{"id":39999,"date":"1997-11-01T12:06:00","date_gmt":"1997-11-01T11:06:00","guid":{"rendered":"https:\/\/der-arzneimittelbrief.com\/artikel\/1997\/allogene-blutstammzell-transplantation-konsequenzen-fuer-den-spender"},"modified":"1997-11-01T12:06:00","modified_gmt":"1997-11-01T11:06:00","slug":"allogene-blutstammzell-transplantation-konsequenzen-fuer-den-spender","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/nachrichten\/allogene-blutstammzell-transplantation-konsequenzen-fuer-den-spender\/","title":{"rendered":"Allogene Blutstammzell-Transplantation: Konsequenzen f\u00fcr den Spender"},"content":{"rendered":"<p>Aufgrund des zunehmenden Einsatzes von Zytokin-mobilisierten allogen peripheren Blutstammzellen (PBSC) als Alternative zur allogenen Knochenmarktransplantation m\u00fcssen die Risiken f\u00fcr den Spender, die mit diesem Verfahren verbunden sind, sorgf\u00e4ltig untersucht werden. Hierzu z\u00e4hlen u.a. Nebenwirkungen der zur Mobilisierung der PBSC verwendeten Zytokine, meistens rekombinanter humaner Granulozyten-Kolonien-stimulierender Faktor (rhG-CSF), Auswirkungen der PBSC-Apherese sowie m\u00f6gliche Sp\u00e4tkomplikationen. Bisher vorliegende Ergebnisse zu diesen Fragen wurden anl\u00e4\u00dflich eines &#8222;Ad-hoc&#8220;-Workshops Ende 1996 diskutiert, an dem Vertreter von mehr als 40 Transplantationszentren teilnahmen. Die wesentlichen Empfehlungen dieses Workshops wurden jetzt in einem Editorial der Zeitschrift Blood zusammengefa\u00dft (Anderlini, P., et al.: Blood <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=9242518&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1997, <B>90<\/B>, 903<\/a>).<\/p>\n<p>Die zur Mobilisierung von PBSC verwendeten Dosen von rhG-CSF variieren zwischen 2-3 bis zu 24 \u00b5g\/kg\/d, wobei heute meistens eine Dosis von 10 \u00b5g\/kg\/d verwendet wird. Die unter dieser Dosis am h\u00e4ufigsten auftretenden Nebenwirkungen sind Knochen- und Kopfschmerzen, M\u00fcdigkeit und \u00dcbelkeit. Andere Nebenwirkungen wie nicht-kardial bedingter Brustschmerz, Schlaflosigkeit, Nachtschwei\u00df, Fl\u00fcssigkeitsretention und Schwindelanf\u00e4lle sind selten. Diese Nebenwirkungen sind zumindest teilweise dosisabh\u00e4ngig und verschwinden innerhalb weniger Tage nach Absetzen von rhG-CSF. Durch Gabe von rhG-CSF kommt es h\u00e4ufig zu einer Erh\u00f6hung der alkalischen Phosphatase und Laktatdehydrogenase auf das Zwei- bis Dreifache der Normalwerte sowie seltener zu einer Abnahme der Serum-Elektrolytkonzentrationen. Zahlreiche Untersuchungen haben inzwischen gezeigt, da\u00df sich nach Stimulation mit rhG-CSF die Kinetik des Anstiegs der Granulozyten und der h\u00e4matopoetischen Progenitorzellen (charakterisiert anhand der Expression von CD34) unterscheiden. W\u00e4hrend eine Leukozytose \u00fcblicherweise innerhalb von vier bis sechs Stunden nach Gabe von rhG-CSF auftritt, findet sich ein deutlicher Anstieg der zirkulierenden CD34-positiven Progenitorzellen erst nach drei Tagen und ein Peak in der Regel erst nach f\u00fcnf bis sechs Tagen Verabreichung von rhG-CSF Die meisten Transplantationszentren empfehlen bei deutlicher Leukozytose eine Dosisreduktion des rhG-CSF um exzessive Leukozyten (willk\u00fcrlich definiert als Leukozytenzahl > 70 mal 10<sub>9<\/sub>\/l) zu vermeiden. Obwohl die Eliminationshalbwertzeit von rhG-CSF nach s.c. oder i.v. Verabreichung nur drei bis vier Stunden betr\u00e4gt, ist aufgrund der deutlich l\u00e4ngeren biologischen Halbwertzeit dieses Zytokins eine einmalige Gabe pro Tag ausreichend. Die Gewinnung der PBSC erfolgt mittels Apherese, wobei das Zweifache, u.U. sogar das Drei- bis Sechsfache des Spenderblutvolumens bearbeitet und 3- bis 5mal 10<sub>8<\/sub> kernhaltige Zellen pro kg K\u00f6rpergewicht des Spenders gesammelt werden. Nach