{"id":40113,"date":"1998-12-01T12:04:00","date_gmt":"1998-12-01T11:04:00","guid":{"rendered":"https:\/\/der-arzneimittelbrief.com\/artikel\/1998\/arzneimittelzulassung-in-europa"},"modified":"1998-12-01T12:04:00","modified_gmt":"1998-12-01T11:04:00","slug":"arzneimittelzulassung-in-europa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/nachrichten\/arzneimittelzulassung-in-europa\/","title":{"rendered":"Arzneimittelzulassung in Europa"},"content":{"rendered":"<p><B>Zusammenfassung: Die nationale Zulassung von Arzneimitteln hat weitgehend ausgedient. EU-weite Verfahren bestimmen bereits jetzt, ob und unter welchen Bedingungen neue Medikamente auf den Markt kommen. F\u00fcr Verschreiber von Arzneimitteln ist es wichtig zu wissen, welche Ma\u00dfst\u00e4be in der Europ\u00e4ischen Union an neue Mittel angelegt werden. Wie transparent sind die Verfahren und wo liegen m\u00f6gliche Schw\u00e4chen des Systems, die m\u00f6glicherweise besondere Vorsicht bei der Verschreibung neuer Substanzen nahelegen? Die verschiedenen Zulassungswege werden erl\u00e4utert und einer kritischen Bewertung unterzogen. Dabei mu\u00df festgestellt werden, da\u00df die Entscheidungen der europ\u00e4ischen und der nationalen Beh\u00f6rden weitgehend undurchsichtig sind und sich einer unabh\u00e4ngigen wissenschaftlichen Bewertung entziehen.<br \/><\/B><br \/><B>Warum sollten uns die Zulassungsverfahren interessieren?<\/B> Weitgehend unbemerkt von der \u00d6ffentlichkeit hat eine Europ\u00e4isierung der Arzneimittelzulassung stattgefunden. Die nationale Zulassung von neuen Medikamenten durch das deutsche Bundesinstitut f\u00fcr Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) ist bereits heute eher die Ausnahme als die Regel. Dabei h\u00f6rt die deutsche Beh\u00f6rde aber keineswegs auf zu existieren, sondern sie ist Teil eines EU-weiten Systems geworden. Eine zentrale Rolle kommt dem Committee for Proprietary Medicinal Products (CPMP) zu, dem Ausschu\u00df f\u00fcr Arzneispezialit\u00e4ten der European Agency for the Evaluation of Medicinal Products (EMEA) in London. Diese ist im zentralen Zulassungsverfahren federf\u00fchrend und spielt zudem im System der dezentralen Zulassung, auch System der gegenseitigen Anerkennung genannt (Mutual recognition), eine wichtige Rolle. Die Bedeutung der EU-Zulassung ragt \u00fcber die Grenzen der derzeit 15 Mitgliedsstaaten der Union hinaus: weitere europ\u00e4ische Staaten nutzen EMEA-Entscheidungen als Basis f\u00fcr ihre nationalen Zulassungsentscheide, erhalten aber keinen Zugang zu den dort vorliegenden Studien (1).<\/p>\n<p>Ma\u00dfstab f\u00fcr die Bewertung des Beh\u00f6rdenhandelns sollte der Nutzen f\u00fcr und die Sicherheit der Patienten sein. So kann als Ma\u00dfstab gelten, was A. Herxheimer f\u00fcr die Ausrichtung medizinischer Forschung postuliert hat (2): Das prim\u00e4re Ziel ist die Verbesserung der Gesundheit des Einzelnen und der Gesellschaft. Das bedeutet, da\u00df es f\u00fcr neue pharmazeutische Produkte einen klaren, unter verschiedenen Aspekten begr\u00fcndeten medizinischen Bedarf geben mu\u00df; au\u00dferdem m\u00fcssen sie me\u00dfbar bessere Ergebnisse f\u00fcr die Gesundheit bringen, als das vor ihrer Einf\u00fchrung m\u00f6glich war.