{"id":40120,"date":"1999-02-01T12:00:00","date_gmt":"1999-02-01T11:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/der-arzneimittelbrief.com\/artikel\/1999\/zur-diagnostik-und-therapie-der-refluxoesophagitis-konsensus-eines-expertengremiums"},"modified":"1999-02-01T12:00:00","modified_gmt":"1999-02-01T11:00:00","slug":"zur-diagnostik-und-therapie-der-refluxoesophagitis-konsensus-eines-expertengremiums","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/nachrichten\/zur-diagnostik-und-therapie-der-refluxoesophagitis-konsensus-eines-expertengremiums\/","title":{"rendered":"Zur Diagnostik und Therapie der Reflux\u00f6sophagitis. Konsensus eines Expertengremiums"},"content":{"rendered":"<p>Ein internationales Expertengremium, an dem auch R. Arnold aus Marburg teilnahm, tagte Ende 1997 an der Yale-Universit\u00e4t New Haven, USA. Im J. Clin. Gastroenterol. (<a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=9706764&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1998, <B>27<\/B>, 6<\/a>) wurde von S.F. Moss et al. \u00fcber die Ergebnisse berichtet, die als der augenblickliche Stand des Wissens zu Diagnostik und Therapie der Reflux\u00f6sophagitis angesehen wurden.<\/p>\n<p>Die Reflux\u00f6sophagitis wird immer h\u00e4ufiger diagnostiziert, sei es, weil die Erkrankung wirklich h\u00e4ufiger wird, sei es, weil h\u00e4ufiger endoskopiert wird, oder weil Medikamente zur Verf\u00fcgung stehen, die eine effektive Therapie m\u00f6glich machen und daher auch die Herstellerfirmen das \u00f6ffentliche Interesse auf diese Erkrankung lenken. Ursache der Erkrankung ist eine St\u00f6rung im Schlie\u00dfmechanismus des unteren \u00d6sophagussphinkters, die in h\u00f6herem Lebensalter zunimmt. Eine Hiatushernie st\u00f6rt den \u00d6sophagusverschlu\u00df nicht dadurch, weil die Zwerchfellschenkel ihn nicht mehr umschlie\u00dfen, sondern weil Mechanorezeptoren im dislozierten Fundus sich reflektorisch st\u00f6rend auf den \u00d6sophagusverschlu\u00df auswirken. Neuere Studie haben gezeigt, da\u00df 50% der Neurone, die den unteren \u00d6sophagus nerval versorgen, Stickoxid (NO) freisetzen k\u00f6nnen und dadurch die Relaxation des Sphinkters bewirken. Es verwundert also nicht, da\u00df Nitropr\u00e4parate auch \u00d6sophagusspasmen l\u00f6sen k\u00f6nnen. Eine Hypersekretion von S\u00e4ure ist nicht die Ursache der Erkrankung. Andere lnhaltsstoffe der Reflux-Fl\u00fcssigkeit, z.B. Pepsin, Gallens\u00e4ure und Lysolecithin, sind von gr\u00f6\u00dferer Bedeutung. Trotzdem ist die Suppression der S\u00e4uresekretion eine sehr effektive Behandlung. Pantoprazol 40 mg\/d oder Lansoprazol 30 mg\/d sind etwas wirksamer als Omeprazol 20 mg\/d. Dennoch haben ca. 10% der Patienten trotz dieser Behandlung nach zwei Monaten noch Beschwerden. Dann m\u00fcssen die Dosis gesteigert oder operative Verfahren angewandt werden. Eine Helicobacter-Besiedelung der Magenschleimhaut tr\u00e4gt nicht zur Entwicklung der Reflux\u00f6sophagitis bei, im Gegenteil: in Japan nimmt die Reflux\u00f6sophagitis zu, w\u00e4hrend die H\u00e4ufigkeit der Helicobacter-lnfektion der Magenschleimhaut zur\u00fcckgeht.<\/p>\n<p>Eine besondere Form der \u00d6sophagitis findet sich beim Barrett-\u00d6sophagus. Es handelt sich dabei um eine \u00d6sophagitis mit Epithelanomalien, Magen- und Darmschleimhautinseln, Geschw\u00fcren und Schrumpfungsprozessen, die je nach der H\u00e4ufigkeit von Zellatypien als Pr\u00e4kanzerose angesehen wird. Regelm\u00e4\u00dfige Kontrolluntersuchungen sind erforderlich, um Patienten zu erkennen, die besonders gef\u00e4hrdet sind, ein Karzinom zu entwickeln. Es besteht aber noch keine Einigkeit dar\u00fcber, in welchem zeitlichen Abstand die Kontrollendoskopien erfolgen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Ein