{"id":40072,"date":"1998-09-01T12:00:00","date_gmt":"1998-09-01T10:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/der-arzneimittelbrief.com\/artikel\/1998\/wichtige-indikations-und-reiseimpfungen"},"modified":"1998-09-01T12:00:00","modified_gmt":"1998-09-01T10:00:00","slug":"wichtige-indikations-und-reiseimpfungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/nachrichten\/wichtige-indikations-und-reiseimpfungen\/","title":{"rendered":"Wichtige Indikations- und Reiseimpfungen"},"content":{"rendered":"<p><B>Zusammenfassung: Indikationsimpfungen werden zum Schutz vor speziellen lnfektionsgef\u00e4hrdungen (bei \u00fcberdurchschnittlicher Exposition) vorgenommen. Rechtzeitige Impfungen bewahren Auslandsreisende vor Erkrankungen bzw. schweren Verl\u00e4ufen impfpr\u00e4ventabler Infektionen. Bestimmte Berufsgruppen ben\u00f6tigen Impfungen nicht nur zum Schutz der eigenen Person, sondern auch, um die \u00dcbertragung von Infektionen zu verhindern. Wichtig ist ein Impfschutz gegen Hepatitis B bei ung\u00fcnstigen, infektionsf\u00f6rdernden Lebensbedingungen. Nach einer Verletzung ist die Tetanusimmunisierung eine streng indizierte Schutzma\u00dfnahme.<\/p>\n<p>Indikationsimpfungen sind auch bei \u00fcberdurchschnittlicher Disposition angebracht. So ist ein kompletter Impfschutz bei Frauen vor einer Schwangerschaft wichtig, weil das werdende Kind durch die Mutter seinen immunologischen &#8220;Nestschutz&#8221; erh\u00e4lt. \u00c4ltere Menschen sollten gegen Infektionen geimpft werden, durch die sie lebensbedrohlich gef\u00e4hrdet werden k\u00f6nnen. Patienten mit einer lmmunschw\u00e4che, die stets infektionsgef\u00e4hrdet sind, sollten &#8211; ebenso wie ihre Kontaktpersonen &#8211; unbedingt einen aktuellen Impfschutz haben.<br \/><\/B><br \/>Impfungen haben sich als erfolgreiche Pr\u00e4ventivma\u00dfnahme gegen Infektionskrankheiten weltweit bew\u00e4hrt. Moderne Impfstoffe sind gut vertr\u00e4glich und unerw\u00fcnschte Nebenwirkungen \u00e4u\u00dferst selten. Eine erfolgreiche Impfung erzeugt einen Schutz vor der Erkrankung an der jeweiligen Infektion oder zumindest vor einem schweren Krankheitsverlauf.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Standardimpfungen f\u00fcr jedermann empfohlen werden, dienen <I>Indikationsimpfungen <\/I>dem Schutz bestimmter Personen vor speziellen Infektionsgef\u00e4hrdungen. Dies gilt f\u00fcr Kinder und Erwachsene in gleicher Weise. Indikationsimpfungen sind f\u00fcr erh\u00f6hte Infektionsexposition oder -disposition vorgesehen (s. Tab. 1).<\/p>\n<p><B>Indikationsimpfungen wegen \u00fcberdurchschnittlicher Infektionsexposition.