{"id":40148,"date":"1999-05-01T12:00:00","date_gmt":"1999-05-01T10:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/der-arzneimittelbrief.com\/artikel\/1999\/neuere-thrombozytenfunktionshemmer-superaspirine"},"modified":"1999-05-01T12:00:00","modified_gmt":"1999-05-01T10:00:00","slug":"neuere-thrombozytenfunktionshemmer-superaspirine","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/nachrichten\/neuere-thrombozytenfunktionshemmer-superaspirine\/","title":{"rendered":"Neuere Thrombozytenfunktionshemmer &#8211; &#8222;Superaspirine&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Die Hemmung der Thrombozytenfunktion ist ein zentraler pharmakologischer Ansatzpunkt in der Behandlung arteriosklerotischer Gef\u00e4\u00dferkrankungen. Aktivierte Thrombozyten sind nicht nur an der akuten Bildung von Blutgerinnseln, sondern auch ma\u00dfgeblich bei der Entz\u00fcndungsreaktion und bei der Heilung von Gef\u00e4\u00dfl\u00e4sionen beteiligt. Somit hat die Hemmung der Thrombozytenfunktion nicht nur eine Bedeutung in der Prophylaxe thrombotischer Gef\u00e4\u00dfverschl\u00fcsse, sondern auch in der Prophylaxe entz\u00fcndlicher und narbiger Stenosierungen, z.B. nach koronarer Ballondilatation.<\/p>\n<p>Neben der bew\u00e4hrten und hochwirksamen Azetylsalizyls\u00e4ure (ASS) sind in den vergangenen Jahren Substanzen entwickelt worden, die anders wirken und zum Teil noch effektiver sind als ASS. Diese Substanzen sind nicht nur als ein Ersatz bei Unvertr\u00e4glichkeit von ASS anzusehen. Da ASS die Thrombozytenaggregation auch in hohen Dosierungen nur unvollst\u00e4ndig hemmt, ist in bestimmten Situationen eine Kombinationsbehandlung mit anderen Hemmstoffen sinnvoll.<\/p>\n<p>Zum Verst\u00e4ndnis der Funktionsweisen der Thrombozytenfunktionshemmer soll kurz und vereinfacht der Weg der Thrombozytenaktivierung erl\u00e4utert werden (s. Abb. 1). Dieser Proze\u00df wird durch Aktivatorsubstanzen eingeleitet. Sie binden an Rezeptoren der Thrombozytenoberfl\u00e4che. Die wichtigsten Aktivatoren sind: Thrombin, Kollagen, von Willebrand-Faktor, Thromboxan A<sub>2<\/sub>, ADP, Adrenalin, Vasopressin und Serotonin. Sie werden aus L\u00e4sionen der Gef\u00e4\u00dfwand, z.B. einem rupturierten Plaque, freigesetzt oder entstammen aus bereits aktivierten Thrombozyten. Nach Bindung an den Rezeptor werden Stoffwechselwege in den Thrombozyten aktiviert (Adenlylatzyklase, Proteinkinase A und C). Es resultieren drei wichtige intrazellul\u00e4re Ver\u00e4nderungen:<\/p>\n<p>1. Es kommt zu Form\u00e4nderungen des Zytoskeletts und der Oberfl\u00e4che des Thrombozyten; er wird adh\u00e4siv.<br \/>2. Aus den alpha-Granula werden Mediatoren freigesetzt. Dabei handelt es sich um entz\u00fcndungs- und proliferationsf\u00f6rdernde Substanzen (PDGF, Serotonin, u.a.) und um thrombozytenaktivierende Faktoren (ADP, Thromboxan A<sub>2<\/sub> u.a.).<br \/>3. Es kommt zu \u00c4nderungen der Konfiguration bzw. zur Expression von Membranrezeptoren, die der Thrombozytenadh\u00e4sion dienen (Glykoprotein GP Ib und GP IIb\/IIIa).