Stammzellgewinnung wird gelegentlich eine vor\u00fcbergehende, meistens asymptomatische Zytopenie beim Spender beobachtet, von der neutrophile Granulozyten, Lymphozyten, aber auch Thrombozyten betroffen sein k\u00f6nnen und die, zumindest teilweise, durch die Leukapherese ausgel\u00f6st wird. Bei Spendern, deren Thrombozytenwerte nach Apherese < 80-100 mal 10<sub>9<\/sub>\/l betragen, sollte eine Reinfusion des anl\u00e4\u00dflich der Apherese gewonnenen pl\u00e4ttchenreichen Plasmas erwogen werden. Grunds\u00e4tzlich gelten f\u00fcr die Gewinnung von PBSC von normalen Spendern dieselben Auswahlkriterien wie f\u00fcr die Thrombozytenapherese, wobei jedoch auch p\u00e4diatrische Spender in Frage kommen. Eine Festlegung der definitiven Kontraindikationen f\u00fcr die Mobilisierung und Apherese von PBSC ist aufgrund der noch begrenzten Erfahrungen mit diesem Verfahren derzeit nicht m\u00f6glich. Relative Kontraindikationen betreffen in erster Linie das Vorliegen entz\u00fcndlicher Erkrankungen bzw. von Autoimmunopathien mit vorwiegend entz\u00fcndlicher Komponente sowie vorausgegangene mit Chemo-\/Radiotherapie behandelte maligne Erkrankungen des Spenders. Da die Einfl\u00fcsse von rhG-CSF auf die H\u00e4mostase (Verst\u00e4rkung der Pl\u00e4ttchenaggregation und -aktivit\u00e4t?) nicht endg\u00fcltig beurteilt werden k\u00f6nnen, sollte bei Spendern mit vorausgegangener ven\u00f6ser Thrombose oder bei bekannten bzw. vermuteten arteriosklerotischen Gef\u00e4\u00dfver\u00e4nderungen die Gabe des Zytokins zur Mobilisierung von PBSC kritisch \u00fcberdacht werden. Die langfristigen Auswirkungen der Mobilisierung und Apherese von PBSC f\u00fcr den Spender sind unklar, und es wurde deshalb anl\u00e4\u00dflich des obengenannten Workshops die Einrichtung eines PBSC-Spenderregisters angeregt, um sp\u00e4t auftretende Nebenwirkungen, insbesondere der rhG-CSF-Gabe, prospektiv zu erfassen. Berichte \u00fcber Langzeitwirkungen von rhG-CSF (u.a. erh\u00f6hte Inzidenz an Leuk\u00e4mien) bei Patienten mit schwerer kongenitaler Neutropenie und aplastischer An\u00e4mie sind f\u00fcr normale Spender von PBSC vermutlich nicht relevant, da bei den genannten Erkrankungen, auch ohne Therapie mit rhG-CSF geh\u00e4uft akute Leuk\u00e4mien auftreten. Hinweise, da\u00df rhG-CSF bei h\u00e4matologisch gesunden Individuen Leuk\u00e4mien ausl\u00f6sen, liegen bisher nicht vor.<\/p>\n<p><B>Fazit:<\/B> Die akut auftretenden Nebenwirkungen der Mobilisierung und Apherese von peripheren Blutstammzellen sind f\u00fcr den Spender akzeptabel, m\u00fcssen jedoch weiter gr\u00fcndlich untersucht werden. Hinsichtlich der Sp\u00e4tkomplikationen dieses Verfahrens liegen bisher nur wenige Daten vor, so da\u00df deren sorgf\u00e4ltige Erfassung durch Transplantationszentren bzw. Spenderregister unbedingt erforderlich ist. Offene Fragen, auf die anl\u00e4\u00dflich des o.g. Workshops hingewiesen wurde, betreffen u.a. die optimale Dosis des rhG-CSF f\u00fcr die Mobilisierung, die Definition von Kontraindikationen f\u00fcr die Gabe von rhG-CSF, den Einsatz von rhG-CSF bei nicht verwandten Spendern und Art bzw. H\u00e4ufigkeit von Sp\u00e4tkomplikationen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aufgrund des zunehmenden Einsatzes von Zytokin-mobilisierten allogen peripheren Blutstammzellen (PBSC) als Alternative zur allogenen Knochenmarktransplantation m\u00fcssen die Risiken f\u00fcr den Spender, die mit diesem Verfahren verbunden sind, sorgf\u00e4ltig untersucht werden. Hierzu z\u00e4hlen u.a. Nebenwirkungen der zur Mobilisierung der PBSC verwendeten Zytokine, meistens rekombinanter humaner Granulozyten-Kolonien-stimulierender Faktor (rhG-CSF), Auswirkungen der PBSC-Apherese sowie m\u00f6gliche Sp\u00e4tkomplikationen. 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