{"id":40056,"date":"1998-07-01T12:03:00","date_gmt":"1998-07-01T10:03:00","guid":{"rendered":"https:\/\/der-arzneimittelbrief.com\/artikel\/1998\/erythropoietin-zur-behandlung-der-durch-chemotherapie-induzierten-anaemie-bei-patienten-mit-soliden-tumoren"},"modified":"1998-07-01T12:03:00","modified_gmt":"1998-07-01T10:03:00","slug":"erythropoietin-zur-behandlung-der-durch-chemotherapie-induzierten-anaemie-bei-patienten-mit-soliden-tumoren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/nachrichten\/erythropoietin-zur-behandlung-der-durch-chemotherapie-induzierten-anaemie-bei-patienten-mit-soliden-tumoren\/","title":{"rendered":"Erythropoietin zur Behandlung der durch Chemotherapie induzierten An\u00e4mie bei Patienten mit soliden Tumoren"},"content":{"rendered":"<p>Bei Tumorerkrankungen kommt es h\u00e4ufig zu einer normochromen, normozyt\u00e4ren An\u00e4mie (s. AMB 1990, <B>24<\/B>, 60), deren Ausma\u00df durch eine Chemotherapie, insbesondere mit platinhaltigen Substanzen, verst\u00e4rkt werden kann. Verschiedene Studien haben gezeigt, da\u00df nach Gabe von rekombinantem Erythropoietin (rhEPO) bei Patienten, die wegen solider Tumoren platinhaltige Schemata erhielten, der H\u00e4matokritanstieg anstieg und der Transfusionsbedarf abnahmen. Neben den Anwendungsgebieten renale An\u00e4mie und Unterst\u00fctzung der autologen Blutgewinnung ist rhEPO deshalb auch zur Behandlung der An\u00e4mie bei Krebspatienten, die eine platinhaltige Chemotherapie erhalten, zugelassen (vgl. AMB 1996, <B>30<\/B>, 46). Eine k\u00fcrzlich publizierte europ\u00e4ische multizentrische randomisierte Phase-lll-Studie versuchte, die Wirksamkeit von rhEPO bei Patienten mit soliden Tumoren zu best\u00e4tigen (Oberhoff, C., et al.: Ann. Oncol. <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=9602258&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1998, <B>9<\/B>, 255<\/a>). Die Studie wurde von Boehringer Mannheim, dem Hersteller des in dieser Studie verwendeten Pr\u00e4parates Epoetin beta (Recormon), finanziell unterst\u00fctzt. Eingeschlossen wurden insgesamt 227 Patientinnen und Patienten (= 18 Jahre), die wegen solider Tumoren (vorwiegend gyn\u00e4kologische Tumoren, Mamma-, Bronchialkarzinom) eine Chemotherapie erhielten und deren H\u00e4moglobinkonzentration vor der ersten Gabe von rhEPO = 11 g\/dl betrug bzw. = 13,5 g\/dl war und w\u00e4hrend des vorausgegangenen Chemotherapiezyklus mindestens um 1,5 g\/dl abgefallen war. Alle Patienten mu\u00dften zuvor zumindest eine Bluttransfusion erhalten haben. W\u00e4hrend der kontrollierten Behandlungsphase (Dauer 12 Wochen) erhielten die Patienten entweder 5000 IU Epoetin beta s.c. t\u00e4glich oder kein rhEPO (Kontroll-Gruppe). Von den 227 randomisierten Patienten beendeten nur 137 aufgrund von z.B. Tumorprogre\u00df, Abbruch der Chemotherapie und pers\u00f6nlicher Gr\u00fcnde die kontrollierte Behandlungsphase. Die mit rhEPO behandelten Patienten ben\u00f6tigten signifikant weniger Bluttransfusionen als die Kontroll-Gruppe (28% versus 42%, p = 0,028). W\u00e4hrend der kontrollierten Behandlungsphase stieg die mediane H\u00e4moglobinkonzentration in der mit rhEPO behandelten Gruppe sukzessiv an, w\u00e4hrend sie in der Kontrollgruppe unver\u00e4ndert blieb. Die Analyse von Subgruppen ergab, da\u00df die Art der Chemotherapie und deren Dosierung pr\u00e4diktive Faktoren f\u00fcr ein Ansprechen auf die Gabe von rhEPO waren. Insbesondere die Patienten mit platinhaltiger Chemotherapie (> 50% in dieser Studie) profitierten von rhEPO. Die endogene Produktion von EPO korrelierte nicht mit dem Ansprechen auf die Gabe von rhEPO, d.h., eine inad\u00e4quate niedrige Serumkonzentration von EPO eignete sich nicht als pr\u00e4diktiver Faktor f\u00fcr ein Ansprechen auf die Therapie. Die Gabe von rhEPO wurde gut vertragen und ernste Nebenwirkungen &#8211; in der Publikation nicht weiter spezifiziert &#8211; waren in der rhEPO- und Kontroll-Gruppe gleich h\u00e4ufig. Unerw\u00fcnschte Wirkungen, vermutlich durch rhEPO verursacht, betrafen allergische Reaktionen, Hypertonie, Schmerzen an der lnjektionsstelle, Eisenmangel und Thrombozytopenie.<\/p>\n<p><B>Fazit:<\/B> In dieser Studie f\u00fchrte die Gabe von rhEPO bei Patienten mit soliden Tumoren und durch Chemotherapie induzierter An\u00e4mie zu einem Anstieg der H\u00e4moglobinkonzentration und zu einer Verminderung der Bluttransfusionen, insbesondere bei platinhaltiger Chemotherapie. Begrenzt wird der Aussagewert dieser Studie durch zahlreiche Schwachpunkte: Fehlen einer Plazebo-Gruppe, nur 60% der Patienten beendeten die kontrollierte Behandlungsphase, Kriterien f\u00fcr die Transfusion von Erythrozytenkonzentraten sind nicht angegeben, &#8222;Lebensqualit\u00e4t&#8220; ist nicht untersucht. Darauf wird in einem begleitenden Editorial (Maraveyas, A., und Pettengell, R.: Ann. Oncol. <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=9602254&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1998, <B>9<\/B>, 239<\/a>) hingewiesen. Wir schlie\u00dfen uns der Empfehlung in diesem Editorial an, da\u00df eine kostenintensive prophylaktische Therapie mit rhEPO vorl\u00e4ufig nur bei Patienten durchgef\u00fchrt werden sollte, die platinhaltige Schemata in kurativer Absicht erhalten, nicht jedoch routinem\u00e4\u00dfig im Rahmen palliativer Chemotherapien.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei Tumorerkrankungen kommt es h\u00e4ufig zu einer normochromen, normozyt\u00e4ren An\u00e4mie (s. AMB 1990, 24, 60), deren Ausma\u00df durch eine Chemotherapie, insbesondere mit platinhaltigen Substanzen, verst\u00e4rkt werden kann. Verschiedene Studien haben gezeigt, da\u00df nach Gabe von rekombinantem Erythropoietin (rhEPO) bei Patienten, die wegen solider Tumoren platinhaltige Schemata erhielten, der H\u00e4matokritanstieg anstieg und der Transfusionsbedarf abnahmen. 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