<\/B> <I>Reiseimpfungen: <\/I>Viele Deutsche erkranken nach einer Auslandsreise an Infektionen, gegen die sie sich durch eine Impfung wirksam h\u00e4tten sch\u00fctzen k\u00f6nnen. Dabei steht die Hepatitis A mit fast 5000 Infektionen j\u00e4hrlich an oberster Stelle. Aber auch seltenere Infektionen bedeuten f\u00fcr den Erkrankten oft ein langes Krankenlager und vielleicht sogar Dauersch\u00e4den, die er h\u00e4tte verh\u00fcten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Eine kompetente Impfberatung vor einer Auslandsreise setzt die Kenntnis \u00fcber die aktuelle Situation am Reiseziel, \u00fcber die Art der Reise (Hotel oder Touristik) und \u00fcber den lmpfstatus des\/der Reisenden voraus. In jedem Fall ist eine Auffrischimpfung gegen Tetanus (T), Diphtherie (d) und Polio (IPV) zu empfehlen, wenn die letzte Impfung l\u00e4nger als 10 Jahre zur\u00fcckliegt.<\/p>\n<p><I>Poliomyelitis: <\/I>Konsequente Impfungen haben dazu gef\u00fchrt, da\u00df die Poliomyelitis seit Anfang der 90er Jahre aus dem gesamten amerikanischen Kontinent verschwunden ist und nur noch in einigen Regionen Afrikas und Asiens sporadisch oder endemisch auftritt. F\u00fcr Reisende in Polio-Endemiegebiete empfiehlt sich eine Auffrischimpfung. Im Januar 1998 hat die St\u00e4ndige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts (STIKO) die Impfstrategie f\u00fcr Deutschland von der Schluckimpfung mit oraler Polio-Vakzine (OPV) auf die Injektionsimpfung mit inaktivierter Polio-Vakzine (IPV) umgestellt (1). Dementsprechend werden auch Reiseimpfungen mit einmaliger Gabe von IPV vorgenommen, falls die letzte Impfung l\u00e4nger als 10 Jahre zur\u00fcckliegt; die Injektion erfolgt i.m.<\/p>\n<p><I>Hepatitis B: <\/I>Die Hepatitis B geh\u00f6rt zu den am weitesten verbreiteten und gef\u00e4hrlichsten Virusinfektionen weltweit, jedoch mit regionalen Unterschieden; besonders h\u00e4ufig ist sie in S\u00fcdostasien. Die lnzidenz der symptomatischen und asymptomatischen Hepatitis B bei Langzeitreisenden liegt zwischen 80 und 240 F\u00e4lIen\/100000 Reisende\/Aufenthaltsmonat; bei Kurzzeitreisenden (< 4 Wochen) ist die lnzidenz zwei- bis zehnmal geringer (12). Sexuelle Kontakte mit Einwohnern vor Ort haben ein besonders hohes lnfektionsrisiko (4). Bei der sehr hohen Kontagiosit\u00e4t des Hepatitis-B-Virus gen\u00fcgt aber auch ein enger K\u00f6rperkontakt mit einem Infizierten, bei dem die Erreger (z.B. mit dem Speichel) durch kleinste Haut- oder Schleimhautl\u00e4sionen in die Kontaktpersonen eindringen k\u00f6nnen. Auch bei einer medizinischen Notfallversorgung oder einer zahn\u00e4rztlichen Behandlung ist die lnfektionsgef\u00e4hrdung als \u00fcberdurchschnittlich einzustufen. Dies belegt eine Studie an einer Gruppe von 360 Missionaren, die im Gesundheitsdienst t\u00e4tig waren und die nach ihrem Einsatz zu > 25% infiziert waren, w\u00e4hrend zuvor nur 3% Hepatitis-B-Marker hatten (2).<\/p>\n<p>Die Impfung erfolgt i.m. mit einem gentechnologisch gewonnenen Totimpfstoff zu den Zeitpunkten 0, nach 4 Wochen und nach 6 (bis 12) Monaten. Mit einem Impfschutz kann etwa 10 Tage nach der zweiten Dosis gerechnet werden. Die Vertr\u00e4glichkeit des Impfstoffs ist gut. Selten treten Beschwerden an der lnjektionsstelle auf. lmpfkomplikationen liegen im Promille-Bereich und werden als passagere Arthralgien, Arthritis oder neurologische St\u00f6rungen (Polyneuritis, Guillain-Barr\u00e9-Syndrom) beschrieben (10; s.a. <a href=\"http:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/de\/Artikel.aspx?SN=5968\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">AMB 1998, <B>32<\/B>, 56b<\/a>). Eine Antik\u00f6rperkontrolle ist nur in bestimmten F\u00e4llen angezeigt, wenn es bei Erwachsenen auf eine sichere Aussage \u00fcber den erzielten Impfschutz ankommt (z.B. bei medizinischem Personal). Liegt die Anti-HBs-Konzentration > 100 mlU\/ml, ist ein Schutz von mindestens 10 Jahren wahrscheinlich. Eine Antik\u00f6rperkonzentration < 10 mlU\/ml wird als ungen\u00fcgend eingestuft und erfordert eine sofortige Wiederholungsimpfung. Besteht eine Indikation f\u00fcr eine Hepatitis-A- und Hepatitis-B-Impfung, kann ein Kombinationsimpfstoff verwendet werden.\n\n<I>HepatitisA: <\/I>Das Hepatitis-A-Virus ist in allen subtropischen und tropischen Regionen der Erde weit verbreitet. Es wird von Infizierten in Stuhl und Urin ausgeschieden und findet sich in Abw\u00e4ssern sowie in verunreinigtem Meerwasser. Auf diese Weise gelangt es in Mollusken, Krebse und andere Meerestiere, die als Delikatessen beliebt sind. Die \u00dcbertragung erfolgt also f\u00e4kal-oral. Die allgemeine Regel f\u00fcr die Nahrungsaufnahme in tropischen L\u00e4ndern &#8220;Cook it, peel it or forget it!&#8221; hat hier gro\u00dfe praktische Bedeutung. Einheimische Bewohner dieser Erdregionen haben eine nat\u00fcrliche Immunit\u00e4t. Mehr als 90% von ihnen haben bereits als Kind eine Hepatitis-A-lnfektion durchgemacht und sind lebenslang immun. Bekanntlich verl\u00e4uft die Erkrankung im Kindesalter leicht und meist anikterisch. In Deutschland war die Hepatitis A in der Kriegs- und Nachkriegszeit weit verbreitet. Hunderttausende Soldaten und Zivilisten erkrankten, so da\u00df bei den > 50j\u00e4hrigen hierzulande mit einer nat\u00fcrlichen Immunit\u00e4t gerechnet werden kann. Jetzt ist die Hepatitis A in Mitteleuropa eine ausgesprochene Reisekrankheit. Mit zunehmendem Lebensalter verursacht die Hepatitis A st\u00e4rkere Symptome wie \u00dcbelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Ikterus, bisweilen auch Rezidive oder schwere, sehr selten t\u00f6dliche Verl\u00e4ufe. Chronische Lebererkrankungen wie bei der Hepatitis B sind allerdings nach einer Hepatitis A nicht zu bef\u00fcrchten.<\/p>\n<p>Die Hepatitis-A-lmpfung sollte bei allen Reisen in s\u00fcdliche oder \u00f6stliche L\u00e4nder mit geringerem Hygienestandard (Mittelmeerraum, Afrika, Asien, S\u00fcdamerika) vorgenommen werden. Der Totimpfstoff wird i.m. in zwei Einzeldosen (2. Injektion nach 6 bis 12 Monaten) verabfolgt. Der Impfschutz setzt bereits ab der 2. Woche nach der ersten lmpfinjektion ein und h\u00e4lt nach der zweiten lmpfinjektion mindestens 10 Jahre an. Die Vertr\u00e4glichkeit der Impfung ist ausgesprochen gut. Impfkomplikationen wurden bisher nicht berichtet.