{"id":40084,"date":"1998-08-01T12:05:00","date_gmt":"1998-08-01T10:05:00","guid":{"rendered":"https:\/\/der-arzneimittelbrief.com\/artikel\/1998\/verschlechterung-kognitiver-funktionen-nach-adjuvanter-hochdosis-chemotherapie-bei-patientinnen-mit-mammakarzinom"},"modified":"1998-08-01T12:05:00","modified_gmt":"1998-08-01T10:05:00","slug":"verschlechterung-kognitiver-funktionen-nach-adjuvanter-hochdosis-chemotherapie-bei-patientinnen-mit-mammakarzinom","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/nachrichten\/verschlechterung-kognitiver-funktionen-nach-adjuvanter-hochdosis-chemotherapie-bei-patientinnen-mit-mammakarzinom\/","title":{"rendered":"Verschlechterung kognitiver Funktionen nach adjuvanter Hochdosis-Chemotherapie bei Patientinnen mit Mammakarzinom"},"content":{"rendered":"<p>Die h\u00e4ufigste Indikation f\u00fcr die Hochdosis-Chemotherapie gefolgt von der Retransfusion autologer h\u00e4matopoetischer Stammzellen ist derzeit die adjuvante Behandlung von pr\u00e4menopausalen Patientinnen mit Mammakarzinom und hohem Risiko f\u00fcr ein Rezidiv. Die Wirksamkeit dieser aggressiven Therapiestrategie ist derzeit noch unbewiesen (vgl. <a href=\"http:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/de\/Artikel.aspx?SN=5926\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">AMB 1998, <B>32<\/B>, 21a<\/a>) und wird in zahlreichen randomisierten Studien weltweit untersucht. Sorgf\u00e4ltige Analysen akuter; insbesondere aber sp\u00e4t auftretender Nebenwirkungen (z.B. Neurotoxizit\u00e4t, Zweitneoplasien) sind bei adjuvanter Hochdosis-Chemotherapie des Mammakarzinoms von besonderer Bedeutung, da deren Ziel eine Verl\u00e4ngerung des \u00dcberlebens ohne Einschr\u00e4nkung der &#8222;Lebensqualit\u00e4t&#8220; sein sollte. Eine k\u00fcrzlich publizierte niederl\u00e4ndische Studie untersuchte den Einflu\u00df einer Hochdosis-Chemotherapie auf kognitive Funktionen bei Patientinnen mit Hochrisiko-Mammakarzinom (van Dam, F.S.A.M., et al.: J. Natl. Cancer lnst. <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=9462678&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1998, <B>90<\/B>, 210<\/a>). Eingeschlossen wurden Frauen < 55 Jahre mit Stadium II oder III und = 4 befallenen axill\u00e4ren Lymphknoten. Verschiedene neuropsychologische Tests, ein Interview zu kognitiven Problemen im t\u00e4glichen Leben und ein von der European Organization for Research and Treatment of Cancer (EORTC) entwickelter Fragebogen zur \"Lebensqualit\u00e4t\" wurden herangezogen, um kognitive St\u00f6rungen und \"Lebensqualit\u00e4t\" bei 3 verschiedenen Patientengruppen (34 Patientinnen mit adjuvanter Hochdosis-Chemotherapie bei Hochrisiko-Mammakarzinom, 36 Patientinnen mit Standard-Chemotherapie bei Hochrisiko-Mammakarzinom, 34 unbehandelte Patientinnen mit Stadium I eines Mammakarzinoms) zu vergleichen. Im experimentellen Arm der Hochdosis-Chemotherapie erhielten die Patientinnen zun\u00e4chst 4 Zyklen einer Chemotherapie mit FEC (5-Fluorouracil, Epidoxorubicin, Cyclophosphamid) und anschlie\u00dfend eine Hochdosis-Chemotherapie mit Cyclophosphamid, Thiotepa und Carboplatin sowie Retransfusion autologer h\u00e4matopoetischer Stammzellen. Die