{"id":40031,"date":"1998-02-01T12:00:00","date_gmt":"1998-02-01T11:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/der-arzneimittelbrief.com\/artikel\/1998\/pathogenetische-bedeutung-von-oestradiol-und-progesteron-beim-praemenstruellen-syndrom"},"modified":"1998-02-01T12:00:00","modified_gmt":"1998-02-01T11:00:00","slug":"pathogenetische-bedeutung-von-oestradiol-und-progesteron-beim-praemenstruellen-syndrom","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/nachrichten\/pathogenetische-bedeutung-von-oestradiol-und-progesteron-beim-praemenstruellen-syndrom\/","title":{"rendered":"Pathogenetische Bedeutung von \u00d6stradiol und Progesteron beim Pr\u00e4menstruellen Syndrom"},"content":{"rendered":"<p>Viele Frauen leiden in unterschiedlichem Ma\u00dfe einige Tage vor der Menstruation unter Stimmungsschwankungen und unter somatischen Symptomen wie Brustschmerz, Bl\u00e4hbauch, extrem gesteigertem Appetit usw. Dieser Symptomenkomplex wird &#8222;Pr\u00e4menstruelles Syndrom&#8220; (PMS) genannt (s.a. AMB 1993, <B>27<\/B>, 7 u. 72). Die Ursache ist unklar. Der im Blut gemessene zyklische Verlauf der Konzentrationen von Gonadotropinen, \u00d6stradiol und Progesteron ist bei Frauen mit PMS nicht anders als bei Frauen ohne diese Beschwerden. Zumindest die vermehrte Irritabilit\u00e4t und Depressionsneigung k\u00f6nnte dadurch bedingt sein, da\u00df Progesteron als lipophiles Hormon sehr leicht in das Gehirn eindringt, dort metabolisiert wird und an GABA-Rezeptoren binden kann, wo es \u00e4hnlich wie Benzodiazepine zur Sedation und Beruhigung f\u00fchrt. Der pl\u00f6tzliche Progesteron-Abfall wenige Tage vor der Menstruation k\u00f6nnte Symptome \u00e4hnlich wie ein Benzodiazepin-Entzug ausl\u00f6sen, wobei dies jedoch offenbar von Frauen mit und ohne PMS sehr unterschiedlich empfunden wird. Seit einigen Jahren ist bekannt, da\u00df sogenannte Gonadotropin-Releasing-Hormon(GnRH)-Agonisten, die durch Dauerstimulation der Hypophyse zu einem Abfall der Gonadotropine und zur Anovulation f\u00fchren, die Symptome eines PMS wesentlich bessern. Aus diesem Befund kann aber noch nicht abgeleitet werden, da\u00df es die Sexualhormone selbst sind, welche die Symptome des PMS verursachen, da GnRH auch auf andere Funktionen des Gehirns und der K\u00f6rperperipherie einwirken k\u00f6nnte. P.J. Schmidt et al. vom National Institute of Health (USA) berichten im N. Engl. J. Med. (<a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=9435325&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1998, <B>338<\/B>, 209<\/a>) \u00fcber eine Studie, in der Frauen mit PMS (Ermittlung des Schweregrades \u00fcber eine sogenannte Analog-Beschwerdeskala) und Frauen ohne PMS zun\u00e4chst 3 Monate lang mit dem GnRH-Agonisten Leuprolid-Azetat oder mit Plazebo behandelt wurden. Das Befinden der gesunden Frauen \u00e4nderte sich hierdurch nicht. Bei Frauen mit PMS nahm das Beschwerdebild deutlich und hochsignifikant ab. Im Anschlu\u00df daran erhielten beide Gruppen f\u00fcr die n\u00e4chsten Zyklen weiterhin Leuprolid (zur Ovulationssuppression) und zus\u00e4tzlich entweder \u00d6stradiol-Pflaster oder Progesteron-Z\u00e4pfchen f\u00fcr jeweils 4 bis 5 Wochen. Die Plasma-\u00d6stradiol- bzw. Progesteron-Spiegel, die hierdurch erzeugt wurden, entsprachen etwa denen von Frauen mit einem spontanen Zyklus.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend sich bei den gesunden Frauen an ihrem Befinden nichts \u00e4nderte, kam es sowohl nach Gabe von \u00d6stradiol (plus Leuprolid) als auch von Progesteron (plus Leuprolid) zu einer deutlichen Zunahme der PMS-Symptome mit einem Maximum in der zweiten bis dritten Therapiewoche. Diese Befunde sprechen dagegen, da\u00df es allein die Effekte von Progesteron bzw. seiner Metabolite auf das Gehirn sind, die die psychischen Symptome ausl\u00f6sen. \u00d6stradiol scheint eine gleichwertige Rolle zu spielen. Der Befund erkl\u00e4rt auch, warum eine Anovulation, die durch einen GnRH-Agonisten erzielt wird (mit niedrigen \u00d6stradiol- und Progesteron-Konzentrationen), zur Beschwerdebesserung f\u00fchrt, w\u00e4hrend orale Kontrazeptiva (Ovulationsunterdr\u00fcckung durch hohe exogene \u00d6strogene und Gestagene) keine geeignete Therapie f\u00fcr das PMS ist (s.a. Editorial von J.F. Mortola: N. Engl. J. Med. <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=9435333&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1998, <B>338<\/B>, 256<\/a>).<\/p>\n<p><B>Fazit:<\/B> Die Symptome des Pr\u00e4menstruellen Syndroms sind eine abnorme Reaktion auf normale hormonelle Ver\u00e4nderungen im Menstruationszyklus. Es mu\u00df hinzugef\u00fcgt werden, da\u00df diese teure Therapie mit GnRH-Agonisten nur in sehr schweren F\u00e4llen indiziert ist und langfristig negative Wirkungen haben kann, da das prolongierte \u00d6stradiol-Defizit zur Osteoporose und anderen unerw\u00fcnschten metabolischen Wirkungen f\u00fchren kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Viele Frauen leiden in unterschiedlichem Ma\u00dfe einige Tage vor der Menstruation unter Stimmungsschwankungen und unter somatischen Symptomen wie Brustschmerz, Bl\u00e4hbauch, extrem gesteigertem Appetit usw. 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