<\/p>\n<p>Die ersten aktivierten Thrombozyten haften \u00fcber ihren GP-Ib-Rezeptor an der L\u00e4sion der Gef\u00e4\u00dfwand. Die Verbindung wird \u00fcber den von Willebrand-Faktor und \u00fcber Fibronektin-Br\u00fccken hergestellt. An diesen ersten &#8222;Thrombozytenrasen&#8220; lagern sich weitere aktivierte Thrombozyten an. Die Vernetzung dieser Thrombozyten erfolgt \u00fcber den GP-IIb\/IIIa-Rezeptor und Fibrinogen- bzw. von Willebrand-Faktor-Br\u00fccken. Schlie\u00dflich entsteht ein stabiler wei\u00dfer Thrombus.<\/p>\n<p>Diese Prozesse lassen sich an verschieden Punkten pharmakologisch beeinflussen. ASS bewirkt \u00fcber die Hemmung des Enzyms Zyklooxygenase (COX-1-Isoform) eine Verminderung der Thromboxan A<sub>2<\/sub>-Synthese. Dypiridamol hemmt die thrombozyt\u00e4re Phosphodiesterase und damit die Adenylatzyklase-vermittelten intrazellul\u00e4ren Effekte. Trapidil wirkt auf die ADP- und Thromboxan-vermittelte Thrombozytenaktivierung und gef\u00e4\u00dfrelaxierend durch Stimulation der Prostazyklinsynthese. Sowohl f\u00fcr Dipyridamol als auch f\u00fcr Trapidil ist ein klinischer Nutzen belegt (s. <a href=\"http:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/de\/Artikel.aspx?SN=5941\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">AMB 1998, <B>32<\/B>, 59<\/a>; <a href=\"http:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/de\/Artikel.aspx?SN=6001\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">84<\/a>; <a href=\"http:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/de\/Artikel.aspx?SN=6008\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">88b<\/a>). Beide Substanzen haben aber keine gro\u00dfe klinische Bedeutung erlangt, da ihre Vorteile gegen\u00fcber ASS marginal sind.<\/p>\n<p>Trotz der in vielen Studien belegten effektiven Hemmung der Thrombozytenfunktion durch ASS bleiben die Blutpl\u00e4ttchen prinzipiell weiter aggregationsf\u00e4hig. Bei gen\u00fcgend hoher Konzentration von Aktivatorsubstanzen (ADP, Thrombin) kommt es auch unter ASS zur Pl\u00e4ttchenaggregation und zur Thrombose. Daher ist eine Kombinationbehandlung mit anderen Thrombozytenfunktionshemmern oder Antithrombinen (Heparin, Hirudin) in besonders thrombogenen Situationen (instabile Angina pectoris, intrakoronare Interventionen) sinnvoll. In der Prim\u00e4r- und Sekund\u00e4rprophylaxe arteriosklerotischer Erkrankungen bleibt ASS jedoch der Goldstandard (s. AMB 1993, <B>27<\/B>, 41).<\/p>\n<p>Die ADP-Rezeptor-Blocker Ticlopidin (Tiklyd) und Clopidogrel (Plavix) werden immer h\u00e4ufiger eingesetzt. Neben einer irreversiblen Hemmung der ADP-vermittelten Aktivierung des GP-IIb\/IIIa-Rezeptors wird auch die Freisetzung der Mediatoren aus den alpha-Granula beeinflu\u00dft. Dadurch kann der sich selbst unterhaltende Aktivierungsproze\u00df der Thrombozyten unterbrochen werden. Die Wirkung tritt erst nach 2 Tagen ein, und das Wirkmaximum ist nach einer Woche erreicht. Clopidogrel ist etwa um den Faktor 5-7 mal wirksamer