{"id":40183,"date":"1999-10-01T12:01:00","date_gmt":"1999-10-01T10:01:00","guid":{"rendered":"https:\/\/der-arzneimittelbrief.com\/artikel\/1999\/koronarprotektiver-effekt-einer-mediterranen-ernaehrung-die-lyon-diet-heart-studie"},"modified":"1999-10-01T12:01:00","modified_gmt":"1999-10-01T10:01:00","slug":"koronarprotektiver-effekt-einer-mediterranen-ernaehrung-die-lyon-diet-heart-studie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/nachrichten\/koronarprotektiver-effekt-einer-mediterranen-ernaehrung-die-lyon-diet-heart-studie\/","title":{"rendered":"Koronarprotektiver Effekt einer &#8222;mediterranen&#8220; Ern\u00e4hrung. Die Lyon-Diet-Heart-Studie"},"content":{"rendered":"<p>Fehlern\u00e4hrung und Bewegungsmangel sind neben den klassischen vier Risikofaktoren und der genetischen Vorbestimmung entscheidende Triebfedern f\u00fcr das Fortschreiten der Koronaren Herzkrankheit. Die Nahrung unserer Vorfahren bestand zu nur 20% aus Fett, wobei der Anteil an ges\u00e4ttigten Fetts\u00e4uren gerade 7-8% betrug.<\/p>\n<p>Die &#8222;zivilisierte&#8220; Kost besteht zu \u00fcber 30% aus Fett mit einem hohen Anteil ges\u00e4ttigter Fetts\u00e4uren. Die essentiellen mehrfach unges\u00e4ttigten Fetts\u00e4uren (PUFA) sind durch Aufkl\u00e4rungskampagnen in den vergangenen Jahren wieder mehr in unsere Ern\u00e4hrung integriert worden, wobei die Omega-3-Gruppe relativ zu gering vertreten ist. Der Omega-6\/Omega-3-Fetts\u00e4ure-Quotient liegt in unserer Ern\u00e4hrung im Mittel bei 15; unsere Vorfahren kamen auf einen Wert von 4. Die kanadische Bev\u00f6lkerungsgruppe der lnuits ern\u00e4hren sich bekanntlich sehr fettreich (Fischtrane), haben jedoch eine der niedrigsten Herzinfarktraten der Welt. Es wird vermutet, da\u00df dies mit dem sehr hohen Anteil an Omega-3-Fetts\u00e4uren in ihrer Nahrung zusammenh\u00e4ngt (4 g\/d). Das Verh\u00e4ltnis der aufgenommenen PUFA-Fraktionen spielt eine wesentliche Rolle im Eicosanoid-Stoffwechsel (Prostaglandine, -zykline, Thromboxane usw.) und somit auch bei der Regulation von Gef\u00e4\u00dftonus, -wachstum und Gerinnungsprozessen. \u00dcber m\u00f6gliche Wirkungen und Nebenwirkungen von Omega-6-Fetts\u00e4uren, Omega-3-Fetts\u00e4uren bzw. Fisch\u00f6l-Konzentraten haben wir bereits vor 10 Jahren berichtet (s.a. AMB 1988, <b>22<\/b>, 47; 1989, <b>23<\/b>, 28; 54; 77).<\/p>\n<p>Es gibt mittlerweile viele Untersuchungen, die belegen, da\u00df der Verlauf einer Koronaren Herzerkrankung mit Di\u00e4ten g\u00fcnstig beeinflu\u00dft werden kann. Die wohl bekannteste dieser Studien ist die Lyon-Studie, in der monozentrisch bei \u00fcber 400 Patienten nach Herzinfarkt eine ausgewogene \u03b1-lipons\u00e4urereiche (= mediterrane) Kost gegen eine g\u00e4ngige westliche Ern\u00e4hrung getestet wurde.<\/p>\n<p>Nun sind die 4-Jahres-Ergebnisse dieser Kohortenstudie ver\u00f6ffentlicht (de Lorgeril, M., et al.: Circulation <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=9989963&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1999, <b>99<\/b>, 779<\/a>). Dabei wird, wie schon bei Ver\u00f6ffentlichung der fr\u00fcheren Daten (de Lorgeril, M., et al.: Lancet <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=7911176&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1994, <b>343<\/b>, 1454<\/a>), ein erheblicher Vorteil f\u00fcr die mediterrane Gruppe (n = 219) deutlich. Der prim\u00e4re Endpunkt (Tod und Reinfarkt) wurde signifikant seltener erreicht als in der Gruppe mit der westlichen Di\u00e4t (8% vs. 20%); auch der sekund\u00e4re kombinierte Endpunkt (Myokardinfarkt, Tod, instabile Angina pectoris, Herzinsuffizienz, Schlaganfall u.a.) trat unter mediterraner Kost wesentlich seltener auf (15% vs. 30%). Dies entspricht etwa einer Halbierung des Risikos f\u00fcr kardiovaskul\u00e4re Ereignisse, ein Effekt, der bisher mit keiner pharmakologischen Substanz erreicht wurde.