{"id":40039,"date":"1998-02-01T12:06:00","date_gmt":"1998-02-01T11:06:00","guid":{"rendered":"https:\/\/der-arzneimittelbrief.com\/artikel\/1998\/rezidivprophylaxe-beim-m-crohn-mit-5-aminosalizylsaeure-praeparaten-eine-metaanalyse"},"modified":"1998-02-01T12:06:00","modified_gmt":"1998-02-01T11:06:00","slug":"rezidivprophylaxe-beim-m-crohn-mit-5-aminosalizylsaeure-praeparaten-eine-metaanalyse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/nachrichten\/rezidivprophylaxe-beim-m-crohn-mit-5-aminosalizylsaeure-praeparaten-eine-metaanalyse\/","title":{"rendered":"Rezidivprophylaxe beim M. Crohn mit 5-Aminosalizyls\u00e4ure-Pr\u00e4paraten -eine Metaanalyse"},"content":{"rendered":"<p>In der Betreuung von Patienten mit M. Crohn ist das Rezidiv ein h\u00e4ufiges Problem. Die H\u00e4ufigkeit klinisch relevanter Rezidive innerhalb von zwei Jahren nach \u00dcberwinden des akuten Schubes betr\u00e4gt ca. 50% bis 70%. Ziel einer remissionserhaltenden Therapie ist somit die Senkung dieses Risikos. Verschiedene Studien zur Remissionserhaltung nach konservativer Therapie oder Operation hatten deutlich unterschiedliche Ergebnisse, was u.a. durch die verschiedenen Definitionen der Remissionsphase bzw. des Rezidivs und durch unterschiedliche diagnostische Verfahren begr\u00fcndet ist. Fa\u00dft man die verschiedenen Studien zur Remissionserhaltung mit 5-Aminosalizyls\u00e4ure (5-ASA, Mesalazin) in einer Metaanalyse zusammen (Am. J. Gastroenterol. 1994, <B>89<\/B>, 692), senkt die Behandlung mit 5-ASA das Rezidivrisiko innerhalb von zwei Jahren um ca. 20% bis 25%. Dies bedeutet, da\u00df von f\u00fcnf Patienten mit M. Crohn ein Patient von der Rezidivprophylaxe profitiert. Vor diesem Hintergrund hat eine Konsensuskonferenz der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (Z. Gastroenterologie 1997, <B>35<\/B>, 541) die Rezidivprophylaxe zwar generell bef\u00fcrwortet; eine Charakterisierung der Patienten, die mit h\u00f6herer Wahrscheinlichkeit von einer Rezidivprophylaxe profitieren, war aufgrund der Datenlage jedoch nicht m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund verdient die neueste Metaanalyse zur Rezidivprophylaxe beim M. Crohn Beachtung (Gastroenterology 1997, <B>113<\/B>, 1465). In diese Metaanalyse wurden von 185 Studien 15 kontrolliert-randomisierte Therapiestudien aufgenommen. Darin wurde das klinisch relevante Rezidiv als ein Wiederanstieg des M. Crohn-Aktivit\u00e4ts-Index auf \u00fcber 150 Punkte bzw. als ein Anstieg um 60 bis 100 Punkte \u00fcber den Ausgangswert verstanden. In die Metaanalyse gingen Studien ein, in denen mikroverkapselte 5-ASA-Pr\u00e4parate bzw. Pr\u00e4parate verwendet wurden, die den Wirkstoff pH-abh\u00e4ngig freisetzen. 5-ASA wurde in Dosierungen von 1 bis 4 g\/d eingesetzt. Die Remission konnte durch konservative Verfahren (10 Studien), chirurgische Strategien (3 Studien) und kombinierte Verfahren (medikament\u00f6s und chirurgisch, 2 Studien) erreicht werden. Die Nachbeobachtungsphase reichte von 4 bis 48 Monate. Der Anteil der Patienten mit Ileumbefall variierte von 12% bis 65% (65% entspricht einem selektionierten Patientenkollektiv!). Schon diese Angaben machen die gro\u00dfe Heterogenit\u00e4t der verschiedenen Studien und des in die Auswertung eingegangenen Kollektivs von 2097 Patienten deutlich.<\/p>\n<p>Als Ergebnis konnten die Autoren herausarbeiten, da\u00df 5-ASA zwar statistisch signifikant die Rezidivrate senkt (-6,3%; 95%-Vertrauensintervall: -10,4% bis -2,1%); der klinische Wert ist aber eher gering. So sinkt das Risiko eines symptomatischen Rezidivs nach medikament\u00f6s-induzierter Remission um 4,7%, nach chirurgisch induzierter Remission um 13,1%. Das Risiko eines Rezidivs wird durch eine Therapie mit 5-ASA, insbesondere bei Patienten mit isoliertem Ileumbefall, Zustand nach chirurgisch induzierter Remission und langer Krankheitsdauer, gesenkt. Diese Beobachtungen erkl\u00e4ren sich auch aus der Pharmakokinetik der Pr\u00e4parate, die im Ileum bzw. Ileoz\u00f6kalbereich die h\u00f6chsten luminalen Wirkkonzentrationen erreichen. Der g\u00fcnstige Effekt bei Patienten, bei denen chirurgisch eine Remission erreicht wurde, ist allerdings nur durch vier Studien abgesichert. Die Nebenwirkungsrate der 5-ASA-Medikation ist mit 13,7% (Kontrollgruppe: 14,9%) niedrig; die Rezidivprophylaxe ist also gut vertr\u00e4glich. Leider wurde keine Differenzierung nach unterschiedlichen 5-ASA-Dosierungen durchgef\u00fchrt, da nur in zwei Studien weniger als 2 g\/d eingesetzt wurden. In Analogie zur Akuttherapie scheinen h\u00f6here Dosen (3-4 g\/d) auch bei der Rezidivprophylaxe sinnvoll zu sein. Damit erh\u00f6hen sich aber die Tagestherapiekosten.<\/p>\n<p><B>Fazit:<\/B> Eine Rezidivprophylaxe des M. Crohn mit 5-ASA ist bei Patienten mit Ileumbefall (Ileitis terminalis) und chirurgisch induzierter Remission wirksam. Dies ist jedoch nur eine kleine Subgruppe der Patienten mit M. Crohn. Ob die \u00fcbrigen Patienten von einer h\u00f6her dosierten 5-ASA-Rezidivprophylaxe profitieren, mu\u00df durch weitere Studien gekl\u00e4rt werden.<\/p>\n<p><B>Literatur<\/p>\n<p><\/B>1. Messon, A., et al.: Am. J. Gastroenterol. <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=8172139&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1994, <B>89<\/B>, 692<\/a>.<br \/>2. Stange, E.F., et al.: Z. Gastroenterologie <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=9340931&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1997, <B>35<\/B>, 541<\/a>.<br \/>3. Cologero, C., et al.: Gastroenterology <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=9352848&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1997, <B>113<\/B>, 1465<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Betreuung von Patienten mit M. Crohn ist das Rezidiv ein h\u00e4ufiges Problem. Die H\u00e4ufigkeit klinisch relevanter Rezidive innerhalb von zwei Jahren nach \u00dcberwinden des akuten Schubes betr\u00e4gt ca. 50% bis 70%. Ziel einer remissionserhaltenden Therapie ist somit die Senkung dieses Risikos. 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