<\/p>\n<p>Der CPMP und seine Arbeitsgruppen (Wirksamkeit, Qualit\u00e4t, Sicherheit, Biotechnologie und Pharmakovigilanz) haben in den vergangenen Jahren eine Vielzahl spezieller Leitlinien erarbeitet und verabschiedet, die in den verschiedenen Bewertungsverfahren angewendet werden sollen. In ihnen sind nicht nur Verfahrensweisen festgelegt, sondern z.B. auch Anforderungen an Belege zur Wirksamkeit eines bestimmten Wirkstoffs, an toxikologische Sicherheitsnachweise oder an Methoden zur Uberwachung nach der Zulassung.<\/p>\n<p>Weder Patienten noch Gesundheitspersonal spielen gegenw\u00e4rtig bei der Ausrichtung der zuk\u00fcnftigen Forschung eine bedeutende Rolle. Wesentlich schwerer wiegt aber, da\u00df weder die Gesellschaft noch die Fachleute, die therapieren, zum Zeitpunkt der Zulassung ausreichenden Zugang zu validen und zuverl\u00e4ssigen vergleichenden Informationen \u00fcber Wirksamkeit, Sicherheit, Vertr\u00e4glichkeit und Kosten verschiedener Therapien f\u00fcr eine bestimmte Krankheit haben.<\/p>\n<p>Dieser Mangel an Transparenz \u00fcber Arzneimittel wird durch die Geheimhatung der Pharmaindustrie und (auf Dr\u00e4ngen der Industrie) der meisten Zulassungsbeh\u00f6rden aufrecht erhalten. B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger stellen sich f\u00fcr medizinische Versuche und Untersuchungen zur Verf\u00fcgung und erm\u00f6glichen damit erst die Entwicklung neuer Medikamente. Die Gesellschaft hat Anspruch auf umfassende Informationen \u00fcber die Ergebnisse von Versuchen und damit \u00fcber die Sinnhaftigkeit von Medikamenten.<\/p>\n<p>Besonders bei neuen Arzneimitteln sind nicht nur vollst\u00e4ndige Informationen &#8211; einschlie\u00dflich vergleichender Untersuchungen &#8211; wichtig, sondern die Verbraucher m\u00fcssen ebenso wie die Verschreiber \u00fcber den Stellenwert eines Mittels in der Therapie und seine Anwendungsprinzipien aufgekl\u00e4rt werden. Ohne diese Aufkl\u00e4rung sind selbst Informationen schwer verst\u00e4ndlich, und das Mittel wird nicht optimal und sicher eingesetzt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><B>Welche Wege f\u00fchren zur Zulassung?<\/B> Auf drei verschiedenen Wegen kann ein Hersteller ein Arzneimittel auf den Markt bringen. Seit dem 1. Januar 1998 k\u00f6nnen nur noch die beiden ersten Verfahren zu einer EU-weiten Zulassung f\u00fchren.<\/p>\n<p>1. Das zentrale Verfahren (bei Biotech-Produkten vorgeschrieben; f\u00fcr andere neue Wirkstoffe mit bedeutendem therapeutischen Fortschritt m\u00f6glich). Hier entscheidet der CPMP, ob ein Antrag auf eine zentrale Zulassung gestellt werden kann.<br \/>2. Das dezentrale Verfahren (f\u00fcr alle anderen F\u00e4lle). Hier entscheidet zun\u00e4chst die nationale Beh\u00f6rde, die das Mittel als erstes zul\u00e4\u00dft, und der CPMP wird nur mit dem Antrag befa\u00dft, wenn keine einheitliche Auffassung \u00fcber die Zulassungsentscheidung besteht.