{"id":40143,"date":"1999-02-01T12:08:00","date_gmt":"1999-02-01T11:08:00","guid":{"rendered":"https:\/\/der-arzneimittelbrief.com\/artikel\/1999\/lnterferon-beta-therapie-der-multiplen-sklerose"},"modified":"1999-02-01T12:08:00","modified_gmt":"1999-02-01T11:08:00","slug":"lnterferon-beta-therapie-der-multiplen-sklerose","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/nachrichten\/lnterferon-beta-therapie-der-multiplen-sklerose\/","title":{"rendered":"lnterferon-beta-Therapie der Multiplen Sklerose"},"content":{"rendered":"<p>In einer fr\u00fcheren Ausgabe des AMB haben wir \u00fcber die zur Zulassung von Interferon-beta f\u00fchrenden Studien bei Multipler Sklerose vom rezidivierend-remittierenden Typ berichtet (1). Im Lancet erschienen jetzt zwei Arbeiten, in denen \u00fcber die Therapie mit Interferon beta-1b bzw. Interferon beta-1a berichtet wird. Ziel der ersten, von der Schering AG mitfinanzierten Studie war die Beantwortung der Frage, ob der Einsatz von Interferon beta-1b auch bei der sogenannten sekund\u00e4r-progressiven Form der MS (SP-MS) wirksam ist. Bei dieser Krankheitsform nimmt die residuelle Symptomatik nach jedem Krankheitsschub etwas zu, oder sie ist nach anf\u00e4nglichen Sch\u00fcben mit voller Remission ohne weitere Sch\u00fcbe langsam progredient. Die Studie wurde von der European Study Group on Interferon beta-1b unter der Autorschaft von L. Kappos et al. aus Basel durchgef\u00fchrt (2). In diese multizentrische, randomisierte, plazebokontrollierte Untersuchung wurden etwas mehr als 700 Patienten mit SP-MS eingeschlossen. Nach initialer Evaluierung des Behinderungs-Scores erhielten die Patienten entweder 8 Mio. IE Interferon beta-1b jeden zweiten Tag s.c. oder Plazebo 3 Jahre lang. Wichtigster Endpunkt war die Progression des Behinderungs-Scores. 358 Patienten erhielten Plazebo und 360 Interferon beta-1b. 31 Patienten der Plazebo-Gruppe und 26 der Interferon-Gruppe gingen f\u00fcr die Nachbeobachtung verloren. Es fand sich eine hochsignifikante Differenz in der Zeit bis zum Eintritt einer bewiesenen Progression der Erkrankung zugunsten der Interferon beta-1b-Gruppe (p = 0,0008). In der 2- bis 3-Jahre-Nachbeobachtung retardierte Interferon beta-1b die Progression um 9 bis 12 Monate. Dieser Effekt war sowohl bei Patienten mit \u00fcberlagernden Krankheitssch\u00fcben als auch bei Patienten ohne solche Sch\u00fcbe zu sehen. Auch im Hinblick auf die Notwendigkeit, einen Rollstuhl zu benutzen, die H\u00e4ufigkeit und den Schweregrad von Krankheitssch\u00fcben, die Zahl von Steroid-Behandlungs-Episoden war Interferon beta-1b dem Plazebo \u00fcberlegen. Die Studie wurde abgebrochen, als die deutliche \u00dcberlegenheit von Interferon beta-1b klar wurde.<\/p>\n<p>In einer weiteren Studie, die von der Fa. Ares-Serono mitfinanziert wurde, untersuchte die PRISMS-Study-Group unter der Autorschaft von G.C. Ebers et al. aus London (3) den Effekt von Interferon beta-1a auf die rezidivierend\/remittierende Form der MS. In einer fr\u00fcheren Studie waren die Behandlungsergebnisse mit diesem Interferon, das dem menschlichen Interferon beta \u00e4hnlicher ist als Interferon beta-1b, nicht so deutlich wie die Ergebnisse mit dem Medikament von Schering. In der jetzt mitgeteilten Studie sollte au\u00dferdem untersucht werden, ob eine Dosis-Wirkungsbeziehung besteht. 