als die \u00e4ltere Substanz Ticlopidin. In klinischen Studien zeigte sich unter Clopidogrel (1 mal 75 mg\/d) bzw. Ticlopidin (2 mal 250 mg\/d) ein leichter Vorteil gegen\u00fcber ASS (325 mg\/d oder mehr) in der Sekund\u00e4rprophylaxe nicht kardioembolischer Schlaganf\u00e4lle. Nach den Daten der CAPRIE-Studie m\u00fcssen 1000 Patienten nach Schlaganfall ein Jahr lang mit Clopidogrel behandelt werden, um 5 gravierende klinische Ereignisse (Tod, Reinsult, Myokardinfarkt) zu verhindern (s. <a href=\"http:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/de\/Artikel.aspx?SN=5804\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">AMB 1997, <B>31<\/B>, 13a<\/a>; <a href=\"http:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/de\/Artikel.aspx?SN=5852\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">56b<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/de\/Artikel.aspx?SN=6001\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1998, <B>32<\/B>, 84<\/a>). Dabei ist offen, wie lange der ADP-Blocker verabreicht werden sollte. Da der Unterschied zwischen ASS und Clopidogrel bereits in den ersten Behandlungswochen sichtbar wurde und die Kaplan-Maier-Kurven sp\u00e4ter parallel verliefen, k\u00f6nnte eine passagere Therapie mit Clopidogrel m\u00f6glicherweise den selben Nutzen bringen wie eine Langzeittherapie. Eine Verordnung von ADP-Blockern zur Sekund\u00e4rprophylaxe des Schlaganfalls wird nach einer Kosten\/Nutzen-Abw\u00e4gung z.Z. auf einzelne Patienten beschr\u00e4nkt bleiben (s. <a href=\"http:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/de\/Artikel.aspx?SN=5852\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">AMB 1997, <B>31<\/B>, 56b<\/a>).<\/p>\n<p>Eine wichtige Indikation f\u00fcr ADP-Blocker ist die Thromboseprophylaxe intrakoronarer Stents. Die 4-w\u00f6chige Kombinationstherapie mit 100 mg ASS\/d plus 2 mal 250 mg Ticlopidin\/d hat sich bew\u00e4hrt (s. AMB 1996, <B>30<\/B>, 43). Wahrscheinlich ist sogar eine 2-w\u00f6chige Nachbehandlung mit ADP-Blockern ausreichend (2). Sehr wichtig ist es, bei elektiven Stent-Implantationen die Behandlung bereits 2 Tage vorher zu beginnen, da erst danach eine ausreichende Wirkung besteht. Studien mit Clopidogrel nach Stent-Implantation liegen noch nicht vor; es ist jedoch zu erwarten, da\u00df \u00e4hnliche Effekte erzielt werden.<\/p>\n<p>Beim Vergleich beider Substanzen schneidet Clopidogrel wegen der selteneren Nebenwirkungen g\u00fcnstiger ab. Nach Ticlopidin ist mit z.T. schwerwiegenden h\u00e4matologischen Komplikationen zu rechnen: Neutropenie (2,4%), Idiopathische thrombozytopenische Purpura, H\u00e4molyse u.a. Daher sind engmaschige Blutbildkontrollen notwendig. Dar\u00fcber hinaus treten h\u00e4ufig gastrointestinale (20% Diarrh\u00f6, Cholestase) und dermatologische (12% Exantheme) Nebenwirkungen auf. Bei Clopidogrel sind derartige Nebenwirkungen wesentlich seltener (Diarrh\u00f6 4,5%, Exantheme 6%, Neutropenie 0,2%). Blutungskomplikationen sind unter beiden Substanzen nicht h\u00e4ufiger als unter ASS. Ein weiterer Vorteil von Clopidogrel ist die t\u00e4gliche Einmalgabe. Daf\u00fcr ist Clopidogrel etwas teurer als Ticlopidin (5,69 DM vs. 4,99 DM\/d).