<br \/>3. Das nationale Zulassungsverfahren (nur f\u00fcr Arzneimittel, die in einem einzigen EU-Land zugelassen werden sollen; unter bestimmten Bedingungen auch f\u00fcr Generika). Hier entscheidet die nationale Beh\u00f6rde.<\/p>\n<p>Nur zu den europ\u00e4ischen Verfahren sind die Zahlen relativ leicht zug\u00e4nglich (s. Tab. 1).<\/p>\n<p><B>Das zentrale Verfahren:<\/B> F\u00fcr biotechnologisch hergestellte Arzneimittel ist das zentrale Verfahren obligatorisch (sog. Part-A-Produkte). Als Kriterium gilt das Herstellungsverfahren (rekombinante DNS-Technologie, monoklonale Antik\u00f6rper, Genver\u00e4nderungen an biologisch aktiven Proteinen). Voraussetzung f\u00fcr die Aufnahme in das wahlweise zentrale Verfahren (sog. Part-B-Produkte) ist, da\u00df das Arzneimittel eine &#8222;signifikante Innovation&#8220; bzw. von &#8222;signifikantem therapeutischem Interesse&#8220; ist.<\/p>\n<p>Das zentrale Verfahren wird von der EMEA in London durchgef\u00fchrt. Zwei Mitglieder des CPMP fungieren als verantwortliche und koordinierende Berichterstatter (Rapporteure). Alle Mitgliedstaaten werten die vom Hersteller eingereichten Unterlagen aus. Bestimmte externe Experten k\u00f6nnen hinzugezogen werden. Die Fachdiskussion \u00fcber die Zulassung findet im CPMP statt. Der CPMP setzt sich aus je zwei Vertretern aller EU-Mitgliedstaaten zusammen. Das zentrale Verfahren bietet f\u00fcr den Hersteller Vorteile: Der CPMP mu\u00df innerhalb von 210 Tagen zu einer abschlie\u00dfenden Bewertung kommen. Die EU-Kommission hat weitere 70 Tage Zeit. Formell erteilt letztlich die EU-Kommission f\u00fcr Wirtschaft die Zulassung, und das Mittel ist dann f\u00fcr den gesamten EU-Markt zugelassen.<\/p>\n<p>Entsprechend der gesetzlichen Regelung kann der erste Berichterstatter vom Hersteller vorgeschlagen werden; wer die Berichterstatter tats\u00e4chlich sind, entscheidet der CPMP. Da in der Zukunft die meisten Zulassungen im zentralen oder dezentralen EU-Verfahren durchgef\u00fchrt werden, entsteht faktisch eine Konkurrenz zwischen den nationalen Zulassungsbeh\u00f6rden, weil im zentralen Zulassungsverfahren ein Teil der Geb\u00fchreneinnahmen (25%) den nationalen Beh\u00f6rden f\u00fcr die Berichterstattert\u00e4tigkeit zukommt. Der CPMP versucht, die zentralen Zulassungsantr\u00e4ge gleich unter den Mitgliedstaaten zu verteilen.<\/p>\n<p>Die Bewertung von zentralen Zulassungsantr\u00e4gen in allen Mitgliedstaaten wird unterschiedlich beurteilt: Einige sehen in der nun stattfindenden &#8222;offenen Diskussion&#8220; (die Berichterstatter m\u00fcssen sich im CPMP der Diskussion mit Fachbeamten und Experten aus anderen L\u00e4ndern stellen) die M\u00f6glichkeit f\u00fcr eine Qualit\u00e4tssteigerung. Beh\u00f6rdenvertreter aus anderen L\u00e4ndern sehen diesen Wettlauf um die Berichterstatterposten im dezentralen Zulassungsverfahren eher kritisch: &#8222;Ich bin etwas besorgt, wenn ich sehe, wie Beh\u00f6rden wie die MCA (Medicines Control Agency = britische Zulassungsbeh\u00f6rde) sich selbst als die Schnellsten vermarkten, 65 Tage oder 54 Tage. Ich glaube, es ist schade, wenn wir als Beh\u00f6rden in einem Rennen antreten, das der Industrie vielleicht gef\u00e4llt, wir aber vergessen, warum es uns Beh\u00f6rden \u00fcberhaupt gibt. Beh\u00f6rden sind dazu da, da\u00df es nur sichere und wirksame Arzneimittel auf dem Markt gibt &#8211; zum Schutz der Verbraucher&#8220; (3).