konventionelle Behandlung bestand aus 4 bis 5 Zyklen einer Chemotherapie mit FEC. In beiden Gruppen erfolgte anschlie\u00dfend eine adjuvante Strahlentherapie des lokoregion\u00e4ren Bereiches und Gabe von Tamoxifen \u00fcber 2 Jahre. Die kognitiven Funktionen wurden im Median 1,6 bis 1,9 Jahre nach der letzten Therapie (Tamoxifen) in den beiden Chemotherapie-Gruppen und 2,4 Jahre nach Operation und Bestrahlung in der Kontroll-Gruppe ermittelt. Alle Patientinnen, welche die Hochdosis-Chemotherapie erhielten, und 34 von 36 Patientinnen im konventionellen Therapiearm waren als Folge des Einflusses der Zytostatika auf die ovarielle Funktion postmenopausal, wohingegen sich in der Kontrollgruppe 13 post- und 21 pr\u00e4menopausale Patientinnen befanden. \u00dcber kognitive Probleme (Konzentration, Ged\u00e4chtnis, Denken, Sprache), die w\u00e4hrend der Behandlung begannen, berichteten signifikant mehr Patientinnen im Hochdosis-Chemotherapie- bzw. konventionellen Therapiearm im Vergleich zur Kontroll-Gruppe. Hinsichtlich verschiedener funktioneller \"Scores\" (z.B. k\u00f6rperliche und soziale Funktionen betreffend) und der globalen \"Lebensqualit\u00e4t\" waren die Ergebnisse bei Patientinnen nach Hochdosis-Chemotherapie signifikant ung\u00fcnstiger als bei Patientinnen mit konventioneller Therapie. Bei 32% der Patientinnen mit Hochdosis-Chemotherapie im Vergleich zu 17% mit konventioneller Chemotherapie und 9% in der Kontroll-Gruppe ergaben die neuropsychologischen Tests kognitive St\u00f6rungen. Da die meisten Patientinnen nicht \u00fcber entsprechende kognitive St\u00f6rungen vor Beginn der jeweiligen Therapie berichteten, ist es nach Ansicht der Autoren dieser Studie sehr unwahrscheinlich, da\u00df bereits vor Beginn der Behandlung bestehende kognitive St\u00f6rungen diese Unterschiede erkl\u00e4ren. Inwieweit unterschiedliche \u00d6strogen-Konzentrationen in den beiden Chemotherapie-Armen bzw. in der Kontroll-Gruppe oder die Behandlung mit Tamoxifen die kognitiven Funktionen beeinflu\u00dft haben, bleibt jedoch unklar.\n\n<B>Fazit:<\/B> Eine Hochdosis-Chemotherapie f\u00fchrt bei Patientinnen mit Hochrisiko-Mammakarzinom zu einer Verschlechterung kognitiver Funktionen, die in dieser Studie etwa zwei Jahre nach der letzten Chemotherapie beobachtet wurde. Angesichts der negativen Auswirkungen zentralnerv\u00f6ser Sp\u00e4tsch\u00e4den auf die &#8222;Lebensqualit\u00e4t&#8220;, insbesondere auf die soziale und berufliche Integration nach Abschlu\u00df der Chemotherapie, sollte die Neurotoxizit\u00e4t der Hochdosis-Chemotherapie im Rahmen der derzeit laufenden klinischen Studien gr\u00fcndlich analysiert werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die h\u00e4ufigste Indikation f\u00fcr die Hochdosis-Chemotherapie gefolgt von der Retransfusion autologer h\u00e4matopoetischer Stammzellen ist derzeit die adjuvante Behandlung von pr\u00e4menopausalen Patientinnen mit Mammakarzinom und hohem Risiko f\u00fcr ein Rezidiv. Die Wirksamkeit dieser aggressiven Therapiestrategie ist derzeit noch unbewiesen (vgl. AMB 1998, 32, 21a) und wird in zahlreichen randomisierten Studien weltweit untersucht. 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