{"id":40169,"date":"1999-08-01T12:00:00","date_gmt":"1999-08-01T10:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/der-arzneimittelbrief.com\/artikel\/1999\/diagnostik-und-therapie-von-wachstumsstoerungen-im-kindesalter"},"modified":"1999-08-01T12:00:00","modified_gmt":"1999-08-01T10:00:00","slug":"diagnostik-und-therapie-von-wachstumsstoerungen-im-kindesalter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/nachrichten\/diagnostik-und-therapie-von-wachstumsstoerungen-im-kindesalter\/","title":{"rendered":"Diagnostik und Therapie von Wachstumsst\u00f6rungen im Kindesalter"},"content":{"rendered":"<p><b>Zusammenfassung: Die verschiedenen Kleinwuchsformen m\u00fcssen anhand klinischer und laborchemischer Kriterien genau diagnostiziert werden. Die Therapie mit Wachstumshormon (STH) ist indiziert bei Mangel von STH einschlie\u00dflich neurosekretorischer Dysfunktion des STH und eines biologisch nicht wirksamen STH. Dar\u00fcber hinaus ist STH zugelassen zur Therapie bei Ullrich-Turner-Syndrom und renalem Kleinwuchs. Eine Behandlung des idiopathischen Kleinwuchses wird aufgrund widerspr\u00fcchlicher Ergebnisse und der hohen Kosten von STH abgelehnt. Die Behandlung des kindlichen Hochwuchses bedarf einer strengen lndikation und sollte in spezialisierten Einrichtungen erfolgen.<\/b><\/p>\n<p><b>Physiologie des Wachstums:<\/b> Das Wachstum des kindlichen und jugendlichen Organismus h\u00e4ngt von genetischen Faktoren, aber auch von Umweltfaktoren ab. Letztere beeinflussen vor allem das Ph\u00e4nomen der Akzeleration. In Deutschland sind heute 7- bis 14j\u00e4hrige Kinder im Vergleich zu 1880 etwa 15 cm gr\u00f6\u00dfer (14). Intrauterin und postnatal wird das Wachstum neben genetischen Faktoren vor allem von Nahrungsfaktoren und von der endokrinen, parakrinen und autokrinen Steuerung bestimmt.<\/p>\n<p>F\u00fcr das Wachstum wichtige Hormone sind: Wachstumshormon, Schilddr\u00fcsenhormone (besonders Trijodthyronin), Insulin, die Nebennierenhormone (Kortisol, Androgene, z.B. Dehydroepiandrosteron, bedingt auch Aldosteron) und in der Pubert\u00e4t die Sexualsteroide (\u00d6strogen bzw. Testosteron). \u00d6strogene sind nicht nur f\u00fcr das Pubert\u00e4tswachstum von Bedeutung, sondern auch bei beiden Geschlechtern f\u00fcr den Knochenstoffwechsel, die Skelettreifung und den Schlu\u00df der Epiphysenfugen (18). Von den systemisch wirkenden Wachstumsfaktoren sind besonders bedeutsam: die wachstumshormonabh\u00e4ngigen, insulin\u00e4hnlichen Wachstumsfaktoren (Insulin-like growth factor = IGF-l und IGF-Il) und deren Bindungsproteine (besonders IGF-BP3) sowie der Fibroblasten-Wachstumsfaktor (Fibroblast growth factor = FGF), der von Thrombozyten stammende Wachstumsfaktor (Platelet derived growth factor = PDGF) und die transformierenden Wachstumsfaktoren (Transforming growth factor = TGF-\u03b1 und TGF-\u03b2). Das L\u00e4ngen-wachstum wird basal vor allem durch das Wachstumshormon gesteuert, das eine Vermehrung (Hyperplasie) der Chondroblasten bewirkt. IGF-I stimuliert die Differenzierung der Chondroblasten.