<\/p>\n<p><I>Gelbfieber: <\/I>Das Gelbfieber-Virus wird durch Stechm\u00fccken \u00fcbertragen, die in den tropischen Regionen Afrikas und S\u00fcdamerikas, nicht aber in Asien heimisch sind. Die Infektion f\u00fchrt nicht selten zu schweren Sch\u00e4den an inneren Organen (ZNS, Leber, Niere). Es fehlt eine kausale Therapie; zu t\u00f6dlichen Verl\u00e4ufen durch Leber- und Nierenversagen kommt es bei > 20% der Erkrankten. Die Impfung mit einem Lebendimpfstoff ist die einzige effektive und gut vertr\u00e4gliche M\u00f6glichkeit eines Schutzes. In den meisten L\u00e4ndern der genannten Regionen wird er nicht nur f\u00fcr Einreisende an der Landesgrenze gefordert, sondern auch f\u00fcr die einheimische Bev\u00f6lkerung empfohlen und vorgenommen. Zur Impfung sind nur bestimmte Gelbfieber-lmpfstellen zugelassen. Sie sind \u00fcber die zust\u00e4ndigen Gesundheits\u00e4mter zu erfahren.<\/p>\n<p><I>Typhus: <\/I>Den Erreger des Typhus, Salmonella typhi, kann man sich unter schlechten hygienischen Verh\u00e4ltnissen jederzeit einfangen. Davon zeugen auch die zahllosen Typhuserkrankungen in Deutschland in den Jahren 1945 bis 1947. Nach untypischem Krankheitsbeginn kommt es meist zu einer l\u00e4ngeren Fieberperiode mit Bewu\u00dftseinstr\u00fcbung und Beteiligung innerer Organe (Darm, Leber, Gallenblase, Herz, Lunge, Knochenmark). Dauerausscheider von S. typhi d\u00fcrfen nicht in der Lebensmittelherstellung oder -verarbeitung besch\u00e4ftigt sein. F\u00fcr die Impfung stehen zwei unterschiedliche Impfstoffe zur Verf\u00fcgung: Ein oraler Lebendimpfstoff, der in einer Kapsel rund 1 Milliarde abgeschw\u00e4chte Keime enth\u00e4lt. Insgesamt 3 Kapseln werden an den Tagen 1, 3 und 5 eingenommen. Der Impfschutz beginnt etwa 10 Tage nach der 3. Kapsel und h\u00e4lt vermutlich 1 bis 3 Jahre an. Au\u00dferdem gibt es einen parenteralen Totimpfstoff, der den Vorteil hat, auch bei lmmunschw\u00e4che eingesetzt werden zu k\u00f6nnen. Nach einer Injektion wird ein Impfschutz von 1 bis 3 Jahren erzielt.<\/p>\n<p><I>Meningokokken: <\/I>Meningokokken kommen zwar bei ca. 5% gesunder Menschen (gesunde Keimtr\u00e4ger) im Nasen-Rachen-Raum vor, k\u00f6nnen aber (besonders im jungen Kindesalter) zu Iebensbedrohlichen Erkrankungen f\u00fchren. Sehr gef\u00fcrchet sind die eitrige Meningitis und Sepsis sowie das foudroyant verlaufende Waterhouse-Friderichsen-Syndrom. Ohne rechtzeitige Antibiotikatherapie haben diese Patienten keine \u00dcberlebenschance. Epidemisch treten Meningokokken-Erkrankungen in gewissen Abst\u00e4nden im sog. tropischen Meningokokken-G\u00fcrtel (s\u00fcdliche Sahara-L\u00e4nder in Afrika, Indien, Nepal, Golfstaaten, Tropeng\u00fcrtel in S\u00fcdamerika) auf. Auch in Mitteleuropa werden immer wieder Meningokokken-lnfektionen beobachtet, die allerdings nicht epidemisch, sondern sporadisch oder allenfalls endemisch auftreten.<\/p>\n<p>F\u00fcr die lmpfpraxis ist es bedeutungsvoll, da\u00df gegen die in Deutschland meist auftretenden Meningokokken vom Serotyp B bisher kein Impfstoff zur Verf\u00fcgung steht, w\u00e4hrend gegen die in den Tropen vorkommenden Serotypen A, C u.a. ein effektiver Totimpfstoff existiert. Eine einmalige Injektion bietet einen Schutz, der etwa 2 Wochen nach der Impfung einsetzt und ca. 5 Jahre anh\u00e4lt. Vorgeschrieben ist die Impfung f\u00fcr Pilger bei Einreise nach Saudi-Arabien (3).