560 Patienten mit rezidivierend\/remittierender Form der MS wurden in einer multizentrischen Studie in 3 Gruppen randomisiert. Sie erhielten entweder 3mal\/Woche Plazebo oder 22 bzw. 44 \u00b5g Interferon beta-1a s.c. Sie wurden alle 3 Monate klinisch untersucht, und die Progression der Erkrankung im MRT wurde \u00fcber 2 Jahre verfolgt. Die Daten von 95% der Patienten konnten nach 2 Jahren ausgewertet werden. Die Rezidivrate war nach 1 und 2 Jahren mit beiden Dosen Interferon beta-1a geringer als in der Plazebo-Gruppe (im Mittel 2,56 Sch\u00fcbe in der Plazebo-Gruppe; 1,82 nach 22 \u00b5g Interferon und 1,73 Sch\u00fcben nach 44 \u00b5g 3mal\/Woche). Die Zeit bis zum Auftreten des ersten Schubes wurde im Vergleich mit der Plazebo-Gruppe um 3 bzw. 5 Monate mit 22 bzw. 44 \u00b5g Interferon verl\u00e4ngert. Beide Therapie-Effekte waren signifikant. Die Unterschiede zwischen den beiden Interferon-Dosen erreichten jedoch keine Signifikanz. Die Zahl der Aktivit\u00e4tsherde im MRT des Gehirns war unter Interferon-Therapie signifikant geringer als nach Plazebo. Die Autoren sch\u00e4tzen den therapeutischen Effekt von Interferon beta-1a mit dem von Interferon beta-1b vergleichbar ein, glauben jedoch, Anhaltspunkte daf\u00fcr zu finden, da\u00df Nebenwirkungen, z.B. Entz\u00fcndungsreaktionen an der lnjektionsstelle, weniger h\u00e4ufig als nach Interferon beta-1b auftreten.<\/p>\n<p>In einem begleitenden Editorial von D.E. Goodkin aus San Francisco (4) werden beide Arbeiten kommentiert. Zun\u00e4chst erl\u00e4utert der Autor in einem anschaulichen Diagramm die Nomenklatur der verschiedenen Progressionsformen der MS. Beide Interferone werden als wirksam bezeichnet, doch scheint es noch zu fr\u00fch, Differentialindikationen f\u00fcr das eine oder andere Interferon bei verschiedenen Verlaufsformen der MS zu nennen. Bei der Therapie mit beiden Substanzen k\u00f6nnen neutralisierende Antik\u00f6rper auftreten, deren Bedeutung f\u00fcr die klinische Wirksamkeit noch ungewi\u00df ist.<\/p>\n<p><B>Fazit:<\/B> Interferon beta-1a und beta-1b sind bei der rezidivierend\/remittierenden Form der MS wirksam. F\u00fcr Interferon beta-1b wurde jetzt auch ein g\u00fcnstiger Effekt im Vergleich mit Plazebo bei der sekund\u00e4r-progressiven Form der MS gezeigt.<\/p>\n<p><B>Literatur<\/p>\n<p><\/B>1. <a href=\"http:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/de\/Artikel.aspx?SN=5916\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">AMB 1998, <B>32<\/B>, 9<\/a>.<br \/>2. Kappos, L., et al. (European Study Group on Interferon beta-1b): Lancet <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=9820296&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1998, <B>352<\/B>, 1491<\/a>.<br \/>3. Ebers, G.C., et al. (<B>P<\/B>revention of <B>R<\/B>elapses and disability by <B>I<\/B>nterferon beta-1a <B>S<\/B>ubcutaneously in <B>M<\/B>ultiple sclerosis <B>S<\/B>tudy = PRISMS): Lancet <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=9820297&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1998, <B>352<\/B>, 1498<\/a>.<br \/>4. Goodkin, D.F.: Lancet <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=9820292&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1998, <B>352<\/B>, 1486<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einer fr\u00fcheren Ausgabe des AMB haben wir \u00fcber die zur Zulassung von Interferon-beta f\u00fchrenden Studien bei Multipler Sklerose vom rezidivierend-remittierenden Typ berichtet (1). Im Lancet erschienen jetzt zwei Arbeiten, in denen \u00fcber die Therapie mit Interferon beta-1b bzw. Interferon beta-1a berichtet wird. 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