{"id":40067,"date":"1998-06-01T12:05:00","date_gmt":"1998-06-01T10:05:00","guid":{"rendered":"https:\/\/der-arzneimittelbrief.com\/artikel\/1998\/lebensbedrohliche-pulmonale-toxizitaet-nach-gemcitabin"},"modified":"1998-06-01T12:05:00","modified_gmt":"1998-06-01T10:05:00","slug":"lebensbedrohliche-pulmonale-toxizitaet-nach-gemcitabin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/nachrichten\/lebensbedrohliche-pulmonale-toxizitaet-nach-gemcitabin\/","title":{"rendered":"Lebensbedrohliche pulmonale Toxizit\u00e4t nach Gemcitabin"},"content":{"rendered":"<p>Gemcitabin (Gemzar) ist ebenso wie Cytarabin und FIuorouracil ein Pyrimidin-Analogon und in Deutschland f\u00fcr die Behandlung des fortgeschrittenen Adeno- oder Zystadenokarzinoms des exokrinen Pankreas zugelassen (vgl. AMB 1996, <B>30<\/B>, 69). Wirksam ist die Substanz auch bei anderen soliden Tumoren (z.B. nichtkleinzelliges Bronchial-, Mamma-, Ovarialkarzinom) und wird derzeit, auch aufgrund einer sehr aktiven Vermarktungsstrategie, im Rahmen zahlreicher Phase-l\/ll-Studien bei den genannten Tumoren eingesetzt. Gemcitabin hat strukturelle Gemeinsamkeiten mit Cytarabin, wobei die bessere Wirksamkeit bei soliden Tumoren auf pharmakodynamische Unterschiede zur\u00fcckgef\u00fchrt wird. Nach der derzeit am h\u00e4ufigsten verwendeten Applikationsart (30min\u00fctige Infusion einmal w\u00f6chentlich) ist die Myelosuppression die dosislimitierende Toxizit\u00e4t. Weitere, h\u00e4ufig auftretende Nebenwirkungen sind \u00dcbelkeit, Erbrechen, Diarrh\u00f6, grippe\u00e4hnliche Symptome, reversible Leberfunktionsst\u00f6rungen mit Erh\u00f6hung der Transaminasen sowie generalisierte, makulopapul\u00f6se Exantheme. Akute Luftnot kurz nach Infusionsende tritt nach Angaben in der Fachinformation f\u00fcr Gemzar bei etwa 10% und eine interstitielle Pneumonitis mit Lungeninfiltraten bei weniger als 1% der mit Gemcitabin behandelten Patienten auf. In 2 Publikationen wurde k\u00fcrzlich \u00fcber eine schwere pulmonale Toxizit\u00e4t bei 5 von insgesamt 220 mit Gemcitabin behandelten Patienten berichtet (1, 2). Diese Patienten erhielten wegen Pankreas- (n = 2), Ovarial- (n = 2) bzw. nichtkleinzelligem Bronchialkarzinom Gemcitabin einmal w\u00f6chentlich als Kurzinfusion (n = 3) bzw. als Dauerinfusion \u00fcber 24 Stunden (n = 2). Alle Patienten klagten unmittelbar bzw. einige Tage nach Verabreichung von Gemcitabin \u00fcber zunehmende Dyspnoe. Bei 4 Patienten wurde nach Ausschlu\u00df anderer m\u00f6glicher Ursachen (z.B. kardiale, infekti\u00f6se, metabolische, Lymphangiosis carcinomatosa) f\u00fcr die Dyspnoe aufgrund der nachgewiesenen arteriellen Hypox\u00e4mie und bilateraler pulmonaler lnfiltrate die Diagnose eines &#8222;Acute Respiratory Distress Syndrome&#8220; (ARDS; vgl. AMB 1996, <B>30<\/B>, 57) gestellt. Trotz intensivmedizinischer Ma\u00dfnahmen sowie Gabe von u.a. Kortikosteroiden und Diuretika starben 2 der 4 Patienten, und die post mortem durchgef\u00fchrten histologischen Untersuchungen waren gut vereinbar mit der Diagnose eines ARDS. Bei einem Patienten trat nach station\u00e4rer Aufnahme ein Myokardinfarkt auf, so da\u00df eine kardiale Ursache f\u00fcr die Dyspnoe nicht ausgeschlossen werden konnte (2). Dieser Patient starb wenige Tage sp\u00e4ter an den Folgen einer kardiopulmonalen lnsuffizienz. Die bei diesen Patienten beobachtete pulmonale Toxizit\u00e4t \u00e4hnelt dem nach mittelhoch- bis hochdosierter Gabe von Cytarabin bei 13% bis 28% der Patienten auftretenden nichtkardial bedingten Lungen\u00f6dem, das h\u00e4ufig in das VoIIbiId des ARDS \u00fcbergeht. Als Mechanismus der pulmonalen Sch\u00e4digung nach Cytarabin wird eine direkte zytotoxische Wirkung auf die Kapillarendothelien in der Lunge mit daraus resultierendem &#8222;Capillary leak syndrome&#8220; und Lungen\u00f6dem vermutet. Die \u00e4hnliche Struktur von Gemcitabin und Cytarabin sowie die klinischen Befunde sprechen daf\u00fcr, da\u00df die pulmonale Toxizit\u00e4t vom Gemcitabin ebenfalls auf einer Endothelsch\u00e4digung beruht.<\/p>\n<p><B>Fazit:<\/B> Nach Gabe von Gemcitabin kann eine schwere pulmonale Toxizit\u00e4t auftreten, die ein sofortiges Absetzen dieser Substanz erfordert. Da Gemcitabin m\u00f6glicherweise Bestrahlungseffekte verst\u00e4rkt, ist Vorsicht angebracht bei Patienten mit vorausgegangener Radiatio des Thorax. Trotz unzureichender Wirksamkeit bei 2 der 5 o.g. Patienten sollte bei Zeichen der respiratorischen lnsuffizienz und Nachweis pulmonaler lnfiltrate nach Gabe von Gemcitabin ein Therapieversuch mit Diuretika und hochdosierten Kortikosteroiden unternommen werden.<br \/><B><br \/>Literatur<\/p>\n<p><\/B>1. Pavlakis, N., et al.: Cancer <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=9217042&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1997, <B>80<\/B>, 286<\/a>.<br \/>2. Tempero, M.A., et al.: Cancer <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=9576306&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1998, <B>82<\/B>, 1800.<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gemcitabin (Gemzar) ist ebenso wie Cytarabin und FIuorouracil ein Pyrimidin-Analogon und in Deutschland f\u00fcr die Behandlung des fortgeschrittenen Adeno- oder Zystadenokarzinoms des exokrinen Pankreas zugelassen (vgl. AMB 1996, 30, 69). 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