<\/p>\n<p><I>Fr\u00fchsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME): <\/I>FSME-Viren werden von Zecken (Ixodes ricinus = Holzbock) beherbergt, die in bewaldeten Flu\u00dfniederungen der Donau und ihrer Nebenfl\u00fcsse (beispielsweise in W\u00fcrttemberg, Bayern, Tschechien, Slowakei, \u00d6sterreich, Ungarn), aber auch in S\u00fcdschweden und osteurop\u00e4ischen L\u00e4ndern bis nach Sibirien anzutreffen sind. Die Zecken bedingen auch die saisonale H\u00e4ufung der FSME in den Monaten April bis Oktober. J\u00e4hrlich bereisen Millionen Touristen diese &#8220;Naturherde&#8221; (11). Selbstverst\u00e4ndlich bedeutet nicht jeder Zeckenstich eine FSME-lnfektion und nicht jede Infektion eine Erkrankung. Doch wenn es zu einer Erkrankung mit ZNS-Beteiligung kommt, dann ist mit einem dramatischen Verlauf und sogar mit Defektheilung oder t\u00f6dlichem Ausgang zu rechnen. In Deutschland werden j\u00e4hrlich etwa 150 bis 200 FSME-Erkrankungen gemeldet. Eine kausale Therapie steht nicht zur Verf\u00fcgung. Nur eine Impfung bietet einen Schutz. Sie wird nicht nur als Reiseimpfung, sondern f\u00fcr Wald- und Forstarbeiter in den aktiven Naturherden auch als Impfung f\u00fcr Berufsgruppen angeboten.<\/p>\n<p>Der Totimpfstoff wird i.m. in drei Teilinjektionen (initial, nach einem Monat und nach 12 Monaten) injiziert. Seine Schutzwirkung beginnt etwa 10 Tage nach der zweiten Injektion, die in dringenden F\u00e4llen auf 2 Wochen nach der ersten Injektion vorgezogen werden kann, und h\u00e4lt nach der 3. Injektion etwa 5 Jahre an. Als lmpfreaktion tritt relativ selten eine leichte R\u00f6tung an der lnjektionsstelle auf. lmpfkomplikationen werden in einer H\u00e4ufigkeit von 1 auf 1 Million Impfungen als Neuritis oder Polyneuritis (Guillain-Barr\u00e9-Syndrom) beschrieben (6, 7).<\/p>\n<p><I>Tollwut:<\/I> Die Tollwut ist eine Infektionskrankheit mit 100%iger Letalit\u00e4t. Das Tollwut-Virus (Lyssavirus) wird durch Tierbi\u00df (Fuchs, Rind, Reh, Katze, Hund) \u00fcbertragen und bef\u00e4llt das Nervensystem. Der Tod tritt unter Muskelzuckungen, Atem- und Schluckst\u00f6rungen bei vollem Bewu\u00dftsein ein. Da jede noch so intensive Behandlung aussichtslos ist, gilt es, bereits bei Tollwutverdacht mit der postexpositionellen Impfung zu beginnen. Reisende in Tollwutregionen (in Indien, Ostasien, Afrika, insbesondere in Entwicklungsl\u00e4ndern sind streunende Stra\u00dfenhunde h\u00e4ufig tollwutinfiziert) und bestimmte Berufsgruppen mit erh\u00f6htem Tollwutrisiko (Tier\u00e4rzte, Laborpersonal, J\u00e4ger, Waldarbeiter, Landwirte in Risikogebieten) sollten pr\u00e4expositionell geimpft werden.<\/p>\n<p>Der Totimpfstoff wird in 3 Einzeldosen im. an den Tagen 0, 28 und 56 (oder 0, 7, 21) injiziert. Boosterungen sind nach 1 Jahr, danach alle 2 bis 5 Jahre und nach einem Bi\u00df tollwutverd\u00e4chtiger Tiere erforderlich.