<\/p>\n<p>Glykoprotein-IIb\/IIIa-Rezeptor-Blocker sind die bisher wirksamsten Substanzen gegen aktivierte Thrombozyten. Die Entwicklungen innerhalb dieser Medikamentengruppe war in den vergangenen Jahren atemberaubend. Im Windschatten der explosionsartig zunehmenden koronaren Interventionen wurden innerhalb k\u00fcrzester Zeit mehrere Substanzen zur Marktreife getrieben. Da aktivierte Thrombozyten beim akuten koronaren Isch\u00e4miesyndrom Dreh- und Angelpunkt f\u00fcr Entstehung und Unterhaltung thrombotischer und entz\u00fcndlicher Prozesse sind, ist die vollst\u00e4ndige Hemmung der Thrombozyten der wirksamste Eingriff. Durch die Besetzung\/Blockade des GP-IIb\/IIIa-Rezeptors wird die Vernetzung der Thrombozyten verhindert. Die F\u00e4higkeit zum prim\u00e4ren Verschlu\u00df von Wunden bleibt jedoch intakt, da dies \u00fcber den GP-Ib-Rezeptor erfolgt.<\/p>\n<p>Es gibt drei Gruppen von GP-IIb\/IIIa-Rezeptor-Blockern (s.a. Tab. 1) :<\/p>\n<p>1. Monoklonale Antik\u00f6rper (Fab von c7E3): Abciximab (Reopro)<br \/>2. Niedermolekulare Peptide: Eptifibatid (Integrelin)<br \/>3. Peptidomimetika (Fibane):<br \/>a) parenterale: Tirofiban (Aggrastat), Lamifiban, Fradafiban<br \/>b) orale: Sibrafiban, Lefradafiban, Xemilofiban<\/p>\n<p>Abciximab und Tirofiban sind in Deutschland zugelassen.<\/p>\n<p>Aus den pharmakologischen Unterschieden der einzelnen Substanzen leitet sich die Differentialtherapie mit GP-IIb\/IIIa-Rezeptor-Blockern ab. Der Antik\u00f6rper Abciximab verdr\u00e4ngt auf Grund seiner hohen Rezeptoraffinit\u00e4t Fibrinogen aus einer bestehenden Rezeptorbindung und wirkt daher auch thrombolytisch. Das teure Abciximab wird z.Z. besonders dann im Herzkatheterlabor angewendet, wenn w\u00e4hrend der Interventionen thrombotische Komplikationen auftreten oder bei Interventionen mit hohem Risiko. Die Therapie mit den billigeren peptidischen und nichtpeptidischen GP-IIb\/IIIa-Blockern l\u00e4\u00dft sich auf Grund der reversiblen Rezeptorbindung besser steuern, und m\u00f6gliche Blutungskomplikationen sind einfacher zu beherrschen (Ausnahme orale Peptidomimetika). Daher bieten sich diese Mittel zur Gef\u00e4\u00dfbefriedung bei instabiler Angina pectoris an, da hier eine mehrt\u00e4gige Therapie erforderlich sein kann. Tirofiban ist in Deutschland auch nur f\u00fcr die Indikation instabile Angina pectoris und Non-Q-Wave-Infarkt zugelassen. Die oralen GP-IIb\/IIIa-Blocker sind zwar bequem zu applizieren; da sie jedoch sehr schlecht steuerbar sind, ist ihre zuk\u00fcnftige Rolle in der Therapie der akuten koronaren Isch\u00e4miesyndrome noch nicht klar.<\/p>\n<p>Die klinischen Studien mit GP-IIb\/IIIa-Rezeptor-Blockern k\u00f6nnen unter zwei Indikationen betrachtet werden: einerseits die Anwendung bei akuten koronaren Isch\u00e4miesyndromen (instabile Angina pectoris, Non-Q-Wave-Infarkt), andererseits die adjuvante Therapie bei koronaren Interventionen (elektive PTCA, Notfall- und Hochrisiko-PTCA). Eine \u00dcbersicht \u00fcber die wichtigsten Studien gibt Tab. 2 (3-13).