<\/p>\n<p><b>Darstellung der K\u00f6rperl\u00e4nge bzw. K\u00f6rperh\u00f6he:<\/b> Zur Einsch\u00e4tzung der Gr\u00f6\u00dfe eines Kindes dienen m\u00f6glichst von der gleichen Population gewonnene, regionale bzw. landesg\u00fcltige Wachstumsstandards, in denen f\u00fcr eine gegebene Altersgruppe geschlechtsspezifisch der Durchschnittswert der K\u00f6rperl\u00e4nge (im 1. bzw. 2. Lebensjahr) bzw. danach der K\u00f6rperh\u00f6he (Standh\u00f6he) angegeben werden. Diese Mittelwertangaben werden durch altersentsprechende Standardabweichungen erg\u00e4nzt. Altersabh\u00e4ngige L\u00e4ngen- bzw. K\u00f6rperh\u00f6henwerte liegen auch in Perzentilkurvenform als Wachstumsverlaufskurven vor. Der 50. Perzentilwert entspricht dem Medianwert. Kinder; deren K\u00f6rperl\u00e4nge\/-h\u00f6he unter dem 3. Perzentilwert liegt, sind definitionsgem\u00e4\u00df kleinw\u00fcchsig; bei Werten oberhalb des 97. Perzentilwertes besteht ein Hochwuchs. Diese Definition sagt jedoch nicht aus, ob es sich um einen krankheitsbedingten Klein- oder Hochwuchs handelt.<\/p>\n<p>In Deutschland werden derzeit vor allem die Wachstumsstandards von Reinken und van Oost (24) sowie von Hesse und Mitarbeiter (12) und zum Teil von Kunze (16) verwendet. Die 18j\u00e4hrigen deutschen Jungen sind heute durchschnittlich 180 cm, die 18j\u00e4hrigen M\u00e4dchen 168 cm gro\u00df. Die Wachstumswerte von Prader et al. (22) f\u00fcr Schweizer Kinder liegen um etwa 2 bis 4 cm unter den Standards von Reinken und van Oost bzw. von Hesse et al.<\/p>\n<p>Bei der Einsch\u00e4tzung des erreichten Wachstums eines Kindes ist vor allem auch die Elternzielgr\u00f6\u00dfe von Bedeutung, d.h. die Ber\u00fccksichtigung famili\u00e4rer genetischer Faktoren. Die Zielgr\u00f6\u00dfe errechnet sich aus der mittleren Elterngr\u00f6\u00dfe (Gr\u00f6\u00dfe des Vaters und Gr\u00f6\u00dfe der Mutter in cm) und einem &#8222;Zuschlag&#8220; von 6,5 cm bei Knaben bzw. einem &#8222;Abzug&#8220; um 6,5 cm bei M\u00e4dchen. Die Elternzielgr\u00f6\u00dfe sollte in der Wachstumskurve vermerkt werden. So kann die pers\u00f6nliche Wachstumserwartung zumindest ann\u00e4hernd eingesch\u00e4tzt werden. Prizipiell ist zu fordern, da\u00df heute f\u00fcr jedes Kind eine Verlaufskurve des Wachstums gef\u00fchrt wird. F\u00fcr chronisch kranke Kinder ist sie obligatorisch.<\/p>\n<p><b>Kleinwuchs:<\/b> Kinder, deren Wachstum unterhalb des altersgem\u00e4\u00dfen zweifachen (negativen) Wertes der Standardabweichung liegt bzw. deren K\u00f6rpergr\u00f6\u00dfe sich unterhalb der 3. Perzentile der Wachstumsverlaufskurve befindet, sind definitionsgem\u00e4\u00df kleinw\u00fcchsig. Kleinw\u00fcchsig sind z.B. oft die Kinder von gesunden kleinen Eltern. Kleinw\u00fcchsig k\u00f6nnen auch Kinder werden, die zun\u00e4chst normal gewachsen sind, bei denen es aber infolge des Auftretens einer chronischen Erkrankung (z.B. Z\u00f6liakie, Niereninsuffizienz) oder eines Hormonausfalls (z.B. Hypothyreose bei Hashimoto-Thyreoiditis, Hypophyseninsuffizienz) zu einer Abnahme der Wachstumsgeschwindigkeit kommt. Zur Beurteilung der Wachstumsgeschwindigkeit vor und unter einer Therapie sind besonders Wachstumsgeschwindigkeitskurven geeignet, die altersabh\u00e4ngig die jeweilige Wachstumsgeschwindigkeit angeben (12).