{"id":40156,"date":"1999-06-01T12:02:00","date_gmt":"1999-06-01T10:02:00","guid":{"rendered":"https:\/\/der-arzneimittelbrief.com\/artikel\/1999\/gute-und-schlechte-kohlenhydrate-und-koronare-herzkrankheit"},"modified":"1999-06-01T12:02:00","modified_gmt":"1999-06-01T10:02:00","slug":"gute-und-schlechte-kohlenhydrate-und-koronare-herzkrankheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/nachrichten\/gute-und-schlechte-kohlenhydrate-und-koronare-herzkrankheit\/","title":{"rendered":"\u201dGute&#8221; und \u201dschlechte&#8221; Kohlenhydrate und koronare Herzkrankheit"},"content":{"rendered":"<p>Viele Studien belegen, da\u00df die Entwicklung einer koronaren Herzkrankheit (KHK) &#8211; vermutlich vermittelt \u00fcber Blutfette &#8211; di\u00e4tetisch beeinflu\u00dft werden kann. Ein hohes HDL-Cholesterin gilt als protektiv, ein hohes LDL-Cholesterin als Risikofaktor. Sehr fettarme Di\u00e4ten senken HDL- und LDL-Cholesterin; aber auch eine sehr kohlenhydratreiche Di\u00e4t kann das HDL-Cholesterin erniedrigen. Eine im Lancet von G. Frost et al. aus London publizierte Studie (1) scheint zu belegen, da\u00df Kohlenhydrate (KH) mit hohem glyk\u00e4mischen Index (GI) das HDL-Cholesterin senken, w\u00e4hrend solche mit niedrigem GI das HDL steigern k\u00f6nnen. Der GI eines Nahrungsmittels mit z.B. 50 g KH ergibt sich aus der Fl\u00e4che unter der Blutzuckerkurve nach dessen oraler Aufnahme, verglichen mit der Fl\u00e4che unter der Kurve nach Gabe von 50 g reiner Glukose. 50 g KH in Reis oder gekochten Kartoffeln erh\u00f6hen den Blutzucker fast ebenso stark wie Glukose, w\u00e4hrend die gleiche Menge KH in Bohnen, Milch oder \u00c4pfeln den Blutzucker viel weniger ansteigen lassen. Der GI h\u00e4ngt unter anderem, aber nicht nur, von der Verarbeitung der Nahrungsmittel, der Korngr\u00f6\u00dfe, in der sich die KH befinden, und von dem Fasergehalt der Nahrung ab; Faserreichtum ist jedoch nicht mit niedrigem GI gleichzusetzen. So ist z.B. der GI von Vollkornmehl fast ebenso hoch wie der von wei\u00dfem Mehl. \u00dcber die genauere Bedeutung des GI informiert \u00fcbrigens ein den Artikel von G. Frost et al. begleitendes Editorial von M.B. Katan aus Holland (2). Frost et al. analysierten Daten einer an 1420 englischen Probanden durchgef\u00fchrten Studie \u00fcber den Zusammenhang zwischen Ern\u00e4hrung, Blutfetten und Arteriosklerose. Die Nahrungszusammensetzung wurde sehr genau durch Mengenangaben s\u00e4mtlicher Nahrungsmittel und Getr\u00e4nke w\u00e4hrend einer ganzen Woche analysiert. Aufgrund dieser Angaben konnte u.a. der mittlere GI aller KH-haltigen Nahrungsmittel aus Tabellen ermittelt werden. Es fand sich eine signifikante negative Korrelation zwischen dem GI der Nahrung und dem HDL-Cholesterin sowohl bei M\u00e4nnern als auch bei Frauen, wobei die Assoziation bei Frauen deutlicher war. Keine Korrelation bestand zwischen GI und Gesamtcholesterin oder LDL-Cholesterin. In der im AMB schon oft zitierten amerikanischen Nurses Health Study ist eine negative Korrelation zwischen dem mittleren GI der Nahrung und der kardiovaskul\u00e4ren Morbidit\u00e4t errechnet worden (3). Aus Daten der Framingham-Studie wurde errechnet, da\u00df einem Anstieg des HDL-Cholesterins um 0,026 mmol\/l eine Verminderung der kardiovaskul\u00e4ren Morbidit\u00e4t um 3% bei Frauen und um 2% bei M\u00e4nnern entsprechen k\u00f6nnte. Setzt man die von Frost et al. beobachteten Anstiege des HDL-Cholesterins bei Patientinnen und Patienten mit dem niedrigsten GI der Nahrung in die Framingham-Tabelle ein, dann k\u00f6nnte dies einer Abnahme der kardiovaskul\u00e4ren Morbidit\u00e4t bei Frauen um 29% und bei M\u00e4nnern um 7% entsprechen.<\/p>\n<p>Die Beziehung zwischen HDL-Cholesterin und kardiovaskul\u00e4rer Morbidit\u00e4t und Letalit\u00e4t ist jedoch nur assoziativ. Eine Ursachen-Wirkungs-Beziehung ist noch nicht bewiesen. Viele epidemiologische Daten sprechen jedoch daf\u00fcr, da\u00df eine solche besteht. In dem Editorial von M.B. Katan (2) wird trotzdem zu einer vorsichtigen Interpretation dieser interessanten Daten geraten, deren \u00dcberpr\u00fcfung in einer prospektiven Ern\u00e4hrungsstudie jedoch f\u00fcr sehr lohnend gehalten wird.<\/p>\n<p><b>Fazit:<\/b> Aus der besprochenen Studie ergeben sich Hinweise darauf, da\u00df es \u201dgute&#8221; und \u201dschlechte&#8221; Kohlenhydrate gibt. Ein niedriger glyk\u00e4mischer Index (Ausma\u00df der Blutzuckererh\u00f6hung nach Zufuhr einer definierten Menge Kohlenhydrate im Vergleich mit Glukose) scheint zu einem Anstieg des \u201dguten&#8221; HDL-Cholesterins zu f\u00fchren. Ein hohes HDL-Cholesterin scheint das Risiko einer KHK zu senken. Kohlenhydrate mit hohem glyk\u00e4mischen Index sind beispielsweise Glukose, Wei\u00dfbrot und Kartoffeln, solche mit niedrigem sind Bohnen, Apfel und Gem\u00fcse.<\/p>\n<p><b>Literatur<\/b> <\/p>\n<ol class=\"literatur\">\n<li>Frost, G., et al.: Lancet <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=10199351&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1999, <b>353<\/b>, 1045<\/a>.<\/li>\n<li>Katan, M.B.: Lancet <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=10199344&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1999, <b>353<\/b>, 1029<\/a>.<\/li>\n<li>Liu, S., et al.: FASEB J. 1998, <b>12<\/b>, A260, Abstract.<\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Viele Studien belegen, da\u00df die Entwicklung einer koronaren Herzkrankheit (KHK) &#8211; vermutlich vermittelt \u00fcber Blutfette &#8211; di\u00e4tetisch beeinflu\u00dft werden kann. 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