<\/p>\n<p>Die Zusammensetzung der Ern\u00e4hrung in beiden Gruppen am Studienende ist in Tab. 1 wiedergegeben. Der relativ deutlichste Unterschied bestand nicht im Fettanteil, der Gesamtkalorienzahl oder dem Anteil an PUFA, sondern in der aufgenommenen Cholesterinmenge, dem Omega-3-Fetts\u00e4ure-Anteil und vor allem beim Quotienten Omega-6\/ Omega-3-Fetts\u00e4uren.<\/p>\n<p>Bemerkenswert ist, da\u00df der Body-Mass-Index (26,3 vs. 26,9), der systolische und diastolische Blutdruck, der Gesamtcholesterinspiegel (6,1 vs. 6,2 mmol\/l) sowie das Verh\u00e4ltnis von LDL\/HDL-Cholesterin durch die mediterrane Di\u00e4t unbeeinflu\u00dft blieb. Diese Werte unterschieden sich in beiden Gruppen am Studienende nicht.<\/p>\n<p>In der westlich ern\u00e4hrten Gruppe wurde am Ende der Studie h\u00e4ufiger ein fettsenkendes Pharmakon eingenommen (34% vs. 26,5%); ansonsten unterschied sich die Medikation nicht wesentlich. Aktive Raucher und Patienten mit diabetischer Stoffwechsellage waren am Ende gleich h\u00e4ufig in beiden Gruppen vertreten, so da\u00df sich sowohl in der univariaten wie auch in der multivariaten Risikoanalyse nur die mediterrane Ern\u00e4hrung, das Ausgangs-HDL-Cholesterin und die Einnahme von Azetylsalizyls\u00e4ure als unabh\u00e4ngige Faktoren f\u00fcr das Nicht-Erreichen eines kombinierten Endpunktes nach 4 Jahren errechnen lie\u00df.<\/p>\n<p>Diese Studie ist aus mehreren Gr\u00fcnden bedeutsam. Zum einen wurde nur durch eine Umstellung der Ern\u00e4hrung ein Effekt erzielt, der bisher durch kein Arzneimittel erreicht werden konnte. Dies verdeutlicht die Rolle der Lebensf\u00fchrung und damit auch die Eigenverantwortlichkeit f\u00fcr Herz- und Gef\u00e4\u00dfkrankheiten. Jeder Herzinfarktpatient kann durch die Umstellung von Ern\u00e4hrung und Lebensstil seine Prognose deutlich verbessern. Ein weiterer wesentlicher Aspekt dieser Studie ist, da\u00df das Paradigma vom hohen Cholesterin als Motor der Atherosklerose relativiert wird. Die Pathophysiologie der Fette ist offenbar viel komplexer als gemeinhin angenommen wird, denn die Risikoreduktion durch die mediterrane Di\u00e4t war nicht auf eine Senkung des Gesamtcholesterins oder des K\u00f6rpergewichts zur\u00fcckzuf\u00fchren. Des weiteren ist bemerkenswert, da\u00df die empfohlene mediterrane Kost \u00fcber die gesamten 4 Jahre durchgehalten wurde, ein Beleg daf\u00fcr, da\u00df diese Ern\u00e4hrung schmackhaft ist und das Wohlbefinden steigert.<\/p>\n<p><b>Fazit:<\/b> Eine mediterrane Kost hat nach bereits 4 Jahren eine gute koronarprotektive Wirkung bei Patienten nach Myokardinfarkt.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/nachrichten\/wp-content\/uploads\/1999\/10\/Abbildung-1999-74-1.gif\" alt=\"Abbildung 1999-74-1.gif\" class=\"table-figure\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fehlern\u00e4hrung und Bewegungsmangel sind neben den klassischen vier Risikofaktoren und der genetischen Vorbestimmung entscheidende Triebfedern f\u00fcr das Fortschreiten der Koronaren Herzkrankheit. Die Nahrung unserer Vorfahren bestand zu nur 20% aus Fett, wobei der Anteil an ges\u00e4ttigten Fetts\u00e4uren gerade 7-8% betrug. 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