<\/p>\n<p><I>Impfungen f\u00fcr Berufsgruppen: <\/I>Der enge Kontakt mit kontagi\u00f6sen Patienten (Pflegeberufe) oder mit erregerhaltigem Untersuchungsmaterial (Laborberufe) verlangen zur eigenen Sicherheit einen aktuellen Impfschutz. Auch Berufst\u00e4tige mit regelm\u00e4\u00dfigem Kinderkontakt (Kinderkrankenschwestern, Erzieherinnen, Lehrer) sollten sich durch lmpfungen sch\u00fctzen, sofern sie nicht bereits eine nat\u00fcrliche Immunit\u00e4t besitzen. Andererseits bedeutet jede lmmuni\u00e4tsl\u00fccke bei medizinischem Betreuungspersonal (\u00c4rzte, Schwestern) eine potentielle lnfektionsgef\u00e4hrdung f\u00fcr empf\u00e4ngliche Patienten, wie z.B. bei AIDS- oder Krebspatienten. Auch deshalb sollten Vertreter aller medizinischen Berufe auf die Aktualisierung ihres Impfschutzes bedacht sein.<\/p>\n<p>Die f\u00fcr die in der Praxis wichtigsten Indikationsimpfungen wegen eines beruflichen Risikos sind in der Tab. 2 zusammengestellt.<\/p>\n<p><I>Impfungen wegen infektionsexponierender Lebensweise:<\/I> Personen mit h\u00e4ufig wechselndem Geschlechtsverkehr, insbesondere auch Homosexuelle und Sado-Masochisten, sowie Drogens\u00fcchtige, die von parenteralen Applikationen abh\u00e4ngig sind, bed\u00fcrfen dringend und rechtzeitig eines lmpfschutzes gegen Hepatitis B.<\/p>\n<p><I>Impfungen bei Unf\u00e4llen: <\/I>Unf\u00e4lle gehen h\u00e4ufig mit einer direkten oder indirekten lnfektionsgef\u00e4hrdung einher. Tetanussporen sind ubiquit\u00e4r vorhanden. Auch die kleinste Verletzung kann zu einer Infektion f\u00fchren, wenn sie mit sporenhaltiger Erde verschmutzt ist. Ebenfalls sollten Verbr\u00fchungen, Verbrennungen und jeder Tierbi\u00df grunds\u00e4tzlich als tetanusinfiziert betrachtet werden. Tab. 3 enth\u00e4lt die Empfehlungen zum Tetanusschutz nach Verletzungen.<\/p>\n<p><B>Indikationsimpfung bei Personen mit \u00fcberdurchschnittlicher lnfektionsdisposition.<\/B> <I>Impfungen bei Frauen mit Kinderwunsch: <\/I>Eine Frau mit Kinderwunsch ist gut beraten, wenn sie an den eigenen Impfschutz denkt. Sie \u00fcbertr\u00e4gt n\u00e4mlich damit gleichzeitig dem werdenden Kind eine &#8220;Leihimmunit\u00e4t&#8221; &#8211; den sog. &#8220;Nestschutz&#8221; &#8211; vor vielen pr\u00e4- und perinatalen Infektionen f\u00fcr die ersten Lebensmonate. Deshalb sollte der Hausarzt seine jungen Patientinnen dahingehend beraten, da\u00df sie sich vor einer Schwangerschaft den in Tab. 4 aufgef\u00fchrten (Nach hol-) Impfungen unterziehen.<\/p>\n<p><I>Impfungen bei \u00e4lteren Personen (> 60 Jahre): <\/I>Im h\u00f6heren Lebensalter gibt es lnfektionsgef\u00e4hrdungen, die teilweise auf dem Nachlassen der Immunfunktionen beruhen. Die praktischen Impfempfehlungen f\u00fcr dieses Alter ber\u00fccksichtigen auch die altersbedingten Gef\u00e4hrdungen (Funktionsminderung von Herz, Kreislauf und Atemorganen) bzw. Verletzungen (z.B. als Hobbyg\u00e4rtner). Tab. 5 gibt Empfehlungen f\u00fcr die Impfung \u00e4lterer Menschen.