<\/p>\n<p>Ein weiteres Problem ist die Liste externer Experten, welche die EMEA hinzuziehen kann. Sie unterliegt keiner externen Qualit\u00e4tskontrolle; die EMEA hat einfach alle Personen aufgelistet, die von den Gesundheitsministerien bzw. Fachbeh\u00f6rden der Mitgliedsstaaten vorgeschlagen wurden. Zwar mu\u00dfte f\u00fcr alle benannten Experten die fachliche Qualifikation dokumentiert werden, und alle Experten mu\u00dften eine Erkl\u00e4rung abgeben, da\u00df sie keine finanziellen oder Arbeitsbeziehungen zur Industrie haben; diese Erkl\u00e4rungen k\u00f6nnen aber nur bei der EMEA in London eingesehen werden. Innerhalb von anderthalb Jahren machten nur 25 Personen von diesem Recht Gebrauch. Zum Vergleich: Im selben Zeitraum wurden die EMEA-Seiten im Internet mehr als 200000mal besucht (4).<\/p>\n<p><B>\u00d6ffentliche Informationen durch die EMEA:<\/B> W\u00e4hrend des Zulassungsprozesses werden von der EMEA alle Informationen geheimgehalten. Man erf\u00e4hrt nicht einmal, welche Substanzen sich im Proze\u00df befinden. Erst wenn die EU-Kommission die Zulassung beschlie\u00dft, wird ein sogenannter European Public Assessment Report (EPAR) ver\u00f6ffentlicht. Verglichen mit den Informationen, welche die meisten europ\u00e4ischen Zulassungsbeh\u00f6rden geben, ist der EPAR ein echter Fortschritt. Dennoch bleiben die lnformationsm\u00f6glichkeiten im Vergleich mit den USA relativ gering. Dort wird die wissenschaftliche Diskussion, die zur Zulassung f\u00fchrt, komplett \u00f6ffentlich gemacht.<\/p>\n<p><B>Was enth\u00e4lt der EPAR?<\/B> Er fa\u00dft die wissenschaftliche Diskussion des CPMP auf typischerweise 7 bis 12 Seiten zusammen. Im Anhang befinden sich vor allem die Summary of Product Characteristics (SPC), eine Fachinformation f\u00fcr Verschreiber, und das Package Leaflet, der Beipackzettel f\u00fcr Patienten.<\/p>\n<p>Die EU-Gesetzgebung r\u00e4umt ein Recht auf mehr Informationen ein; eigentlich m\u00fc\u00dfte der gesamte Assessment Report des CPMP nach Schw\u00e4rzung der Gesch\u00e4ftsgeheimnisse jedermann zug\u00e4nglich sein (5). W\u00e4hrend der EPAR nur eine Kurzfassung des Assessment Report darstellt, funktioniert die Schw\u00e4rzung, und das offensichtlich mit zweifelhafter Beteiligung der Industrie. So ergab eine Untersuchung \u00fcber Geheimhaltung, da\u00df Informationen in den EPAR auf Verlangen des Herstellers einfach weggelassen werden (6).<\/p>\n<p>Von verschiedenen Seiten wurde Kritik an der Unvollst\u00e4ndigkeit und Inkonsistenz der EPAR ge\u00e4u\u00dfert (7, 8, 9). Die International Society of Drug Bulletins (ISDB), der auch der ARZNEIMITTELBRIEF angeh\u00f6rt, hat die Qualit\u00e4t von neun EPAR analysiert (10). Trotz einer internen EMEA-Richtlinie sehen die EPAR \u00e4u\u00dferst unterschiedlich aus. Einige wichtige Kritikpunkte werden im folgenden aufgef\u00fchrt.