{"id":40061,"date":"1998-08-01T12:02:00","date_gmt":"1998-08-01T10:02:00","guid":{"rendered":"https:\/\/der-arzneimittelbrief.com\/artikel\/1998\/trapidil"},"modified":"1998-08-01T12:02:00","modified_gmt":"1998-08-01T10:02:00","slug":"trapidil","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/nachrichten\/trapidil\/","title":{"rendered":"Trapidil"},"content":{"rendered":"<p>Trapidil (Rocornal) ist ein Triazolopyrimidin-Derivat, das 1970 zur Behandlung der Koronaren Herzkrankheit entwickelt wurde. In Deutschland ist es f\u00fcr die Indikation &#8222;isch\u00e4mische Herzkrankheit&#8220; zugelassen. Laut Hersteller steht die Senkung der Vor- und Nachlast im Vordergrund der Wirkung. Dar\u00fcber hinaus wird ein koronardilatierender Effekt beschrieben. Interessant ist Trapidil heute aber in erster Linie durch seine Hemmung der Thrombozytenaggregation und der koronaren Restenosierung nach PTCA. Experimentell vermindert Trapidil die ADP-vermittelte Aktivierung und die Thromboxan-vermittelte Aggregation der Thrombozyten; dar\u00fcber hinaus wird das Zytoskelett der Thrombozyten stabilisiert. Weiterhin wird die Sekretion von Mediatoren aus den Thrombozyten gehemmt, besonders der Platelet derived growth factor (PDGF), der eine bedeutende Rolle spielt bei der Entstehung der Intimahyperplasie und der damit verbundenen Restenosierung. Durch Stimulation der Prostazyklinsynthese bewirkt Trapidil zudem eine Relaxation der koronaren und auch gro\u00dfen arteriellen Gef\u00e4\u00dfe.<\/p>\n<p>Die Substanz kann oral oder intraven\u00f6s verabreicht werden. Sie wird in der Leber metabolisiert und innerhalb von 24 Stunden nahezu vollst\u00e4ndig renal eliminiert. Die Halbwertszeit betr\u00e4gt 2 bis 4 Stunden. Unerw\u00fcnschte Wirkungen &#8211; meist gastrointestinale &#8211; sind selten (bei 4-8%). Schwere Komplikationen sind nicht beschrieben; allerdings sind die klinischen Erfahrungen mit dem Medikament begrenzt.<\/p>\n<p>Der klinische Wirksamkeitsnachweis st\u00fctzt sich im wesentlichen auf zwei Studien zur Prophylaxe der koronaren Restenosierung. In der doppeltblinden, randomisierten STARC-Studie (1) wurde Trapidil gegen Azetylsalizyls\u00e4ure (ASS) bei 254 Patienten, die sich einer elektiven PTCA unterziehen mu\u00dften, getestet. Nach 6 Monaten fand sich bei einer angiographischen Kontrolluntersuchung bei 30% der mit Trapidil (3mal 100 mg\/d) und bei 42% der mit ASS behandelten Patienten eine Restenose mit \u00fcber 50% Lumeneinengung (prim\u00e4rer Endpunkt). In der Trapidil-Gruppe waren auch Angina-pectoris-Attacken signifikant seltener (26% vs. 44%); Myokardinfarkte traten gleich h\u00e4ufig auf. Die Therapie mu\u00dfte wegen unerw\u00fcnschter Wirkungen in beiden Gruppen bei 8% der Patienten abgebrochen werden. Eine zweite, kleinere Studie (2) kam zu einem \u00e4hnlichen Ergebnis: Bei 20% der Patienten Restenosierung nach 6 Monaten Trapidil-Behandlung versus 40% nach ASS. Somit ergeben sich deutliche Hinweise darauf, da\u00df Trapidil wirksamer als ASS Restenosierungen nach PTCA verhindert. Eine gro\u00dfe randomisierte Studie (mit mehreren tausend Patienten), auch z.B. im Vergleich mit Ticlopidin, wurde bisher nicht durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Es gibt auch keine Daten zur Wirksamkeit von Trapidil in der Prophylaxe einer Restenosierung nach Stent-Einlage oder aortokoronarer Bypass-Operation. Deshalb kann Trapidil in diesen Situationen nicht ohne weiteres als Alternative bei Unvertr\u00e4glichkeit von ASS oder Ticlopidin (Tyklid) empfohlen werden, auch wenn anzunehmen ist, da\u00df es zumindest gleich wirksam ist. \u00c4hnlich verh\u00e4lt es sich mit der Sekund\u00e4rprophylaxe nach Myokardinfarkt, Schlaganfall oder bei peripherer arterieller Verschlu\u00dfkrankheit. Zwar wurde mehrfach nachgewiesen, da\u00df Trapidil bei Angina pectoris wirksam ist, es fehlen aber Langzeitstudien im Vergleich mit ASS oder Ticlopidin und harten Endpunkten, wie z.B. Tod, Myokardinfarkt oder Schlaganfall.<\/p>\n<p>Der Preis spricht nicht gegen Trapidil. Die Tagestherapiekosten in den empfohlenen Dosierungen betragen f\u00fcr Trapidil (3mal 100 mg) 3,80 DM und f\u00fcr Ticlopidin (2mal 250 mg) 4,66 DM.<\/p>\n<p>Trapidil ist zwar als Alternative bei ASS-Unvertr\u00e4glichkeit denkbar; es fehlt jedoch der Wirksamkeitsnachweis in gr\u00f6\u00dferen randomisierten Studien bei den einzelnen Indikationen. Solange diese Studien nicht vorliegen, mu\u00df als erste Alternative zu ASS weiterhin Ticlopidin empfohlen werden.<\/p>\n<p><B>Literatur<\/p>\n<p><\/B>1. STARC-Studie (<B>S<\/B>tudio <B>T<\/B>rapidil versus <B>A<\/B>spirin nella <B>R<\/B>estenosi <B>C<\/B>oronarica): Circulation <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=7994812&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1994, <B>90<\/B>, 2710<\/a>.<br \/>2. Okamoto, S., et al.: Am. Heart J. <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=1595521&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1992, <B>123<\/B>, 1439<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Trapidil (Rocornal) ist ein Triazolopyrimidin-Derivat, das 1970 zur Behandlung der Koronaren Herzkrankheit entwickelt wurde. In Deutschland ist es f\u00fcr die Indikation &#8222;isch\u00e4mische Herzkrankheit&#8220; zugelassen. Laut Hersteller steht die Senkung der Vor- und Nachlast im Vordergrund der Wirkung. Dar\u00fcber hinaus wird ein koronardilatierender Effekt beschrieben. 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