{"id":40131,"date":"1999-03-01T12:01:00","date_gmt":"1999-03-01T11:01:00","guid":{"rendered":"https:\/\/der-arzneimittelbrief.com\/artikel\/1999\/behandlung-der-hyperthyreose-in-der-schwangerschaft"},"modified":"1999-03-01T12:01:00","modified_gmt":"1999-03-01T11:01:00","slug":"behandlung-der-hyperthyreose-in-der-schwangerschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/nachrichten\/behandlung-der-hyperthyreose-in-der-schwangerschaft\/","title":{"rendered":"Behandlung der Hyperthyreose in der Schwangerschaft"},"content":{"rendered":"<p>Im British Medical Journal (<a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=9872862&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1999, <B>318<\/B>, 5<\/a>) findet sich ein lesenswerter kurzer Artikel von M.J. O Doherty et al. aus London und Newcastle, in dem aufgrund zitierter Literatur Richtlinien f\u00fcr die Behandlung einer Hyperthyreose w\u00e4hrend der Schwangerschaft mitgeteilt werden. Etwa 0,2% schwangerer Frauen haben eine Hyperthyreose. Eine unbehandelte Hyperthyreose kann zu einer betr\u00e4chtlichen fetalen Morbidit\u00e4t und Mortalit\u00e4t f\u00fchren. Auf der anderen Seite kann eine falsch durchgef\u00fchrte medikament\u00f6se Therapie der Hyperthyreose zur Hypothyreose und Kropfbildung beim Fetus f\u00fchren, da Thyreostatika (Thionamide wie Propylthiouracil, Methimazol\/Thiamazol und Carbimazol) \u00fcber die Plazenta auf das Kind \u00fcbergehen. Thyroxin geht jedoch nur in geringer Menge von der Mutter auf das Kind \u00fcber. Die verbreitete Annahme, da\u00df Propylthiouracil die Plazenta weniger durchdringt als Carbimazol und Methimazol, ist nicht gesichert. Folglich k\u00f6nnen alle drei Thionamide in der Schwangerschaft eingesetzt werden. Die Dosis des Thyreostatikums soll so niedrig gehalten werden, da\u00df die Mutter gerade eben euthyreot ist. Die Behandlung mit h\u00f6heren Dosen Thyreostatika und zus\u00e4tzliche Gabe von Thyroxin, um eine Hyperthyreose zu verhindern, ist kontraindiziert, da hierdurch die Hypothyreoserate beim Fetus deutlich erh\u00f6ht wird. Mit Fortschritt der Schwangerschaft bei einer hyperthyreoten Frau nimmt der Schweregrad der Hyperthyreose oft ab, so da\u00df TSH und Schilddr\u00fcsenhormone (freies T3 und T4) mindestens einmal pro Monat kontrolliert werden m\u00fcssen, um eine \u00dcbertherapie zu vermeiden.<\/p>\n<p>Gelegentlich ist auch \u00fcber teratogene Effekte von Thyreostatika berichtet worden. Es wurden Kopfhautdefekte und Aplasien der Haut insgesamt beobachtet. Eine k\u00fcrzlich durchgef\u00fchrte Studie an 643 Neugeborenen von hyperthyreoten Frauen ergab jedoch keinen Fall von Aplasia cutis. Angeborene Fehlbildungen waren wesentlich h\u00e4ufiger bei Frauen mit unbehandelter Hyperthyreose (6%) als bei solchen, die mit Methimazol behandelt wurden (0,5%).<\/p>\n<p>Eine Radiojodtherapie sollte niemals w\u00e4hrend der Schwangerschaft durchgef\u00fchrt werden. Geschieht sie unbeabsichtigt bei nicht bekannter Fr\u00fchschwangerschaft, dann ist die Auswirkung vor der 10. SSW gering, weil die fetale Schilddr\u00fcse noch kein Jod konzentrieren kann, w\u00e4hrend bei sp\u00e4terer Radiojod-Applikation mit einer Ablation der Schilddr\u00fcse gerechnet werden mu\u00df. Die allgemeine toxische Wirkung der mit der Gabe von <sub>131<\/sub>Jod verbundenen Bestrahlung des Fetus ist gering und weit unter der Dosis, die zu Fehlbildungen beim Fetus f\u00fchrt. Dies mag anders sein bei h\u00f6heren Strahlendosen, wie sie z.B. zur Behandlung des Schilddr\u00fcsenkarzinoms verwendet werden.<\/p>\n<p>Da Jod in der Muttermilch konzentriert wird, mu\u00df eine Frau, die postpartal einer Radiojodtherapie bedarf, unbedingt abstillen. Wegen der Gammastrahlung nach au\u00dfen soll die Mutter auch f\u00fcr 3 Wochen keinen nahen Kontakt mit dem Kind haben. Bedarf eine Frau w\u00e4hrend der Stillperiode der Behandlung mit Thyreostatika, dann sind Propylthiouracil oder Carbimazol der Behandlung mit Methimazol unbedingt vorzuziehen, da von letzterem ein viel gr\u00f6\u00dferer Anteil in die Muttermilch eintritt.<\/p>\n<p><B>Fazit:<\/B> Eine Hyperthyreose in der Schwangerschaft mu\u00df in jedem Fall mit der kleinsten Dosis Thyreostatika, die zur Euthyreose f\u00fchrt, behandelt werden. Bei einer so behandelten Schwangerschaft sind negative Folgen f\u00fcr den Fetus nicht zu erwarten, w\u00e4hrend die negativen Folgen einer unbehandelten Hyperthyreose w\u00e4hrend der Schwangerschaft gravierend sein k\u00f6nnen. W\u00e4hrend des Stillens darf nicht mit Methimazol, wohl aber mit Propylthiouracil und Carbimazol behandelt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im British Medical Journal (1999, 318, 5) findet sich ein lesenswerter kurzer Artikel von M.J. O Doherty et al. aus London und Newcastle, in dem aufgrund zitierter Literatur Richtlinien f\u00fcr die Behandlung einer Hyperthyreose w\u00e4hrend der Schwangerschaft mitgeteilt werden. Etwa 0,2% schwangerer Frauen haben eine Hyperthyreose. 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