{"id":40187,"date":"1999-10-01T12:05:00","date_gmt":"1999-10-01T10:05:00","guid":{"rendered":"https:\/\/der-arzneimittelbrief.com\/artikel\/1999\/behandlung-der-erektilen-dysfunktion"},"modified":"1999-10-01T12:05:00","modified_gmt":"1999-10-01T10:05:00","slug":"behandlung-der-erektilen-dysfunktion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/nachrichten\/behandlung-der-erektilen-dysfunktion\/","title":{"rendered":"Behandlung der erektilen Dysfunktion"},"content":{"rendered":"<p>Im Auftrag der Kommission Hormontoxikologie der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Endokrinologie berichteten k\u00fcrzlich C. Rolf und E. Nieschlag in den Endokrinologie-lnformationen (1999, Heft 4, S. 126) \u00fcber M\u00f6glichkeiten zur Behandlung der insbesondere bei \u00e4lteren M\u00e4nnern h\u00e4ufigen erektilen Dysfunktion (ED). Das Thema ist durch das seit einiger Zeit auch in Deutschland zugelassene Sildenafil (Viagra) popul\u00e4r geworden (s.a. <a href=\"http:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/de\/Artikel.aspx?SN=5953\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">AMB 1998, <b>32<\/b>, 44<\/a>), bleibt aber tats\u00e4chlich auch ein wichtiges klinisches und f\u00fcr die Betroffenen psychisch belastendes Problem.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst sollte bei einem Mann mit ED ein Testosteronmangel und\/oder eine Hyperprolaktin\u00e4mie ausgeschlossen werden. Bei dieser endokrinologischen St\u00f6rung sind fast immer Libido und Erektionsverm\u00f6gen gleichzeitig gest\u00f6rt. Die Therapie besteht in der Hormonsubstitution (i.m. Injektionen von Testosteron-Estern oder perkutane Testosteron-Applikation). Bei M\u00e4nnern mit normalem Serum-Testosteron ist die ED in der Regel multifaktoriell verursacht. Soziale, psychische, neurologische und vaskul\u00e4re Faktoren (arterielle Verschlu\u00dfkrankheit) und eventuell vorangegangene operative Eingriffe im Urogenitalbereich sind zu ber\u00fccksichtigen. Starkes Rauchen und bestimmte Antihypertensiva (z.B. Betarezeptoren-Blocker und andere Sympathikolytika) k\u00f6nnen eine ED verst\u00e4rken. Bevor man einem Patienten, f\u00fcr den die ED tats\u00e4chlich ein subjektives Problem ist, eine Therapie empfiehlt, sollte eine gr\u00fcndliche Anamnese erhoben und eine vollst\u00e4ndige k\u00f6rperliche Untersuchung durchgef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>Eine relativ unangenehme, weil kaum diskret durchf\u00fchrbare Behandlung ist die Schwellk\u00f6rper-Autoinjektionstherapie (SKAT). Hierbei wird ein Vasodilatator (meist Prostaglandin E1 = Alprostadil) in den Schwellk\u00f6rper des Penis injiziert (1, 2). Die Dosis mu\u00df individuell ermittelt werden. Bei zu hoher Dosis kann es zu Schwindel und Blutdruckabfall und lang anhaltendem Priapismus kommen.<\/p>\n<p>Eine nebenwirkungsarme Variante dieser Therapie, die auch einfacher zu handhaben ist, ist die transurethrale Instillation von Alprostadil (<b>M<\/b>edicated <b>U<\/b>rethral <b>S<\/b>ystem for <b>E<\/b>rection = MUSE; 3), wobei das Prostaglandin-Derivat in die Schwellk\u00f6rper diffundiert und \u00e4hnliche Wirkungen aus\u00fcbt wie das direkt injizierte. Diese Therapie ist jedoch nur bei etwa 30 bis 40% der M\u00e4nner mit ED wirksam, w\u00e4hrend die lnjektionstherapie in etwa 90% wirksam sein soll. Die Kombination von Alprostadil mit dem Alpharezeptor-Antagonisten Prazosin soll die Wirksamkeit der transurethralen Therapie erh\u00f6hen.<\/p>\n<p>Auch Yohimbin, ein Alpha-2-Rezeptor-Antagonist, ist bei manchen Patienten, besonders bei solchen mit psychogener ED, wirksam (4). Als Dosierung werden 3mal 5 bis 3mal 10 mg\/d empfohlen. Bei manchen Patienten scheint auch die Einnahme einiger Tabletten vor dem gew\u00fcnschten Geschlechtsverkehr wirksam zu sein.