<\/p>\n<p>Akute koronare Isch\u00e4miesyndrome und GP-IIb\/IIIa-Rezeptor-Blockade: Es gilt heute als sicher, da\u00df eine sofortige Koronarintervention bei instabiler Angina pectoris bzw. Non-Q-Wave-Infarkten wenig Vorteile bringt (14). Durch h\u00e4ufigere Komplikationen wirkt sich eine sofortige Intervention sogar nachteilig aus. Es wird daher vielerorts das Konzept der &#8222;medikament\u00f6sen Gef\u00e4\u00dfbefriedung&#8220; verfolgt. Die Koronarangiographie erfolgt, wenn m\u00f6glich, verz\u00f6gert, d.h. nach medikament\u00f6ser Stabilisierung. Eine Intervention ist dann h\u00e4ufig nicht mehr notwendig.<\/p>\n<p>Der Beitrag, den die GP-IIb\/IIIa-Blocker zur Gef\u00e4\u00dfbefriedung leisten k\u00f6nnen, ist erheblich. Bei einer Metaanalyse der wichtigsten Studien zur Indikation &#8222;akutes koronares Isch\u00e4miesyndrom&#8220; konnte zwar kein signifikanter \u00dcberlebensvorteil f\u00fcr die Behandelten errechnet werden. Allerdings fanden sich in allen Studien signifikant weniger koronare Ereignisse (Koronarintervention, Myokardinfarkt) wenn mit dem Verum behandelt worden war. F\u00fcr den Endpunkt &#8222;Tod und nicht t\u00f6dlicher Myokardinfarkt&#8220; errechnete sich eine Odds Ratio von 0,8 nach 3 Tagen und 0,88 nach 30 Tagen bzw. 6 Monaten. Dies entspricht 16 verhinderten Ereignissen pro 1000 Behandlungen (15). Eine weitere wichtige Beobachtung aus diesen Studien war, da\u00df, wenn eine Koronarintervention wegen medikament\u00f6s nicht mehr zu beherrschender Angina pectoris durchgef\u00fchrt werden mu\u00dfte, die mit Verum behandelten Patienten viel weniger Komplikationen erlebten, als die mit Plazebo behandelten.<\/p>\n<p>Die zwischen den einzelnen Studien in Tab. 2 differierenden Ereignisraten sind vor allem durch Unterschiede in den Einschlu\u00dfkriterien, Endpunktdefinitionen (z.B. Infarktdefinitionen an Hand der CKMB oder nach EKG) und durch die unterschiedlich h\u00e4ufigen Katheterinterventionen begr\u00fcndet.<\/p>\n<p><B>Katheterinterventionen und GP-IIa\/IIIb-Rezeptor-Blockade:<\/B> In den Katheterinterventionsstudien ergab sich nach der erw\u00e4hnten Metaanalyse kein \u00dcberlebensvorteil f\u00fcr die adjuvant mit GP-IIb\/IIIa-Rezeptor-Blockern behandelten Patienten. Aber es fand sich ein deutlicher Vorteil hinsichtlich des kombinierten Endpunktes &#8222;nicht t\u00f6dlicher Myokardinfarkt oder Tod&#8220;. Die Odds Ratio betrug nach 3 Tagen 0,57 (27 verhinderte Ereignisse auf 1000 Behandlungen) und nach 6 Monaten 0,76 (23\/1000). Dabei wurden die besten Ergebnisse in den Abciximab-Studien erzielt.<\/p>\n<p>Mu\u00dfte bei Patienten mit instabiler Angina pectoris oder akuten Myokardinfarkt interveniert werden, dann waren unter GP-IIb\/IIIa-Blockade die Komplikationen deutlich seltener als unter Heparin\/ASS.