<\/p>\n<p><I>Impfungen bei lmmunschwachen: <\/I>Patienten mit angeborener lmmunschw\u00e4che (z.B. schwerer kombinierter lmmundefekt) sind selten. Wesentlich h\u00e4ufiger wird eine lmmunschw\u00e4che im Rahmen einer HIV-Infektion, eines Antik\u00f6rpermangels, eines Asplenie-Syndroms oder einer immunsuppressiven Therapie erworben. Diese Patienten sind \u00fcberdurchschnittlich infektionsgef\u00e4hrdet und brauchen unbedingt den gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen Impfschutz. Ihre Immunantwort ist jedoch eingeschr\u00e4nkt. Deshalb ist es ratsam, den Impferfolg durch Antik\u00f6rpertestung zu kontrollieren.<\/p>\n<p>Lebendimpfstoffe sind bei allen Patienten mit lmmundefekt oder lmmunschw\u00e4che streng kontraindiziert. Totimpfstoffe wie Toxoidimpfstoffe, Hepatitis A und B, insbesondere auch diejenigen gegen Haemophilus influenzae b, Pneumokokken und Influenza sind nachweislich von Nutzen f\u00fcr diese Patienten. Ihre <I>Familienangeh\u00f6rigen und Pflegepersonen <\/I>sollten ebenfalls \u00fcber einen kompletten Impfschutz verf\u00fcgen. Dies gilt insbesondere auch f\u00fcr Masern, Mumps, R\u00f6teln und Varizellen, sofern nicht eine nat\u00fcrliche Immunit\u00e4t vorliegt.<\/p>\n<p>Patienten mit <I>akuten oder chronischen Leuk\u00e4mien <\/I>k\u00f6nnen w\u00e4hrend ihrer Remission gegen Varizella geimpft werden, wenn sie seronegativ sind, obwohl es sich um einen attenuierten Lebendimpfstoff handelt (5).<\/p>\n<p>Eine topische (dermale oder inhalative) <I>Kortikosteroid-Therapie <\/I>ist keine Kontraindikation gegen Impfungen, auch mit Lebendimpfstoffen. Lediglich eine hochdosierte systemische Behandlung (>2 mg\/kg\/d Prednison l\u00e4nger als 2 Wochen) sollte mindestens 14 Tage abgesetzt sein, bevor ein Lebendimpfstoff verabfolgt wird.<\/p>\n<p>Patienten mit <I>M. Hodgkin <\/I>bed\u00fcrfen vor allem eines Impfschutzes gegen Haemophilus influenzae b und Pneumokokken, ebenso auch Patienten nach <I>Milzexstirpation. <\/I>Am wirksamsten ist der Impfschutz, wenn der Impftermin mindestens 14 Tage vor einer (geplanten) Milzentfernung oder Bestrahlung bzw. Chemotherapie liegt.<\/p>\n<p>Impfungen mit inaktivierten oder abgeschw\u00e4chten Viren bzw. Lebendvakzinen sollten wegen der durch die meisten Zytostatika ausgel\u00f6sten Immunsuppression fr\u00fchestens 3 Monate nach der letzten <I>Zytostatikagabe <\/I>erfolgen. Eine aktive orale Immunisierung gegen Poliomyelitis mu\u00df bei Familienangeh\u00f6rigen, die in engem Kontakt mit dem Patienten leben, verschoben werden.<\/p>\n<p><I>Transplantatempf\u00e4nger von Knochenmark <\/I>sollten auf ihre Impfimmunit\u00e4t \u00fcberpr\u00fcft werden, da sie nicht immer die Immunit\u00e4t ihres Spenders ohne Verlust \u00fcbernehmen. Eine Vakzinierung bzw. Revakzinierung wird f\u00fcr Totimpfstoffe (Toxoide, Pertussis, Haemophilus influenzae b, Pneumokokken) etwa 12 Monate nach Transplantation und f\u00fcr Lebendimpfstoffe (MMR, Varizella, niemals jedoch orale Polio-Vakzine!) etwa 24 Monate nach Transplantation empfohlen (5).