<\/p>\n<p>Zur basalen Beurteilung von Wachstumsst\u00f6rungen sind vor allem Abweichungen von der Trias: Chronologisches Alter (CA), L\u00e4ngenalter (LA) und Knochenalter (KA) f\u00fcr die Differentialdiagnose hilfreich. Normalerweise stimmt diese Trias \u00fcberein, d.h. CA = LA = KA. Bei kleinw\u00fcchsigen Patienten besteht h\u00e4ufig eine Verz\u00f6gerung nicht nur des Gr\u00f6\u00dfenwachstums (L\u00e4ngenalter), sondern auch der Knochenreifung, des Knochenalters. Bei einem Kleinwuchs infolge einer konstitutionellen Entwicklungsverz\u00f6gerung (KEV) sind L\u00e4ngenalter und Knochenalter harmonisch gegen\u00fcber dem biologischen Alter zur\u00fcckgeblieben; bei einem famili\u00e4ren Kleinwuchs ist meist nur das L\u00e4ngenalter retardiert und das Knochenalter altersgem\u00e4\u00df; bei einem Kleinwuchs infolge eines isolierten Mangels an Wachstumshormon ist das L\u00e4ngenalter st\u00e4rker zur\u00fcckgeblieben als das Knochenalter; bei einer Hypothyreose findet sich die entgegengesetzte Konstellation. Das Knochenalter (Skelettalter) wird in der Praxis h\u00e4ufig mittels des Vergleichsatlas von Greulich und Pyle (10) bestimmt, einer Methode, die wenig zeitaufwendig ist. Daneben gibt es mehrere gleichwertige, aber aufwendigere Methoden.<\/p>\n<p>Eine durchgehend molekulargenetische Differenzierung des Kleinwuchses ist heute, trotz vieler Fortschritte in Details, noch nicht gegeben, so da\u00df auch keine entsprechenden Klassifikationen vorliegen. In der Praxis hat sich die Klassifizierung nach Prader und Bierich (vgl. 12) bew\u00e4hrt (s. Tab. 1).<\/p>\n<p>Klinisch relevant sind vor allem der <i>intrauterine Kleinwuchs, die angeborenen Skeletterkrankungen, <\/i>der <i>Kleinwuchs bei Organerkrankungen <\/i>und <i>der durch hormonelle St\u00f6rungen bedingte Kleinwuchs. <\/i>Die besten therapeutischen M\u00f6glichkeiten sind neben der Behandlung von Organerkrankungen heute bei Patienten mit endokrin bedingtem Kleinwuchs gegeben.<\/p>\n<p><b>Endokrine Formen des Kleinwuchses:<\/b> <i>Kleinwuchs bei Wachstumshormonmangel:<\/i> Die H\u00e4ufigkeit eines Wachstumshormonmangels (STH-Mangel) wird mit 1:4000 bis 1:10000 angegeben. Die Gene f\u00fcr das STH befinden sich auf dem langen Arm des Chromosom 17. Ein Wachstumshormonmangel kann angeboren sein (genetische Defekte, Fehlbildungen der Hypophyse oder des Hypothalamus) oder erworben werden (z.T. durch geburtstraumatische Sch\u00e4den, Hirntumoren, Hypophysitis, Meningitis, Enzephalitis, Strahlentherapie). H\u00e4ufig ist die Ursache nicht zu finden (idiopathische Form des hypothalamisch-hypophys\u00e4ren Kleinwuchses).