<\/p>\n<p><I>Wissenschaftliche Diskussion: <\/I>Der EPAR sollte die wissenschaftliche Diskussion widerspiegeln, die zur Entscheidung gef\u00fchrt hat; dies ist aber nicht immer der Fall. Diese Undurchsichtigkeit wird auch in einem &#8222;Viewpoint&#8220;-Artikel im Lancet von J. Abraham und G. Lewis beklagt (11). Manchmal wurde nur die Wirkweise des betreffenden Arzneimittels beschrieben. In anderen EPAR wurden die Krankheit und die Behandlungsziele beschrieben oder epidemiologische Daten genannt. Niemals wurde mit Quellenangabe auf den derzeitigen Stand der Therapie verwiesen. Oft entsteht der Eindruck, da\u00df bereits publizierte Studien beim Entscheidungsproze\u00df nicht ber\u00fccksichtigt wurden oder da\u00df Studienergebnisse falsch oder \u00fcberinterpretiert wurden. Eigentlich m\u00fc\u00dfte aus dem EPAR klar hervorgehen, welche Studien f\u00fcr die Entscheidung benutzt wurden. Ebenso m\u00fc\u00dften nicht ber\u00fccksichtigte Studien mit Ausschlu\u00dfgrund erw\u00e4hnt werden.<\/p>\n<p><I>Quellenangaben: <\/I>In den EPAR werden in der Regel keine Quellen zu den dem CPMP vorliegenden Studien angegeben. Das macht es schwierig, die wissenschaftliche Diskussion nachzuvollziehen und ver\u00f6ffentlichte Studien zu identifizieren. Der Hersteller ist zwar verpflichtet, der EMEA bzw. dem CPMP alle Studien vorzulegen; es ist aber unklar, ob es irgendwelche Sanktionen gibt, wenn ein Hersteller dies unterl\u00e4\u00dft. In den USA ist das der Fall.<\/p>\n<p><I>Indikation: <\/I>Oftmals werden die Indikationen vor der wissenschaftlichen Diskussion der Daten genannt Es bleibt dann unklar; ob es sich um die vom Hersteller gew\u00fcnschten oder die von der EMEA genehmigten Anwendungsbereiche handelt. Dies kann zu einer Verschreibung der Mittel au\u00dferhalb der genehmigten Indikationen f\u00fchren. Es tr\u00fcge zur Klarheit bei, wenn am Anfang des EPAR &#8211; unmi\u00dfverst\u00e4ndlich gekennzeichnet &#8211; die vom Hersteller gew\u00fcnschten Indikationen erw\u00e4hnt werden und am Schlu\u00df die genehmigten. Das k\u00f6nnte einen unangemessenen Gebrauch des Mittels und auch weitere Studien (und damit Risiken f\u00fcr Versuchspersonen) an Patientengruppen verhindern, bei denen das Mittel nicht wirkt.<\/p>\n<p><I>Qualit\u00e4t der Entscheidungen: <\/I>Aufgrund der relativ sp\u00e4rlichen Informationen, die ein EPAR gibt, kann die Qualit\u00e4t der Entscheidungen nur begrenzt bewertet werden. Doch lassen EPAR und publizierte Studien manche Entscheidungen der EMEA bedenklich erscheinen. Vor allem fehlen oft methodisch akzeptable vergleichende Bewertungen mit bereits existierenden Therapien. Diese sind aber unabdingbar, um den Wert eines neuen Arzneimittels beurteilen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><B>Das dezentrale Verfahren:<\/B> Im dezentralen Verfahren beantragt der Hersteller in einem EU-Mitgliedsstaat (Reference member state) die Zulassung (12). Dieser mu\u00df innerhalb von 210 Tagen (Bearbeitungszeit der Beh\u00f6rde) \u00fcber die Zulassung entscheiden. Danach kann der Hersteller dann gleichzeitig in beliebig vielen Mitgliedsstaaten (Concerned member state[s]) die Zulassung verlangen. Sie mu\u00df innerhalb von 90 Tagen gew\u00e4hrt werden, es sei denn, der Concerned member state sieht in dem Medikament ein Risiko f\u00fcr die \u00f6ffentliche Gesundheit. In diesem Fall beginnt ein Schlichtungsverfahren (Arbitration) vor dem CPMP, das mit einem f\u00fcr alle Mitgliedsstaaten bindenden Beschlu\u00df der EU-Kommission endet (13).