotheker und auch das BfArM warnen jedoch ganz entschieden vor dem Bezug von Medikamenten \u00fcber Internet und \u00e4hnliche Quellen. In Deutschland zugelassene Medikamente k\u00f6nnen \u00fcber jede Apotheke bezogen werden. In einem anderen europ\u00e4ischen Land, aber nicht in Deutschland zugelassene Medikamente k\u00f6nnen nach Verschreibung durch den Arzt leicht \u00fcber internationale Apotheken bezogen werden.<\/p>\n<p>Eine andere Art des Versandhandels mit Medikamenten wurde k\u00fcrzlich im Deutschen \u00c4rzteblatt (1997, <B>94<\/B>, B-940) diskutiert und kritisiert. In Deutschland ist der Versandhandel mit Medikamenten unter Umgehung von Apotheken nicht erlaubt. In den USA und in Gro\u00dfbritannien ist er jedoch legal, und im Raum der EG existieren keine verbindlichen Regeln. Die britische Firma Express Medical Services (EMS) hat 1995 in Deutschland eine Filiale gegr\u00fcndet. Zun\u00e4chst wurden nur orale Kontrazeptiva angeboten. Geworben wurde in erster Linie durch Anschreiben an Gyn\u00e4kologen, die auf die erheblich verbilligte Bezugsm\u00f6glichkeit oraler Kontrazeptiva (50 bis 60% unter deutschem Apothekenpreis) hingewiesen wurden. Den Gyn\u00e4kologen wurde pro Verschreibung eine Gutschrift von 5 DM angeboten. Eine solche Werbung ist in Deutschland sicher illegal, auch der Hinweis von seiten des Arztes auf eine bestimmte Apotheke, bei der Arznei- oder Heilmitttel eingekauft werden sollen. Von dem Versandhandel \u00fcber Internet unterscheidet sich diese Form des Medikamentenbezugs allerdings dadurch, da\u00df der Arzt ein Rezept ausstellt, das der Firma EMS zugestellt wird, worauf sie dem Patienten das Medikament zuschickt. Obwohl die Rezeptsammelstelle des Unternehmens EMS in Hamburg aufgrund der Klage eines deutschen Pharmaherstellers und -importeurs geschlossen werden mu\u00dfte, scheint das Gesch\u00e4ft der Firma EMS immer noch zu florieren. Die Internationalisierung des Arzneimittelmarktes ist also in vollem Gange. Obwohl wir nat\u00fcrlich den Bezug von Arzneimitteln auf dem regul\u00e4ren Weg \u00fcber Apotheken empfehlen, ist die kostensenkende Zustellung von rezeptierten Marken-Medikamenten vom Gro\u00dfhandel direkt an den Patienten ein Weg, der weniger bedenklich erscheint als der unkontrollierte Bezug von Medikamenten \u00fcber das Internet. Je mehr die Verbraucher selbst f\u00fcr die Medikamente bezahlen m\u00fcssen und je st\u00e4rker die Arzneimittelbudgets der Krankenkassen sinken, um so h\u00e4ufiger wird dieser Weg begangen werden, vor allem, wenn die pflichtgem\u00e4\u00dfe Zuzahlung h\u00f6her ist als der Preis der Medikamente. Auf die Apotheken, wie auch auf die \u00c4rzte, kommen harte Zeiten zu.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der ARZNEIMITTELBRIEF wurde k\u00fcrzlich darauf aufmerksam gemacht, da\u00df Dehydroepiandrosteron (DHEA, Prasteron) aus den USA \u00fcber Internet bezogen werden kann. Die Anforderung einer entsprechenden DHEA-info page erbrachte das Angebot von drei Pr\u00e4paraten, deren neuestes angeblich zu 99,9% rein sein soll. Drei\u00dfig Tabletten \u00e0 25 mg kosten ca. 7 US$ plus Versand. 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