<\/p>\n<p>\u00dcber den Phosphodiesterase-Typ-5-Hemmer Sildenafil haben wir k\u00fcrzlich berichtet (<a href=\"http:\/\/www.der-arzneimittelbrief.de\/de\/Artikel.aspx?SN=5953\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">AMB 1998, <b>32<\/b>, 44<\/a>). Die Wirkung von Sildenafil ist in einem Bereich zwischen 25 und 100 mg dosisabh\u00e4ngig. In einer plazebokontrollierten Studie von Goldstein et al. (5) war Plazebo bei 25% und 25, 50 bzw. 100 mg Sildenafil bei 56%, 77% und 84% der Patienten wirksam. Der Erfolg der Anwendung von Sildenafil h\u00e4ngt auch von der die ED verursachenden St\u00f6rung ab. Sie ist relativ gering bei Patienten mit Diabetes mellitus und Zustand nach Prostata-Operationen (57% bzw. 43%) und relativ hoch bei Patienten mit psychogenen bzw. organisch bedingten Erektionsst\u00f6rungen und R\u00fcckenmarkverletzungen (84% bzw. 80% bzw. 83%). Stets sollte die kleinste wirksame Dosis von Sildenafil eingesetzt werden. Wie schon mehrfach berichtet, ist die Anwendung von Sildenafil bei Patienten, die eine Nitrat-Therapie erhalten, absolut kontraindiziert. Auch darf bei Patienten, die w\u00e4hrend eines Geschlechtsverkehrs nach Sildenafil-Einnahme Angina pectoris bekommen, auf keinen Fall ein Nitratpr\u00e4parat gegeben werden (6). Mehrfach ist \u00fcber Todesf\u00e4lle w\u00e4hrend des Geschlechtsverkehrs nach Anwendung von Sildenafil berichtet worden. Es ist jedoch unklar, wie oft die Gabe von Sildenafil Hauptursache der Todesf\u00e4lle war und wie oft bei \u00e4lteren M\u00e4nnern auch ohne Sildenafil durch die Anstrengung des Geschlechtsverkehrs Todesf\u00e4lle verursacht werden.<\/p>\n<p>Sildenafil ist ein nicht sehr spezifischer Phosphodiesterase-Typ-5-Inhibitor. Einige Pharmafirmen versuchen durch die Herstellung spezifischerer Phosphodiesterase-Typ-5-Inhibitoren Kreislaufkomplikationen nach Anwendung dieser Substanz zu verringern oder auszuschlie\u00dfen. Aussagef\u00e4hige Studien mit Nachfolgepr\u00e4paraten liegen allerdings noch nicht vor.<\/p>\n<p><b>Fazit:<\/b> Die erektile Dysfunktion ist eine, insbesondere bei \u00e4lteren M\u00e4nnern, h\u00e4ufige St\u00f6rung, die einer genauen diagnostischen Analyse bedarf. Ebenso differenziert sollte die Indikation zur Anwendung verschiedener Behandlungsprinzipien gestellt werden.<\/p>\n<p><b>Literatur<\/b><\/p>\n<ol class=\"literatur\">\n<li>Linet, O.I., et al.: N. Engl. J. Med. <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=8596569&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1996, <b>334<\/b>, 873<\/a>.<\/li>\n<li>Lipshultz, L.I.: N. Engl. J. Med. <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=8596577&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1996, <b>334<\/b>, 913<\/a>.<\/li>\n<li>Padma-Nathan, H., et al.: N. Engl. J. Med. <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=8970933&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1997, <b>336<\/b>, 1<\/a>.<\/li>\n<li>Yohimbine for male sexual dysfunction. Med. Lett. Drugs Ther. <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=7990753&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1994, <b>36<\/b>, 115<\/a>.<\/li>\n<li>Goldstein, I., et al.: N. Engl. J. Med. <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=9580646&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1998, <b>338<\/b>, 1397<\/a>.<\/li>\n<li>Leserbriefe: N. Engl. J. Med. <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/entrez\/query.fcgi?cmd=Retrieve&#038;db=PubMed&#038;list_uids=10475831&#038;dopt=Abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1999, <b>341<\/b>, 700<\/a>.<\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Auftrag der Kommission Hormontoxikologie der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Endokrinologie berichteten k\u00fcrzlich C. Rolf und E. Nieschlag in den Endokrinologie-lnformationen (1999, Heft 4, S. 126) \u00fcber M\u00f6glichkeiten zur Behandlung der insbesondere bei \u00e4lteren M\u00e4nnern h\u00e4ufigen erektilen Dysfunktion (ED). Das Thema ist durch das seit einiger Zeit auch in Deutschland zugelassene Sildenafil (Viagra) popul\u00e4r geworden (s.a. 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