<\/p>\n<p>Weiterhin ist zu differenzieren zwischen dem isolierten Ausfall der STH-Bildung oder -Aussch\u00fcttung und kombinierten Hypophysen- oder Hypothalamussch\u00e4den, bei denen auch andere Hypophysenhormone betroffen sind. Als Sonderformen der Wachstumshormondefekte sind die neurosekretorische Dysfunktion der STH-Sekretion, die STH-Resistenz (Beispiel &#8222;Laron-Kleinwuchs&#8220;), ein biologisch unwirksames STH, ein Mangel an STH-Bindungsproteinen (GHBP) und die IGF-l-Resistenz zu nennen. Bei den (seltenen) genetischen Defekten der STH-Bildung unterscheiden wir verschiedene Typen (Typ IA-, Typ IB, Typ II-, Typ Ill-Gendeletion) und heredit\u00e4re Formen des Panhypopituitarismus (Typ 1 und Typ 2).<\/p>\n<p>Patienten mit einem Mangel an Wachstumshormon bzw. fehlender Wachstumshormonwirkung haben h\u00e4ufig u.a. einen kleinkindhaften Gesichtsausdruck (Puppengesicht), eine stammbetonte Adipositas und eine Akromikrie.<\/p>\n<p>Das L\u00e4ngendefizit nimmt &#8211; wie auch u.a. bei einem Teil der Patienten mit intrauterinem Kleinwuchs und bei Patienten mit unbehandelter Hypothyreose &#8211; mit zunehmendem Lebensalter zu. Klinische Hinweise f\u00fcr das Vorliegen eines Wachstumshormonmangels sind ein L\u00e4ngendefizit, das gr\u00f6\u00dfer als drei Standardabweichungen gegen\u00fcber der Norm ist, ein Wachstum von weniger als 4 cm\/Jahr im Schulkindalter, eine Wachstumsrate unterhalb der 25. Perzentile f\u00fcr das chronologische Alter und ein Verh\u00e4ltnis von Knochenalter zu L\u00e4ngenalter von 3:4.<\/p>\n<p><i>Diagnostik:<\/i> Die Basisdiagnostik besteht heute in der Bestimmung von IGF-l und seinem Bindungsprotein IGF-BP3. Sind diese Werte erniedrigt, mu\u00df sich eine erweiterte Diagnostik anschlie\u00dfen (Tab. 2).<\/p>\n<p><i>Therapie:<\/i> Die Therapie des Wachstumshormonmangels erfolgt heute mit biogenetisch gewonnenem Wachstumshormon. Die durchschnittliche Dosierung betr\u00e4gt pr\u00e4pubert\u00e4r: 12 lEim<sup>2 <\/sup>Woche (0,5-0,6 IE\/kg KG Woche) und in der Pubert\u00e4t 15 lE\/m<sup>2 <\/sup>Woche. Die Applikation erfolgt t\u00e4glich und s.c. Heute erreichen etwa zwei Drittel der Patienten Endgr\u00f6\u00dfen, die sich im Normbereich der Erwachsenen befinden. Die Endgr\u00f6\u00dfe ist um so besser, je g\u00fcnstiger das Wachstum in der Pr\u00e4pubert\u00e4t ist. Sind weitere Hypophysenhormone ausgefallen, m\u00fcssen auch diese substituiert werden (s. Tab. 3).<\/p>\n<p>Zugelassene Indikationen f\u00fcr eine Behandlung mit Wachstumshormon sind in Deutschland: Wachstumshormon-Mangelzustand einschlie\u00dflich neurosekretorische Dysfunktion des STH und eines biologisch nicht wirksamen Wachstumshormons (34). Wachstumshormon ist weiterhin zugelassen zur Therapie des Kleinwuchses beim Ullrich-Turner-Syndrom (s.u.) und des renalen Kleinwuchses sowie zur Behandlung des Wachstumshormonmangels im Erwachsenenalter (19).