<\/p>\n<p>Patienten mit asymptomatischer <I>HIV-Infektion <\/I>sollen &#8211; entsprechend dem aktuellen Impfplan &#8211; Impfungen gegen Diphtherie, Pertussis, Tetanus, Haemophilus influenzae b, IPV und MMR erhalten. Dar\u00fcber hinaus ist eine j\u00e4hrliche Impfung gegen Influenza sowie eine Impfung gegen Pneumokokken angezeigt. Liegt eine symptomatische HIV-Infektion vor, ist die Lebendimpfung mit MMR erst nach sorgf\u00e4ltiger Risikoabw\u00e4gung vorzunehmen (8).<\/p>\n<p><B>Literatur<\/p>\n<p><\/B>1. Epidemiologisches Bulletin 15\/98. Robert-Koch-Institut, Berlin.<br \/>2. Lange, W.R., et al.: Am. J. Trop. Med. <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=2173432&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1990, <B>43<\/B>, 527<\/a>.<br \/>3. Markus, R.: Brandenburger \u00c4rzteblatt 1997, <B>7<\/B>, 392.<br \/>4. Mulhall, B.R, et al.: Med. J. Aust. <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=8487717&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1993, <B>158<\/B>, 530<\/a>.<br \/>5. Peter, Georges (Hrsg.): 1997 Red Book &#8211; Report of the Committee on lnfections Diseases. 24. Aufl.<br \/>6. Quast, U., Thilo, W., Fescharek, R.: lmpfreaktionen &#8211; Bewertung und Differentialdiagnose. Hippokrates-Verlag, Stuttgart 1997, 2. Aufl.<br \/>7. Roggendorf, M.: Nebenwirkungen der Impfung gegen die Fr\u00fchsommer-Meningoenzephalitis. In: Impfreaktionen &#8211; lmpfkomplikationen &#8211; 40 Jahre DVV (Hrsg.: G. Maass). Kilian-Verlag, Marburg 1995.<br \/>8. Scholz, H., Belohradsky, B.H., Kreth, W., Roos, R., Stehr, K. (Hrsg.): Handbuch &#8211; Infektionen bei Kindern und Jugendlichen (DGPI). Futuramed Verlag, M\u00fcnchen 1997.<br \/>9. Spiess, H. (Hrsg.): Impfkompendium. Thieme-Verlag, Stuttgart, New York 1994.<br \/>10. Stratton, K.R., Howe, C.J., Johnston, R.B. (Hrsg.): Adverse Events Associated with Childhood Vaccines &#8211; Evidence Bearing on Causality. National Academy Press, Washington, D.C. 1994.<br \/>11. S\u00fcss, J., Kahl, O. (Hrsg.): Tick-borne Encephalitis and Lyme Borreliosis. Pabst Science Publishers 1997.<br \/>12. Steffen, R.: Vaccine <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=8387717&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1993, <B>11<\/B>, 518<\/a>.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/nachrichten\/wp-content\/uploads\/1998\/09\/Abbildung-1998-65-5.gif\" alt=\"Abbildung 1998-65-5.gif\" class=\"table-figure\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zusammenfassung: Indikationsimpfungen werden zum Schutz vor speziellen lnfektionsgef\u00e4hrdungen (bei \u00fcberdurchschnittlicher Exposition) vorgenommen. Rechtzeitige Impfungen bewahren Auslandsreisende vor Erkrankungen bzw. schweren Verl\u00e4ufen impfpr\u00e4ventabler Infektionen. Bestimmte Berufsgruppen ben\u00f6tigen Impfungen nicht nur zum Schutz der eigenen Person, sondern auch, um die \u00dcbertragung von Infektionen zu verhindern. Wichtig ist ein Impfschutz gegen Hepatitis B bei ung\u00fcnstigen, infektionsf\u00f6rdernden Lebensbedingungen. 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