<\/p>\n<p>Ohne Rechtsgrundlage versucht die Mutual Recognition Facilitating Group (MRFG), die Abl\u00e4ufe des dezentralen Verfahrens besser zu koordinieren. Der Vorsitz rotiert unter den beteiligten Beh\u00f6rden (zur Zeit \u00d6sterreich), Treffen finden in den R\u00e4umen der EMEA parallel zu den Treffen des CPMP statt.<\/p>\n<p>Gegenw\u00e4rtig ist das dezentrale Verfahren f\u00fcr Au\u00dfenstehende v\u00f6llig undurchsichtig. Das einzige, was die \u00d6ffentlichkeit erf\u00e4hrt, ist die Zahl der in der Bearbeitung befindlichen und zugelassenen Arzneimittel sowie einige technische Verfahrenspapiere. Auf einem ISDB-EMEA Workshop bekundete der Vorsitzende der MRFG, da\u00df auch im dezentralen Verfahren Dokumente \u00f6ffentlich gemacht werden sollen, die den EPAR vergleichbar sind. Dabei wurde aber kein konkreter Zeitpunkt angegeben (14).<\/p>\n<p><B>Nationale Zulassung:<\/B> Seit Januar 1998 k\u00f6nnen nur noch Arzneimittel national zugelassen werden, die ausschlie\u00dflich in einem EU-Mitgliedsstaat verkauft werden sollen. Dies erh\u00e4lt den Raum f\u00fcr regionale Besonderheiten (und oft wohl auch f\u00fcr Irrationales). Einzige Ausnahme sind Generika, die auch eine nationale Zulassung bekommen k\u00f6nnen. Hintergrund ist die Schwierigkeit, da\u00df die Originalanbieter oft unterschiedliche Indikationen usw. in den Mitgliedsstaaten durchsetzen konnten. Dem Zweitanbieter bliebe dann im dezentralen Verfahren als Anwendungsbereich nur der kleinste gemeinsame Nenner der unterschiedlichen Zulassungen. Urspr\u00fcnglich war gedacht, da\u00df Generika-Anmeldungen in solchen F\u00e4llen stets zu einem Schlichtungsverfahren vor dem CPMP gef\u00fchrt h\u00e4tten (15). Da ein solches Vorgehen auch R\u00fcckwirkungen auf den Originalanbieter gehabt h\u00e4tte, wurde davon Abstand genommen. Damit wurde eine Chance zur Vereinheitlichung der Arzneimittelinformation in Europa verpa\u00dft.<\/p>\n<p><B>Risiko\u00fcberwachung:<\/B> Die \u00dcberwachung von Arzneimittelrisiken unterliegt bei zentral zugelassenen Arzneimitteln den nationalen Beh\u00f6rden, vor allem dem urspr\u00fcnglichen Berichterstatter. Die EMEA hat jedoch die Verfahrensf\u00fchrung. Mitgliedsstaaten und EMEA sind zur gegenseitigen Information verpflichtet. Detaillierte Vorschriften \u00fcber die Meldeverpflichtungen der Hersteller, der Beh\u00f6rden und der EMEA \u00fcber Arzneimittelrisiken (Nebenwirkungen) wurden erlassen und mit Vorschriften in den USA und Japan vereinheitlicht. Eine seit mehreren Jahren bestehende Verfahrensrichtlinie zur schnellen gegenseitigen Information \u00fcber neue Arzneimittelrisiken, die eine Neubewertung des Arzneimittels insgesamt notwendig machen, ist 1996 an die Verfahren der zentralen Zulassung angepa\u00dft worden (16). Die gesetzlich vorgeschriebene Datenbank bei der EMEA \u00fcber unerw\u00fcnschte Arzneimittelwirkungen von zentral zugelassenen Arzneimitteln wurde Ende 1997 fertig (17).