<\/p>\n<p>Kontraindikationen f\u00fcr eine Behandlung mit Wachstumshormon sind aktive maligne Erkrankungen, eine proliferative Retinopathie und schwere irreversible neurodegenerative Erkrankungen. Mit der Behandlung eines Wachstumshormonmangels bei Kindern mit ehemaligen Tumorleiden bzw. Leuk\u00e4mie wird meist erst 2 Jahre nach Therapieende begonnen. Ein erh\u00f6htes Risiko f\u00fcr ein Rezidiv besteht bei Leuk\u00e4mie-Patienten bzw. bei Patienten mit Hirntumoren nach derzeitigem Kenntnisstand nicht (4, 27, 28).<\/p>\n<p>Die Therapie des Kleinwuchses infolge eines IGF-l-Mangels, der bedingt ist durch einen STH-Rezeptor-Defekt (Laron-Kleinwuchs), erfolgt heute mit biogenetisch gewonnenem IGF-l (40-120 \u00b5g\/kg KG 2maI t\u00e4glich, Durchschnittsdosis 80 \u00b5g\/kg KG).<\/p>\n<p><b>Andere Formen des Kleinwuchses mit endokrinen St\u00f6rungen:<\/b> Der heute seltenere, durch Hypothyreose bedingte Kleinwuchs wird mit L-Thyroxin behandelt (100 \u00b5g\/m<sup>2<\/sup>\/d). Unter dieser Therapie kommt es zu einem Aufholwachstum und zur Normalisierung der Wachstumsrate.<\/p>\n<p>Bei einem psychosozial bedingten Kleinwuchs, bei dem es auch zum Abfall der STH-Aussch\u00fcttung kommen kann, ist eine Familientherapie bzw. ein Milieuwechsel erforderlich.<\/p>\n<p>Bei der h\u00e4ufigsten Kleinwuchsform, der konstitutionellen Entwicklungsverz\u00f6gerung (harmonische Retardierung von L\u00e4nge und Knochenalter; Wachstum unterhalb der 3. Perzentile, aber parallel zu dieser), wird zeitweilig auch eine verminderte Aussch\u00fcttung des Wachstumshormons beobachtet. Eine Therapie mit STH oder tempor\u00e4r mit Anabolika sollte aber nur in Einzelf\u00e4llen mit extremer psychischer Belastung (z.B. Suizidgefahr) erfolgen.<\/p>\n<p>Der Kleinwuchs bei dem im Kindes- und Jugendalter seltenen Cushing-Syndrom ist durch die Beseitigung der Quelle des Kortisolexzesses (Adenom oder Tumor) zu korrigieren.<\/p>\n<p><b>Kleinwuchs ohne Wachstumshormonmangel:<\/b> <i>Renaler Kleinwuchs: <\/i>Eine Wachstumsretardierung findet sich vor allem bei angeborenen Tubulopathien und bei chronischer Niereninsuffizienz. Eine Behandlung mit hohen Dosen STH (0,35 mg STH\/kg KG Woche) f\u00fchrt zu einem IGF-Anstieg und der 150 kDa-Fraktion des IGF-BP3 sowie zur Zunahme der Wachstumsgeschwindigkeit (21, 32).<\/p>\n<p><i>Ullrich-Turner-Syndrom (UTR): <\/i>Das konstanteste Symptom des UTS ist der Kleinwuchs. Daneben sind vor allem die Ovarialinsuffizienz, Herz-, Nieren-, Augen- und H\u00f6rst\u00f6rungen zu beachten (8). Durch eine Wachstumshormontherapie (Beginn mit 0,05 mg\/kg KG\/d bzw. 1,0 IE\/kg KG\/Woche; m\u00f6glicher Therapiebeginn 2 Jahre, Therapiebeginn in der Praxis meist mit 10 Jahren) kann die Endgr\u00f6\u00dfe bei einem Teil der Patienten verbessert werden. Mitunter wird im Alter von 9 bis 12 Jahren zus\u00e4tzlich das Androgen Oxandrolon (Dosierung 0,0625 mg\/kg