etwas kompliziertes Ablaufschema zu Diagnostik und Therapie (Abb. 1) wurde f\u00fcr die Praxis entwickelt. Die Behandlung der Reflux\u00f6sophagitis dauert Monate bis Jahre. Internisten, Gastroenterologen, Chirurgen und Pathologen sind daran beteiligt. Am Anfang stehen die Anamnese und die klinische Untersuchung. Nur wenn sogenannte Alarmsymptome (Schluckst\u00f6rungen, An\u00e4mie, Gewichtsverlust) auftreten oder Schmerzen bestehen, die auf Antazida nicht ansprechen oder die Symptomatik erstmals jenseits des 50. Lebensjahres beginnt, ist eine sofortige Endoskopie notwendig. Bei allen anderen Patienten ist die Standardtherapie ausreichend, n\u00e4mlich Anheben des Kopfendes des Bettes, Vermeiden von Speisen, die Sodbrennen ausl\u00f6sen und die zus\u00e4tzliche gelegentliche Einnahme von Antazida. Bei unzureichender Wirkung sind H<sub>2<\/sub>-Rezeptor-Antagonisten oder Protonenpumpenhemmer angezeigt. Sind Schluckst\u00f6rungen ein wesentlicher Teil des Syndroms, kann auch Cisaprid zus\u00e4tzlich notwendig sein. In der Regel wird erst endoskopiert, wenn diese Ma\u00dfnahmen nicht helfen. Aber auch die Meinung, da\u00df jeder Patient mit Reflux mindestens einmal im Leben endoskopiert werden sollte, ist vertretbar. Der endoskopische Befund entscheidet \u00fcber den Schweregrad der Osophagitis und damit \u00fcber die Dosierung der s\u00e4urehemmenden Medikamente. Ein Barrett-\u00d6sophagus mu\u00df in besonderer Weise nachbeobachtet werden. Andere Formen der Reflux\u00f6sophagitis werden so behandelt, wie es die Grundkrankheit verlangt. Bei der Endoskopie wird auch nach einer m\u00f6glichen Infektion mit Helicobacter pylori gefahndet. Infizierte Patienten sollen eine Eradikationsbehandlung und nicht nur S\u00e4urehemmer erhalten. Liegt kein Barrett-\u00d6sophagus vor, kann sich die Intensit\u00e4t der Therapie nach den Beschwerden richten. Die Meinung des Expertengremiums ging einheitlich dahin, da\u00df ein Protonenpumpenhemmer das Mittel der Wahl ist. Manchmal m\u00fcssen hohe Dosen gegeben werden, z.B. Pantoprazol 40 mg\/d, Lansoprazol 30 mg\/d oder Omeprazol 2mal 20 mg\/d. Auch diese Dosierungen m\u00fcssen manchmal noch erh\u00f6ht werden. Die zus\u00e4tzliche Gabe von Cisaprid hat nur geringen Effekt. Ist die gew\u00e4hlte Dosis erfolgreich, sollte sie f\u00fcr etwa drei Monate beibehalten werden; danach erst kann der Versuch gemacht werden, sie wieder zu verringern. Auf Wechselwirkungen zwischen diesen und anderen Medikamenten, die bei den h\u00e4ufig polymorbiden, \u00e4lteren Menschen angewandt werden, ist zu achten.<\/p>\n<p>Chirurgische Ma\u00dfnahmen werden vor allem bei j\u00fcngeren Patienten empfohlen und solchen, die nicht lebenslang wegen der Beschwerden Arzneimittel einnehmen wollen. Die laparoskopische Fundoplicatio hat sich gegen die offene Chirurgie durchgesetzt. Es war die \u00fcbereinstimmende Meinung aller Konferenzteilnehmer, da\u00df f\u00fcr den Erfolg einer Operation die Erfahrung des Chirurgen wichtiger ist als die angewandte Technik. Es ist nicht belegt, da\u00df eine Vagotomie als Erg\u00e4nzung eines Operationsverfahrens die Erfolgsaussicht erh\u00f6ht. Bei Menschen \u00fcber 60 Jahren ist das Operationsrisiko wahrscheinlich gr\u00f6\u00dfer als der Nutzen, der im Vergleich zur konservativen Therapie erzieIt werden kann.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/nachrichten\/wp-content\/uploads\/1999\/02\/Abbildung-1999-9-1.gif\" alt=\"Abbildung 1999-9-1.gif\" class=\"table-figure\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein internationales Expertengremium, an dem auch R. Arnold aus Marburg teilnahm, tagte Ende 1997 an der Yale-Universit\u00e4t New Haven, USA. Im J. Clin. Gastroenterol. 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