<\/p>\n<p>Besonders interessant sind auch die Daten aus der EPISTENT-Studie (16). Hier wurden 2400 Patienten vor geplanter Ballondilatation in drei Behandlungsarme randomisiert: 1. Ticlopidin plus Stent, 2. Abciximab plus alleinige PTCA, 3. Ticlopidin plus Abciximab plus Stent. Die letzte Gruppe schnitt mit 5,3% Komplikationen w\u00e4hrend 30 Tagen am g\u00fcnstigsten ab. Die Gruppe mit Ticlopidin plus Stent mit 10,8% am schlechteten. \u00dcberraschend war das gute Ergebnis in der Gruppe Abciximab plus PTCA. Mit 6,9% traten, obwohl kein Stent verwendet wurde, sehr wenige Komplikationen auf. Dies verleitete einige Bef\u00fcrworter der GP-IIb\/IIIa-Blocker-Therapie schon dazu, das Ende den Stent-Implantationen einzul\u00e4uten. EPISTENT best\u00e4tigt, was schon in den Studien zu Interventionen bei akuten koronaren Isch\u00e4miesyndromen sichtbar wurde: durch die periinterventionelle GP-IIb\/IIIa-Blockade k\u00f6nnen akute Thrombosen als Komplikation der PTCA sehr effektiv verhindert werden und damit wohl auch einige erneut notwendige PTCA und Stent-Implantationen.<\/p>\n<p><B>Akuter Myokardinfarkt und GP-IIb\/IIIa-Rezeptor-Blockade:<\/B> Mit Abciximab konnten beim akutem Myokardinfarkt vergleichbare Wiederer\u00f6ffnungsraten im Infarktgef\u00e4\u00df erreicht werden wie mit Streptokinase. Daher lag es nahe, GP-IIb\/IIIa-Rezeptor-Blocker mit einem Thrombolytikum zu kombinieren. Tats\u00e4chlich lie\u00dfen sich in den ersten Studien mit einer solchen Kombinationsbehandlung die Infarktgef\u00e4\u00dfe h\u00e4ufiger wiederer\u00f6ffnen als mit dem Thrombolytikum alleine, allerdings zum Preis vermehrter Blutungskomplikationen (Tab. 2). Weitere Studien mit reduzierten Dosen werden folgen. Ziel ist es, da\u00df es mit der Kombinationstherapie Fibrinolyse plus GP-IIb\/IIIa-Blockade gleich h\u00e4ufig gelingt, die verschlossenen Koronararterien wiederzuer\u00f6ffnen, wie mit der Akut-PTCA. Damit st\u00fcnde eine sehr wirksame Therapie prinzipiell jederzeit und \u00fcberall zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p><B>Komplikationen unter Therapie mit GP-IIb\/IIIa-Rezeptor-Blockern:<\/B> Die h\u00e4ufigsten Komplikationen bei der Anwendung von GP-IIb\/IIIa-Rezeptor-Blockern sind Blutungen. Zu bedrohlichen Blutungen kam es in den Studien bei maximal 14% der Patienten (Tab. 3), wobei \u00e4ltere Menschen h\u00e4ufiger betroffen waren. Sp\u00e4ter ist klar geworden, da\u00df H\u00e4ufigkeit und Schwere der Blutungen nicht alleine von der Dosierung des GP-IIb\/IIIa-Blockers abh\u00e4ngen, sondern besonders von der adjunktiven Heparindosierung. Bei reduzierter Heparindosis (doppelte aPTT) ist die Anwendung relativ sicher. Eine Gabe ganz ohne Heparin wird nicht empfohlen.<\/p>\n<p>Tritt eine bedrohliche Blutung auf, mu\u00df die Infusion des GP-IIb\/IIIa-Rezeptor-Blockers und von Heparin beendet werden. Da durch Abciximab der Rezeptor dauerhaft blockiert ist, wird hier die Gabe von Thrombozyten Mittel der Wahl sein. Die zugef\u00fchrten Thrombozyten bleibenen gr\u00f6\u00dftenteils funktionst\u00fcchtig, da die Plasmahalbwertszeit von Abciximab nur wenige Minuten betr\u00e4gt und die Antik\u00f6rper nur in geringem Ausma\u00df zwischen den Thrombozyten ausgetauscht werden.