KG\/d) verabreicht. Die Therapiedauer sollte bis zu einem Knochenalter von 14 bis 15 Jahren fortgef\u00fchrt und bei einer Wachstumsgeschwin\u00addigkeit von weniger als 2,5 cm\/Jahr abgebrochen werden (8). Vor Therapiebeginn ist eine St\u00f6rung der Glukosetole\u00adranz auszuschlie\u00dfen. Eine abschlie\u00dfende Beurteilung der Erfolge einer STH-Therapie ist noch nicht m\u00f6glich. Desglei\u00adchen ist auch die Rolle der unter der Therapie auftretenden erh\u00f6hten Serumkonzentrationen von Lipoprotein A noch nicht gekl\u00e4rt (31). Eine \u00d6strogensubstitution sollte im Alter von 12 bis 15 Jahren mit sehr niedrigen Dosen, z.B. 50 bis 100 mg\/kg KG Ethinylestradiol (oder ad\u00e4quate Dosis von konjugiertem \u00d6strogen: 30), beginnen und in 2 bis 3 Jahren auf eine Vollsubstitutionsdosis gesteigert werden.<\/p>\n<p><i>Achondroplasie, Hypochondroplasie: <\/i>Die H\u00e4ufigkeit der Knorpel-Knochen-Entwicklungsst\u00f6rung Achondroplasie betr\u00e4gt 1:20000 Geburten. Zugrunde liegende St\u00f6rung ist ein Defekt des Gens, das den Fibroblastenwachstumsfak\u00adtor-Rezeptor vom Typ 3 (FGFR 3) codiert. Patienten mit Hypochondroplasie k\u00f6nnen diesen oder einen anderen Defekt haben. Die Ergebnisse der Behandlung der Achon\u00addroplasie mit Wachstumshormon sind nicht befriedigend. Bei einem Teil der Patienten mit Hypochondroplasie wur\u00adden unter hoher STH-Dosierung (20 bis 30 IE\/m<sup>2 <\/sup>Woche) z.T. Erfolge gesehen (2). Ergebnisse der erreichten End\u00adgr\u00f6\u00dfen liegen noch nicht vor. Im Einzelfall ist nach Abw\u00e4gen aller Risiken auch eine operative Beinverl\u00e4ngerung m\u00f6g\u00adlich (29).<\/p>\n<p><i>Osteogenesis imperfecta: <\/i>Bei Osteogenesis imperfecta Typ 1 wurde in einer Studie mit 14 Patienten eine Steigerung der Wachstumsrate und Erh\u00f6hung der Knochendichte festgestellt (1).<\/p>\n<p><i>Idiopathischer Kleinwuchs: <\/i>Voraussetzung f\u00fcr diese Diagnose ist, da\u00df organische oder psychische Erkrankungen und ein Hormonmangel ausgeschlossen wurden. Bei den Patienten gibt es solche, die kleine Eltern und andere, die normal gro\u00dfe Eltern haben. Die STH-Behandlung dieser Patienten wird von einzelnen Autoren positiv eingesch\u00e4tzt (13). In den meisten Studien konnten keine befriedigenden Langzeitergebnisse erzielt werden (5,6,23). Eine Behandlung dieser Patienten erscheint daher und wegen der hohen Kosten der STH-Therapie nicht gerechtfertigt.<\/p>\n<p><i>Intrauteriner Kleinwuchs: <\/i>Neugeborene, die bei normaler Tragzeit untergewichtig geboren werden, holen in 65 bis 90% der F\u00e4lle diesen R\u00fcckstand bis zum Alter von 5 Jahren auf. Die verbleibenden 10 bis 20% der Kinder gleichen diesen Wachstumsr\u00fcckstand nicht aus. Unter Wachstumshormondosen, die das 2- bis 3fache der Substitutionsdosis betragen (1,4 bis 2 IU\/kg KG\/Woche), kommt es bei diesen Patienten zu einem Anstieg der Wachstumsgeschwindigkeit und vermutlich der Wachstumsprognose (7, 36, 37). Eine fr\u00fche Behandlung pr\u00e4pubert\u00e4rer Kinder hat eine geringere Akzeleration des Knochenalters zur Folge.