{"id":40177,"date":"1999-07-01T12:03:00","date_gmt":"1999-07-01T10:03:00","guid":{"rendered":"https:\/\/der-arzneimittelbrief.com\/artikel\/1999\/optimierung-der-monotherapie-bei-essentieller-hypertonie"},"modified":"1999-07-01T12:03:00","modified_gmt":"1999-07-01T10:03:00","slug":"optimierung-der-monotherapie-bei-essentieller-hypertonie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/nachrichten\/optimierung-der-monotherapie-bei-essentieller-hypertonie\/","title":{"rendered":"Optimierung der Monotherapie bei essentieller Hypertonie"},"content":{"rendered":"<p>Die Wahl des ersten Antihypertensivums bei neu entdeckter arterieller Hypertonie ist bisher variabel. Zwar gibt es Hinweise darauf, da\u00df bei j\u00fcngeren Menschen ACE-Hemmer und Betarezeptoren-Blocker etwas besser wirken als bei \u00e4lteren Menschen und da\u00df bei \u00e4lteren Patienten Diuretika besser wirken als bei jungen, jedoch wird dies in der Praxis wenig beachtet. Um so wichtiger sind die Ergebnisse einer im Lancet (<a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=10376615&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1999, <b>353<\/b>, 2008<\/a>) ver\u00f6ffentlichten Studie von J.E.C. Dickerson et al. aus Cambridge, U.K., die bei 56 relativ jungen Patienten mit essentieller Hypertonie (22-51 Jahre alt) systematisch die blutdrucksenkende Wirkung vier verschiedener Monotherapien verglichen. Nach initialer sorgf\u00e4ltiger Blutdruckmessung und Bestimmung der Plasma-Katecholamine und der Plasma-Renin-Aktivit\u00e4t erhielten die Patienten f\u00fcr jeweils einen Monat einen ACE-Hemmer (A: 20 mg Lisinopril\/d) oder einen Beta-Blocker (B: 5 mg Bisoprolol\/d) oder einen Kalziumantagonisten (C: 30 mg retardiertes Nifedipin\/d) oder ein Diuretikum (D: 25 mg Hydrochlorothiazid + 50 mg Triamteren\/d). Nach jeweils 4 Wochen wurde der Blutdruck gemessen; es folgte eine 4w\u00f6chige \u201dWash-out&#8220;-Phase, darauf folgte das n\u00e4chste Medikament usw. Die o.a. Medikamenten-Reihenfolge wurde immer eingehalten, jedoch begann jeweils ein Viertel der Patienten mit der Therapieform A, B, C oder D. Der Blutdruck wurde elektronisch nach 10 Minuten Flachlagerung dreimal gemessen, desgleichen nach 2 Minuten Orthostase. Eingeschlossen wurden Patienten, die Blutdruckwerte > 140 mmHg systolisch und\/oder > 90 mmHg diastolisch hatten. Der mittlere Ausgangsblutdruck war 161\/98 mmHg.<\/p>\n<p><b>Ergebnisse:<\/b> Legt man das Behandlungsziel des Blutdrucks von < 140\/90 mmHg zugrunde, dann erreichten dieses Ziel 39% der Patienten mit dem ersten Monotherapie-Versuch, w\u00e4hrend 73% der Patienten dieses Ziel mit dem besten der vier Medikamente erreichten. Wurde das Behandlungsziel Blutdruck < 135\/85 mmHg angestrebt, dann wurde es beim ersten Therapieversuch bei 20% und beim besten Therapieversuch bei 50% erreicht. Insgesamt war die Blutdrucksenkung durch den ACE-lnhibitor (A) signifikant mit der Blutdrucksenkung durch den Beta-Blocker (B) korreliert. Auf der anderen Seite korrelierte die Blutdrucksenkung durch den Kalziumantagonisten (C) mit der Senkung durch das Diuretikum (D). Die Blutdrucksenkung durch A oder B korrelierte interessanterweise jedoch nicht mit den Blutdruckeffekten von C oder D. Insgesamt war die Blutdrucksenkung durch A oder B signifikant st\u00e4rker als durch C oder D. Die bessere Blutdrucksenkung durch A oder B mag damit zusammenh\u00e4ngen, da\u00df es sich \u00fcberwiegend um j\u00fcngere Patienten handelte, bei denen die Renin-Aktivit\u00e4t etwas h\u00f6her ist als bei \u00e4lteren Hypertonikern. Es ergab sich auch eine signifikant positive Korrelation zwischen der H\u00f6he der pr\u00e4therapeutischen Plasma-Renin-Aktivit\u00e4t und der Wirksamkeit des ACE-Hemmers (A).<\/p>\n<p><b>Beurteilung:<\/b> Diese sorgf\u00e4ltig durchgef\u00fchrte Studie mit \u201dWash-out&#8220;-Phasen zwischen den vier Behandlungsperioden hat wichtige praktische Konsequenzen. Bevor man bei einem Patienten mit leichter bis mittelschwerer essentieller Hypertonie nach unzureichender Wirkung einer Monotherapie zur Zweifachtherapie fortschreitet, sollte man f\u00fcr mindestens 4 Wochen eine andere Monotherapie versuchen. Wenn ein zuerst versuchtes Diuretikum (D) unzureichend wirksam ist, ist es vermutlich nicht sinnvoll, auf einen Kalziumantagonisten (C) \u00fcberzugehen, sondern ein Medikament aus der anderen Gruppe (A oder B) zu w\u00e4hlen, das eher bei Patienten mit hoher als bei solchen mit niedriger Plasma-Renin-Aktivit\u00e4t wirksam ist. Man kann also empfehlen, bei j\u00fcngeren Patienten die Monotherapie mit einem Betarezeptoren-Blocker oder ACE-Hemmer zu beginnen, bei \u00e4lteren Patienten mit einem Diuretikum oder einem Kalziumantagonisten. Bei unzureichender Wirkung sollte man von A oder B als n\u00e4chstes D oder C ausprobieren und vice versa. Durch rotierendes Ausprobieren einer Monotherapie kann man wahrscheinlich vielen Patienten eine kombinierte antihypertensive Therapie ersparen. Die hier verwandten Dosen der Antihypertensiva entsprechen mittleren therapeutischen Dosen und sind nicht Maximaldosen. Im Einzelfall kann nat\u00fcrlich auch eine Dosis-Titration versucht werden, die in dieser recht komplizierten Therapiestudie nicht m\u00f6glich war.<\/p>\n<p><b>Fazit:<\/b> Bei Patienten mit leichter bis mittelschwerer arterieller Hypertonie lohnt es sich, mehrere Monotherapien hintereinander auszuprobieren, wenn mit dem ersten Antihypertensivum der Zielblutdruck nicht erreicht wird, bevor man zur Zweifach- oder Dreifachtherapie \u00fcbergeht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Wahl des ersten Antihypertensivums bei neu entdeckter arterieller Hypertonie ist bisher variabel. Zwar gibt es Hinweise darauf, da\u00df bei j\u00fcngeren Menschen ACE-Hemmer und Betarezeptoren-Blocker etwas besser wirken als bei \u00e4lteren Menschen und da\u00df bei \u00e4lteren Patienten Diuretika besser wirken als bei jungen, jedoch wird dies in der Praxis wenig beachtet. 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