<\/p>\n<p>Bei den peptidischen und peptidomimetischen Rezeptor-Blockern erholt sich wegen der reversiblen Rezeptorbindung die Thrombozytenfunktion innerhalb weniger Stunden nach Abstellen der Infusion. Die Gabe von Thrombozytenkonzentraten ist in den ersten Stunden nicht sehr wirksam, da die zugef\u00fchrten Pl\u00e4ttchen durch den noch mehrere Stunden im Plasma zirkulierenden Wirkstoff inaktiviert werden.<\/p>\n<p>Die oralen GP-IIb\/IIIa-Blocker haben eine besonders lange Bioverf\u00fcgbarkeit. Daher ist das Stillen von Blutungen in diesem Fall besonders schwierig. Substituierte Thrombozyten werden wegen der langen Halbwertszeit rasch inaktiviert. Daher k\u00f6nnen in gef\u00e4hrlichen Situationen Magensp\u00fclung, Gabe von Aktivkohle, forcierte Diurese und Ultrafiltration angezeigt sein.<\/p>\n<p>Die H\u00e4ufigkeit h\u00e4morrhagischer oder isch\u00e4mischer Schlaganf\u00e4lle war \u00fcberraschenderweise unter GP-IIb\/IIIa-Blockern in den publizierten Studien nicht erh\u00f6ht (Tab. 3).<\/p>\n<p>Um Blutungen zu vermeiden, gelten f\u00fcr GP-IIb\/IIIa-Blocker \u00e4hnliche Kontraindikationen wie f\u00fcr Thrombolytika. Bei schwerer Leberinsuffizienz und gest\u00f6rter Blutgerinnung (INR > 1,5; Thrombozyten < 90000\/\u00b5l) d\u00fcrfen die Substanzen nicht angewendet. Bei schwerer Niereninsuffizienz (Kreatinin-Clearance < 30ml\/min) mu\u00df die Dosis reduziert werden.\n\nBei 0,5-1,6% der Behandlungen wird eine reversible Thrombozytopenie (< 50000\/\u00b5l) beobachtet. Daher m\u00fcssen neben der Blutgerinnung auch die Thrombozytenzahlen engmaschig \u00fcberwacht werden. Ist bei einem Patienten schon einmal eine Thrombopenie unter GP-IIb\/IIIa-Blockern aufgetreten, sollte keine Reexposition erfolgen.\n\n\u00dcber Allergien als Nebenwirkungen gibt es noch wenig Informationen. Es mu\u00df jedoch davon ausgegangen werden, da\u00df inaktivierende Antik\u00f6rper und\/oder systemische Reaktionen prinzipiell auftreten k\u00f6nnen, besonders bei den eiwei\u00dfhaltigen Pr\u00e4paraten. Andere m\u00f6gliche Nebenwirkungen sind Fieber, \u00dcbelkeit und Kopfschmerzen (jeweils < 2% der Patienten).\n\n<B>Fazit:<\/B> Die ADP-Blocker Ticlopidin und Clopidogrel und die GP-IIb\/IIIa-Rezeptor-Blocker Abciximab, Tirofiban und Lamifiban hemmen die Thrombozytenaggregation st\u00e4rker als ASS. Die Wirksamkeit dieser Substanzen ist in vielen klinischen Studien eindeutig belegt. Diese neuen Thrombozytenfunktionshemmer sind f\u00fcr kardiologische und angiologische Indikationen ein Gewinn. Die Indikationen sind jedoch noch nicht endg\u00fcltig gekl\u00e4rt und eng zu stellen, da diese rei\u00dferisch und pharmakodynamisch inkorrekt als &#8222;Superaspirine&#8220; gepriesenen Substanzen nicht nur erheblich teurer, sondern auch gef\u00e4hrlicher sind als ASS.<\/p>\n<p><B>Literatur<\/p>\n<p><\/B>1. Alexander, J.H., et al.: Curr. Opin. Cardiol. 