<\/p>\n<p><i>Kleinwuchs beim Prader-Willi-Labhart-Syndrom (PWL):<\/i> Neugeborene mit PWL fallen durch Muskelhypotonie und Mangelgedeihen auf. Sp\u00e4ter ist neben der Adipositas und dem sekund\u00e4ren Hypogonadismus der Kleinwuchs ein f\u00fchrendes Symptom. Eine Therapie mit Wachstumshormon ist bei den Patienten indiziert, bei denen ein STH-Mangel nachweisbar ist (9, 11, 17).<\/p>\n<p><i>Kleinwuchs bei Phosphatdiabetes (X-gebundene famili\u00e4re hypophosphat\u00e4mische Rachitis): <\/i>Die Frage, ob durch eine Therapie mit Wachstumshormon das Wachstum anhaltend verbessert und das Risiko der Nephrokalzinose gesenkt wird (20, 26, 35), bedarf noch weiterer Bearbeitung.<\/p>\n<p><i>Kleinwuchs bei Myelomeningozele: <\/i>Erste Ergebnisse einer Behandlung mit Wachstumshormon weisen auf eine zus\u00e4tzliche Wachtumspotenz hin, wobei sich die Breite des Spinalkanals zu vergr\u00f6\u00dfern scheint (25).<\/p>\n<p><b>Hochwuchs:<\/b> Hochw\u00fcchsig sind Menschen mit einer K\u00f6rperh\u00f6he oberhalb der 97. Perzentile der Altersnorm bzw. au\u00dferhalb der zweifachen positiven Standardabweichung des altersgem\u00e4\u00dfen Mittelwertes. Als Syndrom bzw. stoffwechselbedingte Hochwuchsformen sind das Sotos-Syndrom (im S\u00e4uglingsalter), das Marfan-Syndrom und die Homozystinurie auszuschlie\u00dfen. Ein Gigantismus infolge eines eosinophilen Hypophysenadenoms ist extrem selten. Die h\u00e4ufigste Ursache eines Hochwuchses ist der famili\u00e4re Hochwuchs. Tempor\u00e4r k\u00f6nnen ein unbehandeltes adrenogenitales Syndrom sowie eine Pubertas bzw. Pseudopubertas praecox einen Hochwuchs verursachen.<\/p>\n<p>Eine medikament\u00f6se Behandlung des Hochwuchses ist auf Einzelf\u00e4lle zu beschr\u00e4nken (3, 33). Sie kann bei einer prospektiven Endgr\u00f6\u00dfe ab 187 cm bei M\u00e4dchen und ab 205 cm bei Knaben erwogen werden. Therapiebeginn: Knochenalter 11 Jahre bei M\u00e4dchen bzw. 13 Jahre bei Knaben. Therapieende: Knochenalter bei M\u00e4dchen 15 Jahre, bei Knaben 17 Jahre. Die Therapie sollte in der Hand p\u00e4diatrischer Endokrinologen bzw. von spezialisierten \u00c4rzten bleiben. Die Behandlung von Knaben wird heute selten durchgef\u00fchrt. Die Fertilit\u00e4t ist bei M\u00e4dchen nach der Behandlung gegeben (15).<\/p>\n<p><b>Literatur<\/b><\/p>\n<ol class=\"literatur\">\n<li>Antoniazzi, F., et al.: J. Pediatr. <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=8804334&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1996, <b>129<\/b>, 432<\/a>.<\/li>\n<li>Bridges, N.A., und Brook, C. G. D.: Horm. Res. <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=7868078&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1994, <b>42, <\/b>231<\/a>.<\/li>\n<li>Brook, C.G., et al.: Arch. Dis. 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