<\/p>\n<p><B>Wo gibt es Informationen?<\/B> Dokumente der EMEA k\u00f6nnen abonniert werden, jedoch sind die Kosten betr\u00e4chtlich. Am einfachsten k\u00f6nnen Informationen kostenlos im Internet abgerufen werden, Adressen jeweils in <Klammern>. Gesetzliche Bestimmungen der EU im Arzneimittelbereich: <http:\/\/dg3.eudra.org>. Zentrales Zulassungsverfahren (EPAR, Presseerkl\u00e4rungen, Berichte der EMEA): <http:\/\/www.eudra.org\/emea.html>. Dezentrales Zulassungsverfahren (Statistik, Presseerkl\u00e4rungen): <http:\/\/heads.medagencies.org\/mrfg.htm>.<br \/><B><br \/>Literatur<\/p>\n<p><\/B>1. EMEA Directorate: Availability of EMEA Assessment Reports to Third Countries. London 8.11.1996.<br \/>2. Herxheimer, A.: Future Pharmaceutical Research, Development and Innovation in Europe. Unver\u00f6ffentlichtes Paper, Paris 12.7.1996.<br \/>3. Abraham, J., und Lewis, G.: The lnteraction between European Drug Regulation and Toxicological Science. Report to the UK Economic and Social Research Council. London, Juni 1997,18.<br \/>4. EMEA: Transparency and Openness &#8211; Public Access to EMEA Documentation. London, 3.7.1996.<br \/>5. Verordnung EWG Nr.2309\/93, Artikel 12, 4.<br \/>6. Abraham, J.W.: Int. J. Risk &#038; Safety in Medicine 1997, <B>10<\/B>, 143.<br \/>7. EMEA: Interim report on the consultation exercise on transparency and access to documents at the EMEA. London, 28. 4.1997.<br \/>8. Milner, P., et al.: Brit. Med. J. <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=9361566&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1997, <B>315<\/B>, 953<\/a>.<br \/>9. Abbasi, K., und Herxheimer, A.: Brit. Med. J. <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=9756800&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1998, <B>317<\/B>, 898<\/a>.<br \/>10. ISDB assessment of 9 European Public Assessment Reports. London 26.6.98.<br \/>11. Abraham, J., und Lewis, G.: Lancet <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=9708771&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1998, <B>352<\/B>, 480<\/a>.<br \/>12. Verordnung EWG Nr.93\/39.<br \/>13. EMEA Standard operating procedure (SOP), Arbitration under the Decentralized Procedure. EMEA\/SOP\/001 \/96. FINAL.<br \/>14. ISDB-EMEA Workshop. London 26.6.1998.<br \/>15. Schaaber, J.: Pharma-Brief 1997, <B>4<\/B>, 6.<br \/>16. Rapid Alert System (RAS) in Pharmacovigilance. June 1996, CPMP\/PhVWP\/005\/96.<br \/>17. EMEA: Third General Report, 49.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/nachrichten\/wp-content\/uploads\/1998\/12\/Abbildung-1998-89-1.gif\" alt=\"Abbildung 1998-89-1.gif\" class=\"table-figure\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zusammenfassung: Die nationale Zulassung von Arzneimitteln hat weitgehend ausgedient. 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