1998, <B>12<\/B>, 427.<br \/>2. Berger, P.B., et al.: Circulation <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=9892591&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1999, <B>99<\/B>, 248<\/a>.<br \/>3. PURSUIT =<B> P<\/B>latelet glycoprotein IIb\/IIIa in <B>U<\/B>nstable angina: <B>R<\/B>eceptor <B>S<\/B>uppression <B>U<\/B>sing Integrilin <B>T<\/B>herapy: N. Engl. J. Med. <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=9705684&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1998, <B>339<\/B>, 436<\/a>.<br \/>4. PRISM =<B> P<\/B>latelet <B>R<\/B>eceptor inhibition in <B>I<\/B>schemic <B>S<\/B>yndrome <B>M<\/B>anagement: N. Engl. J. Med. <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=9599104&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1998, <B>338<\/B>, 1498<\/a>.<br \/>5. PRISM PLUS =<B> P<\/B>latelet <B>R<\/B>eceptor inhibition in <B>I<\/B>schemic <B>S<\/B>yndrome <B>M<\/B>anagement in <B>P<\/B>atients <B>L<\/B>imited by <B>U<\/B>nstable <B>S<\/B>igns and symptoms: N. Engl. J. Med. <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=9599103&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1998, <B>338<\/B>, 1488<\/a>.<br \/>6. PARAGON =<B> P<\/B>latalet IIb\/IIIa <B>A<\/B>ntagonist for the <B>R<\/B>eduction of <B>A<\/B>cute coronary syndrome events in a <B>G<\/B>lobal <B>O<\/B>rganisation <B>N<\/B>etwork: Circulation <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=9641689&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1998, <B>97<\/B>, 2386<\/a>.<br \/>7. EPIC =<B> E<\/B>valuation of 7E3 for the <B>P<\/B>revention of <B>I<\/B>schemic <B>C<\/B>omplications: N. Engl. J. Med. <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=8121459&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1994, <B>330<\/B>, 956<\/a>.<br \/>8. EPILOG =<B> E<\/B>valuation in <B>P<\/B>TCA to <B>I<\/B>mprove <B>L<\/B>ong-term <B>O<\/B>utcome with abciximab <B>G<\/B>P IIb\/IIIa Blockade: N. Engl. J. 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IMPACT II =<B> I<\/B>ntegrilin to <B>M<\/B>inimise <B>P<\/B>latelet <B>A<\/B>ggregation and <B>C<\/B>oronary <B>T<\/B>hrombosis II: Lancet <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=9164315&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1997, <B>349<\/B>, 1422<\/a>.<br \/>12. RESTORE =<B> R<\/B>andomized <B>E<\/B>fficacy <B>S<\/B>tudy of <B>T<\/B>irofiban for <B>O<\/B>utcomes and <B>RE<\/B>stenosis: Circulation <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=9315530&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1997, <B>96<\/B>, 1445<\/a>.<br \/>13. TIMI 14 = <B>T<\/B>hrombolysis <B>I<\/B>n <B>M<\/B>yocardial <B>I<\/B>nfarction 14: J. Am. Coll. Cardiol. 1998, <B>31<\/B> Suppl., A-191.<br \/>14. VANQWISH =<B> V<\/B>eterans <B>A<\/B>ffairs <B>N<\/B>on-<B>Q<\/B>&#8211;<B>W<\/B>ave <B>I<\/B>nfarction <B>S<\/B>trategies in <B>H<\/B>ospital trial: N. Engl. J. 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